BSKI-Vorstandsvorsitzender Holger Berens (rechts) und sein stellvertretender Vorsitzender Hans-Walter Borries im Gespräch mit der ZfK.

BSKI-Vorstandsvorsitzender Holger Berens (rechts) und sein stellvertretender Vorsitzender Hans-Walter Borries im Gespräch mit der ZfK.

Bild: © BSKI

Der neu gegründete Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen (BSKI) hat seine Arbeit aufgenommen. Die ZfK führte mit dem Vorstandsvorsitzenden Holger Berens und seinem stellvertretenden Vorsitzenden Hans-Walter Borries ein Gespräch über Ziele und Inhalte des neuen Verbandes. Dessen Gründungsmitglieder sind Vertreter von seit Jahren im Markt etablierten Unternehmen der Sicherheitsbranche, der EDV-Beratung sowie von Hochschulen und Instituten.

Herr Berens und Herr Borries, Sie sagen, es geht in Ihrem Verband nicht nur um IT-Sicherheit, sondern darum, alle Risikofaktoren zu berücksichtigen. Wie ist das gemeint?

Holger Berens (Vorstandsvorsitzender): Die Gefahrenlage auf alle neun KRITIS-Sektoren sieht neben der aktuellen und sehr wichtigen Bedrohung durch "Cyberattacken und Angriffe durch Terroristen" auch die allzeit gegenwärtigen Gefahren wie Naturkatastrophen, etwa durch Starkregen und Stürme, aber auch Unglücke und das wichtige Thema "menschliches Versagen und Systemfehler" vor. Die aktuelle Hitzethematik mit Waldbränden in Brandenburg verdeutlicht sehr gut die Auswirkungen eines Hitzesommers mit all seinen Gefahrenauswirkungen wie Löschwasserprobleme oder Munitionsaltlasten. Und auch das wichtige Thema niedrige Fluss-Pegelstände, die die Grundlast von Kraftwerken nachhaltig beeinflussen.

Der BSKI möchte als Plattform ein ganzheitliches Denken für alle neun KRITIS-Sektoren und Gefahrenlagen bewirken, um die Wechselwirkungen der neun Sektoren unter- und miteinander nicht aus den Augen zu verlieren und damit nicht nur zum Spezialistendenker in einem KRITIS-Sektor beizutragen.

Was war der Anlass für die Gründung des Verbands?

Hans-Walter Borries (stellvertretender Vorsitzender): In den letzten fünf bis sieben Jahren wurden auf Fachkongressen die "KRITIS-Szenarien" fast ausschließlich auf den Ausfall der Stromversorgung subsumiert, weniger standen die anderen acht KRITIS-Sektoren, wie etwa der Ausfall der Wasserver- und -entsorgung im Fokus einer ganzheitlichen Betrachtung.

Die in einzelnen KRITIS-Sektoren bislang erfolgreich tätigen Unternehmen, Gutachter und Mitglieder von Hochschulen und Instituten haben sich nach einer intensiven Analyse dieses Themenfeldes seit Frühjahr 2018 zur Aufgabe gemacht, einen unabhängigen und sachorientierten Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen zu gründen. Unter anderem auch aufgrund der stetigen Nachfrage zu diesem wichtigen Thema aus Politik, Verwaltung, Unternehmen und breiter Bürgerschaft sowie der Wissenschaft und Forschung.

Welche Ziele strebt Ihr Verband an?

Berens: Gemäß Satzung definieren sich die Aufgaben darin, Sicherheitsrisiken für kritische Infrastrukturen und deren Zulieferer frühzeitig zu erkennen und durch gezielte Präventionskonzepte zu reduzieren. Dabei werden allerhöchste Schutzziele – technisch, organisatorisch und persönlich – verfolgt. Kernaufgaben sind daher die Unterstützung der von KRITIS betroffenen Sicherheitsbereiche und Akteure durch Forschung, Konzepte, Technologie und Dienstleistungen für unsere Mitglieder.

Sie wollen alle neuen Bereiche der Kritischen Infrastrukturen mit einem integrativen Blick angehen. Wie ist das gemeint?

Borries: Wir sehen uns nicht als Kopie anderer Verbände und Organisationen, sondern stellen eine eigenständige und unabhängige Plattform für eine ganzheitliche Betrachtung aller neun KRITIS-Sektoren dar, deren Verknüpfung in Zeiten einer hochtechnisierten und komplexen Welt vielfältiger Art sind und stetig zunehmen.

Beschränkt sich Ihre Arbeit auf Deutschland?

Berens: Als Bundesverband wird der Fokus primär auf die gegenwärtige Situation in Deutschland gelegt, weil hier die Auswirkungen auf die neun KRITIS-Sektoren uns jederzeit treffen und vor entsprechenden Handlungsdruck stellen können. Der Blick wandert aber auch jetzt schon nach Österreich und in die Schweiz. Der BSKI steht im fachlichen Austausch mit "KRITIS"-Experten in den genannten Ländern und wird sich nach der Startphase sicherlich auch den entsprechenden Themen und Nachfragen in und aus den Nachbarländern verstärkt widmen.

Welche Aufgaben stehen demnächst an?

Borries: Nach der Konstituierung des Bundesverbands wird sich in den nächsten Wochen eine strategische Ausrichtung und Umsetzung anschließen, die unter anderem über Fachforen, Teilnahme an schon bestehenden Fachkongressen auch die eigenständige Durchführung von Informationsveranstaltungen wie Tagungen und Fachforen vorsieht. Der BSKI wird mit seinen Vorstandsmitgliedern auf den großen Fachtagungen wie der "Security 2018" Ende September in Essen, und auf der Fachmesse Protec in Leipzig Ende November sowie ähnlichen Tagungen vertreten sein.

Sie entwickeln außerdem eine KRITIS-Landkarte?

Berens: Im Rahmen eines Projekts bauen wir einen Vertrauensraum – im Speziellen eine Kommunikations- und Kollaborationsplattform – auf. Zur Zeit läuft die Spezifizierungsphase und ist öffentlich noch nicht verfügbar. Die Karte wird eine erste Übersicht über die derzeitige Verteilung von KRITIS-Sektoren in Deutschland.

Ist die Karte nicht auch ein potenzielles Einfallstor für Hacker? Diese wissen dann genau, wo Schwachpunkte sind?

Berens: In der Tat, dies ist ein berechtigter Hinweis, den es ernsthaft zu diskutieren gilt, ob diese Form der Inhalte in einer KRITIS-Karte einer breiteren Öffentlichkeit oder nur einem eingeschränkten Fachpublikum vorzustellen sein wird.

Die Fragen stellte Stephanie Gust

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