Als Beispiel beim Panel „Plattformen, Vertrieb & Data Governance – Wie können Daten intelligent genutzt werden?“ auf dem digitalen Handelsblatt-Energiegipfel 2021 diente vielfach die Finanzbranche. So ist es heute für viele Kunden normal, ihr Banking über eine App abzuwickeln. Auch bei Krankenkassen oder Mobilfunkverträgen findet man dieses Modell.
Warum hinkt die Energiebranche hier in der Entwicklung hinterher? Künftig müsse es Standard sein, auch Energieverträge digital einsehen und den Anbieter wechseln zu können, darin waren sich die Teilnehmer der Diskussion einig.
Angebote miteinander bündeln
Wie können Stadtwerke künftig auf dem Energiemarkt künftig konkurrieren? Mirco Pinske, CEO und Gründer, DIPKO, sprach sich für Alternativen zum Alleinstellungsmerkmal "bester Preis" aus. "Stadtwerke liefern mit dem ÖPNV, mit Bädern und Parkhäusern ein Stück Lebensqualität" und müssten sich nicht unter Wert verkaufen."
Bisher liegt hier jedoch viel Potenzial brach. Digitale Lösungen könnten SW dabei unterstützen, die Kunden der einzelnen Bereiche zu verbinden. Zum Beispiel könnten Stromkunden gleichzeitig Freiminuten im Parkhaus erhalten. Badegäste könne man zu Energiekunden machen und so eine bessere Kundenbindung erreichen. "Stadtwerke müssen hier digital nachziehen."
Bei Prozessen effizienter werden
Paul Dittrich, Geschäftsführer, Urban Energy, betonte dagegen das Einsparpotential durch digitale Prozesse. So sei es dem Startup in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Dortmund gelungen allein durch Software hohe Einsparungen zu erzielen.
"Gerade bei Quartierslösungen ist das Einsparpotenzial enorm", versicherte Dittrich. "Wir suchen dabei auch den Kontakt zu Anwohnern und sprechen diese zum Beispiel durch Workshops gezielt an."
Digital mit Kunden kommunizieren
Die Experten Peer Meinhardt, Vice President Sales Customer Experience, SAP Deutschland und Mandy Schwerendt, CEO, Lynqtech, sahen deutlichen Verbesserungsbedarf bei der Kundenkommunikation. Anspruch der Versorger sollte es sein, dass sie zukünftig auch verstärkt digital mit ihren Kunden kommunizieren. Dabei wurden die bereits genannten Apps angesprochen, die bei Bankkonten bereits Standard seien.
"Es gibt Energieversorger, die schon seit vielen Jahren und sehr massiv in die IT investierten", so Meinhardt weiter. Das koste aber Geld und müsse stringent umgesetzt werden. "Wichtig ist, dass dabei eine Kultur entsteht, alle Prozesse auf den Endkunden auszurichten." Wenn die Unternehmen dazu bereit seien, könne es allerdings schnell gehen.
Die eigenen Qualitäten sichtbar machen
Lasse Schmid, Geschäftsführer, Check 24 Vergleichsportal Energie, sah in der Transparenz einen Mehrwert für den Kunden. "Wir ranken zwar nach Preis. Allerdings gibt es auch eine Weiterempfehlungsquote. Die ist auch ein Argument für Endkunden." Wer im Service überzeugen könne, bekomme auch seine Kunden. Auch wenn das jeweilige Stadtwerk beim Preis nicht auf dem ersten Platz landen sollte.
Peer Meinhardt ergänzte: "Erster Unterscheidungspunkt ist, welche Qualität ein Energieversorger seinen Kunden anbieten kann." Für die Endkunden müsse diese Qualität allerdings sichtbar sein. Dazu müssten Stadtwerke künftig ihre Kunden dahin bringen, dass sie die relevanten Daten wie etwa Kundenbewertungen zur Verfügung stellen. (jk)
