Herr Schultes, warum ist derzeit die Nachfrage nach Robotern so groß?
Jesko Schultes, Geschäftsführer von Natuvion Digital: Durch den digitalen Wandel wird der Bedarf an prozessoptimierenden Lösungen immer größer. Durch die Gründung von Natuvion Digital haben wir auf diese Entwicklung reagiert. Und wir haben sogar noch eins draufgesetzt: Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, dieses Thema aus der doch sehr nüchternen, kalten technischen IT-Ecke herauszuholen und es etwas lebendiger und greifbarer gestaltet. Deshalb haben wir Emmi entwickelt, unsere digitale Helferin. Emmi ist eine Roboter-Dame und sozusagen das Maskottchen und Gesicht des Unternehmens.
Welchen Nutzen können Unternehmen explizit aus Robotics Process Automation (RPA) ziehen? Oder um es anders zu formulieren: Was kann Emmi denn nun eigentlich?
Die Möglichkeiten, die sich durch die Automatisierung von Geschäftsprozessen mittels unserer Emmi ergeben, sind immens vielfältig. Im Prinzip muss man sich Emmi in ihrer Arbeitsweise wie einen virtuellen Mitarbeiter vorstellen. Sie interagiert mit den Unternehmensapplikationen, gleich welcher Art, wie ein normaler Mitarbeiter auch. Jedoch deutlich schneller, absolut fehlerfrei und bei Bedarf rund um die Uhr – und das für diverse Aufgabengebiete. Darüber hinaus ist die Einführung und Inbetriebnahme von Emmi sehr einfach und innerhalb kürzester Zeit möglich.
Das hört sich so an, als würde Emmi „reale“ Mitarbeiter überflüssig machen …
Ein ganz klares Nein! Auf derartige Vorbehalte stoßen wir im Vorfeld unserer Umsetzungsprojekte natürlich durchaus. Doch führt man sich vor Augen, welche Tätigkeiten Emmi übernehmen kann, wird schnell deutlich, dass die menschliche Komponente und insbesondere die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen nicht ersetzt werden können. Emmis Fähigkeiten kommen im Wesentlichen für regelbasierte, im Ablauf stringente und monotone Massenprozesse in Frage. Es handelt sich im Grunde also größtenteils um genau die Tätigkeiten, die sich bei der Belegschaft einer nicht sonderlich hohen Beliebtheit erfreuen. Vor diesem Hintergrund wird Emmi in der Praxis also gerade aus Sicht der Mitarbeiter als willkommene Unterstützung im Tagesgeschäft und als Entlastung von Standardaufgaben wahrgenommen. Ihr Einsatz macht es ihren realen Kollegen somit möglich, den Fokus gezielt auf neue und spannendere Themen zu legen und Freiraum für Innovationen zu haben.
Sie jedoch einen Full-Service, das heißt konkret?
Wir möchten unseren Kunden eben gerade nicht nur „reine“ Robotics-Lösungen liefern – für uns stand von Beginn an fest, dass wir ihnen einen Full-Service-Ansatz bieten wollen. Wir stellen Emmi nicht nur als Einzelkomponente zur Verfügung, sondern im Grunde Leistungsangebote für, wie der Begriff schon besagt, alle Bereiche. Angefangen bei der technischen Infrastruktur bis hin zur Implementierung und dem laufenden Betrieb – alles kommt aus einer Hand. Genau aus diesem Grund haben wir uns auch für eine komplett eigene Plattform für das Robotics-Thema entschieden.
Was muss man sich unter Plattform bzw. Plattformlösung vorstellen? Und was ist ihr großer Vorteil?
JS: Der Begriff Plattform ist im Wesentlichen getrieben durch Anbieter wie Facebook, Amazon, YouTube, Netflix. Er ist aber auch in anderen Bereichen geläufig, wie z. B. in der Automobilindustrie mit ihren Basisplattformen für die verschiedenen Modelle und Modellreihen. Doch eins haben alle gemeinsam: ein in sich definierter, gemeinsamer Nukleus mit einem Überlappungsgrad der Anforderungen von nahezu 100 %. Bleiben wir bei der Autoindustrie und werfen einmal einen Blick auf den Konzern VW. Anhand dieses Beispiels kann das Prinzip meines Erachtens nämlich recht anschaulich erklärt werden: Die Baukastensystematik wird von verschiedenen Marken innerhalb des Konzernverbunds als Plattform genutzt. Aufbauend auf diesem Standard werden verschiedenste, individuelle Modelle entwickelt. Das spart zum einen Kosten in der Fertigung, aber zugleich auch im Bereich Entwicklung sowie der IT. So muss bspw. den Fertigungsrobotern nicht für jedes Fahrwerk angelernt werden, wie dieses zusammengebaut wird, da gleiche Fixationspunkte vorliegen und somit Radaufhängung, Motor, Getriebe etc. flexibel ausgetauscht werden können. Das Resultat sind Skaleneffekte in bisher ungeahnter Größenordnung, die zu deutlichen Kostenvorteilen gegenüber Konkurrenten führen.
Sie bieten zu Emmi eine Plattformlösung. Wie darf man sich das vorstellen?
Es bedeutet konkret, dass sich unsere Kunden keine eigene Emmi anschaffen, sie nicht von Null an anlernen, ihr keine eigene technische Infrastruktur bereitstellen und sich auch nicht um ihr Wohlbefinden kümmern müssen. Auch hier greift wieder die Analogie zum realen Mitarbeiter: Kein Unternehmen will die eigenen Mitarbeiter permanent an die Hand nehmen müssen, sondern erwartet eigentlich, dass die Aufgaben nach kurzer Zeit gewissenhaft und selbstständig erledigt werden. Die Vorteile unserer Kunden – und damit meine ich nicht nur reine Kostenvorteile – ergeben sich zum einen auf der Hard- und Softwareebene und zum anderen auf der Managementebene, was vielen gar nicht bewusst ist. Unabhängig davon, ob Emmi on-Premise betrieben oder aus einer Cloud-Umgebung heraus genutzt werden soll: Die IT-Anforderungen sind die gleichen. Ebenso verhält es sich mit den Softwarelizenzen für den Infrastrukturbetrieb. Hierfür werden SQL-Datenbankinstanzen sowie Windows-Applikation-Server auf Kommunikationsebene benötigt.
Und genau an diesem Punkt wird das Management involviert: Wer kümmert sich um das Hosting und die Hochverfügbarkeit der Infrastruktur bei einem 24/7-Einsatz? Wer sorgt für ein stringentes Releasemanagement? Wer stellt ein zentralisiertes Repository sicher und sorgt für Backup und Recovery? Wer bietet die erforderliche Sicherheit der Benutzerschnittstellen? Wer garantiert die Skalierung der Infrastruktur mit wachsender Durchdringung? Wie wird eine AD- und Mandatenfähigkeit geregelt? Die Auflistung ließe sich noch weiterführen, aber was dies verdeutlichen soll, ist, dass sich Unternehmen der vorhandenen Komplexität im Enterprise-Umfeld bewusst sein müssen. Um es einmal salopp auszudrücken: Mit einem „Quick- and-Dirty-Ansatz“ wird man auf Dauer nicht glücklich. Insbesondere dann, wenn geschäftskritische Prozesse durch Emmi bearbeitet werden.
Die Fragen stellte Stephanie Gust



