Eine gemeinsame IT-Plattform kann viele Aufgaben erleichtern.

Eine gemeinsame IT-Plattform kann viele Aufgaben erleichtern.

Bild: © j-mel/AdobeStock

Was will der Kunde? Diese Frage stand in den meisten Vorträgen der diesjährigen VKU IT-Konferenz in Dresden unter dem Motto "Stadtwerke-IT im Wandel" im Vordergrund. Ronny Götze, Bereichsleiter IT bei der Drewag und Enso, der auch gleichzeitig Geschäftsführer der gemeinsamen Abrechnungs-Tochter Drecount ist, machte sich dabei für eine konzernübergreifende IT-Plattform stark.

Durch das zentrale Lizenzmanagement sei die Verhandlungsposition mit den Softwareherstellern SAP, Oracle, Microsoft deutlich besser geworden. Wichtig sei es, immer mehr zu digitalisieren, mehr Traffic auf die eigenen Systeme zu bringen und diese besser zu nutzen, aber auch gleichzeitig Technologien und Anwendungen zu minimieren sowie zu standardisieren. Datenkonsistenz und Datenqualität seien dabei sehr bedeutend.

Richtig digitalisieren

Man habe sich die Prozesse aus der Kundenperspektive angesehen und diese für den Kunden vereinfacht. Der Kunde könne nun wesentlich unkomplizierter mit dem Konzern in Kontakt treten, etwa durch Multi-Channeling, also indem er verschiedene Kommunikationswege wie E-Mail, Telefon, Social Media nutzt.

Allerdings, so hebt Götze hervor "Der Wert neuer IT-Systeme entsteht erst durch neue optimierte Geschäftsabläufe – nicht einfach nur durch deren Anschaffung". Auch Moderator Rainer Stock, Bereichsleiter Netzwirtschaft beim VKU, bekräftigt: "Digitalisiert man einen schlechten Prozess, ist es immer noch ein schlechter Prozess".

Aufgabenverteilung ÜNB contra VNB

Michael Wübbels, stellvertretender VKU-Hauptgeschäftsführer, gab einen aktuellen Überblick zum politischen Geschehen: Im Mittelpunkt stand die Diskussion über die Aufgabenverteilung zwischen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) und Verteilnetzbetreiber (VNB).

Erstere wollen bekanntlich mehr Aufgaben von den VNB übernehmen, etwa indem sie Erneuerbare- und Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Anlagen im Verteilnetz steuern wollen. Inzwischen nicht mehr erst ab zehn MB Leistung, sondern schon auf der 100 kW-Ebene, so Wübbels. So würden die ÜNB Steuerungskompetenzen bekommen wollen, ohne zu berücksichtigen, dass dies auch die VNB machen können.

Plattformgedanke auch bei den VNB

Ein zentralistischer Ansatz berge jedoch Risiken: etwa ein größeres Gefährdungspotenzial. Das ergibt ein Gutachten, dass der VKU in Auftrag gab. Im Gegensatz dazu würden die Energiesysteme durch die Wabenstruktur der VNB eine höhere Resilienz aufweisen. Falle hier ein System aus, laufen die anderen weiter. Zudem kenne der VNB seine Netze am besten. Durch das Kaskadenprinzip gebe es des Weiteren eine klare Zuordnung von Aufgaben, Verantwortung und Entscheidungshoheit im Netz.

Durch die Dezentralisierung übernehmen die VNB ohnehin immer mehr Verantwortung und Aufgaben, etwa durch das Steuern von Flexibilitäten, KWK, Plattformen oder Sektorenkopplung. Im Bereich E-Mobilität schaffen sie außerdem eine öffentliche Ladesäuleninfrastruktur, die gleichzeitiges Laden möglich mache, indem sie ihre Netze entsprechend optimieren. Dies gehe allerdings nur mit einer modernen IKT-Infrastruktur einher, verdeutlicht Wübbels.

VKU wehrt Änderung im EnWG ab

Das Bundeswirtschaftsministerium würde bei dieser Diskussion eher einen kleinen und nicht so komplizierten Tisch mit vielen Teilnehmern bevorzugen. Daher werde dort die ÜNB-Lösung mit nur vier Ansprechpartnern favorisiert. Das VKU-Gutachten mache sich hingegen für die Verteilnetzbetreiber stark, die über eine gemeinsame Plattform und die Sektorenkopplung zeigen können, dass sie über die entsprechenden Informationen und Kompetenzen in ihren Netzen verfügen.

Im aktuellen Energiesammelgesetz habe man die ersten Versuche abwehren können, dass es eine Änderung im Energiewirtschaftsrecht gibt, die beim Redispatch von KWK-Anlagen durch die ÜNB ein Alleinstimmungsrecht für diese festgeschrieben hätte. Nachdem der VKU auf die unklaren Auswirkungen hinwies, die sich dadurch auf das Thema KWK, Wärmeversorgung und auch auf die zu erstattenden Kosten ergeben, hätten Union und SPD zugestimmt, dass man die Reichweite hier noch nicht einschätzen könne und die Idee vorerst fallen gelassen.

Design Thinking – aus der Sicht des Kunden gedacht

Einen Ansatz, wie sich Kundenbedürfnisse erfüllen lassen, stellte Claudia Nicolai, akademische Leiterin vom Hasso-Plattner-Institut, mit Design Thinking vor. Hier geht es darum, das eigentliche Problem zu verstehen, es zu lösen und dabei mit Teams abteilungsübergreifend zusammenzuarbeiten. "Das ist anspruchsvoll und nicht leicht", so Nicolai. So denke man aber auch mal über den Tellerrand hinaus.

Dabei werden frühzeitig Ideen entwickelt, die schnellstmöglich in Prototypen umgewandelt werden. Hier müsse man sich aufs Scheitern einstellen, denn auch Misserfolg gehöre dazu. "Es geht darum, Dinge auszuprobieren und herauszufinden, ob sie funktionieren", sagt Nicolai. Wichtig sei es dabei, Leute einzubinden, die Lust haben an dem Projekt mitzuarbeiten – und natürlich auch über entsprechende Kompetenzen verfügen. Am Ende stehe dann ein Produkt. Etwa die App "Power Cut" von Eon, die Bürgern und Gewerbetreibenden unkompliziert Auskünfte zu Stromausfällen gebe. (sg)

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