RKU.IT-Chef Stieler: "Am Ende muss immer ein operativer Nutzen herauskommen."

RKU.IT-Chef Stieler: "Am Ende muss immer ein operativer Nutzen herauskommen."

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Dirk Stieler, Geschäftsführer von RKU.IT, spricht im Interview mit der ZFK über die wachsenden Anforderungen an Stadtwerke, den Fachkräftemangel und die zunehmende Bedeutung sicherer, vernetzter IT-Systeme. Beim Smart-Meter-Roll-out und bei der Cybersicherheit sind aus seiner Sicht alle Beteiligten gefordert – denn resilient kann das Gesamtsystem nur sein, wenn Stadtwerke, Dienstleister und weitere Partner eng zusammenarbeiten.

Herr Stieler, sowohl in der Gesellschafterstruktur als auch bei Ihren Kunden liegt ein klarer Fokus auf Nordrhein-Westfalen. Welche Bedeutung hat die Region für RKU.IT?

Dirk Stieler: Nordrhein-Westfalen ist ein sehr großer Ballungsraum, einer der größten in Europa. Auch die Anzahl der Stadtwerke und unserer Kunden macht es möglich, viele Partner in die Entwicklung zukunftsfähiger Lösungen einzubinden.

Unser Leitsatz lautet: Wir kommen von der Standardisierung über die Automatisierung zur Skalierung. Am Ende muss immer ein operativer Nutzen herauskommen. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern muss sich lohnen. Die Aufgaben von Stadtwerken und Energieversorgern werden immer komplizierter, gleichzeitig wird die Zahl der Menschen, die diese Aufgaben bewältigen können, immer kleiner.

Das IT-Unternehmen wurde von den Stadtwerken ausgegründet und feiert in diesem Jahr 65. Geburtstag.Bild: © rku.it

Welche Geschäftsfelder haben sich daraus entwickelt?

Die Geschäftsfelder sind historisch gewachsen. Unser Kern liegt klar bei den Stadtwerken. Wir sind ein IT-Dienstleistungsunternehmen, das aus Stadtwerken ausgegründet wurde. In diesem Jahr feiern wir unseren 65. Geburtstag. Unser Kerngeschäft umfasst alles rund um die Stadtwerke, im Wesentlichen den Bereich Meter-to-Cash. Das bleibt unser größter Markt.

Dazu gehören unter anderem die Energieabrechnung, das Energiedatenmanagement, Datenaustauschprozesse, Portallösungen und Business-Intelligence-Anwendungen. Hinzu kommen Lösungen für die Smart-Meter-Gateway-Administration. Wir unterstützen dabei mehr als 130 Unternehmen.

Sie arbeiten aber nicht ausschließlich für die Energiewirtschaft. Welche Rolle spielen die anderen Bereiche?

Die kommunale Wirtschaft beschränkt sich nicht auf Energiefragen. Daneben unterstützen wir beispielsweise Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), unter anderem bei Vertriebsprozessen, Tarifprodukten, Ticketing-Services sowie bei der IT in Werkstätten. Mit "ticksign" bieten wir zudem eine eigene digitale Ticketing-Lösung an. In der Kommunalwirtschaft stehen digitale Verwaltungsinfrastrukturen, E-Government und Smart-City-Anwendungen im Mittelpunkt.

Dafür steht unter anderem auch unsere Plattform NextGen. Sie bildet kaufmännische und energiewirtschaftliche Prozesse ab und ist modular aufgebaut, sodass Kunden entweder ein umfassendes Servicepaket oder einzelne Leistungen nutzen können.

Wir sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen, auch durch unsere Produkte im NextGen-Umfeld. Im Moment haben wir aber die Grenzen des Wachstums erreicht.

Welche Folgen hat die wachsende Aufgabenvielfalt?

Die Aufgabenvielfalt und die Anforderungen, die wir gemeinsam mit unseren Kunden bewältigen müssen, sind in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass wir nun konsolidieren. Im Moment arbeiten wir an S/4-Umstellungen, treiben die Digitalisierung mit unseren Kunden weiter voran und führen Lösungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) ein.

Was bedeutet das für kleinere Versorger?

Vor allem kleinere Stadtwerke kommen sehr schnell an ihre Grenzen. Sie brauchen Partner, idealerweise größere Partner, sowie spezialisierte Partner oder Dienstleister. Das ist auch eine wirtschaftliche Frage.

In unserer Gesellschafterstruktur finden sich große Stadtwerke wie Bochum, Heidelberg und Dortmund, aber auch kleinere Werke wie Nordhorn sowie Hattingen und Witten. Es war schon immer unser Prinzip, eine Community zu schaffen. In unseren Business Communities beschäftigen sich Stadtwerke mit besonderen Themen. Dabei profitieren die Kleineren von den Größeren und umgekehrt.

Bei einer regulatorischen Anforderung erarbeiten wir gemeinsam die bestmögliche Lösung für alle. Dann sind wir wieder bei unserem Prinzip: standardisieren, automatisieren, skalieren. Wenn es möglich ist, rollen wir eine Lösung für alle aus. Die kleineren Stadtwerke haben eine Chance auf eine gute Lösung, wenn sie mit den größeren zusammenarbeiten.

Welche Rolle spielen individuelle Lösungen noch?

Bis auf Kleinigkeiten oder prozessunterstützende Anwendungen wird sich heute kaum noch jemand eine individuelle Lösung leisten, bei der man einen bestimmten Prozess nur für ein einzelnes Werk entwickelt. Aufgrund der begrenzten Ressourcen und des Fachkräftemangels können wir solche Dinge auch gar nicht großflächig bedienen. Deshalb konzentrieren wir uns gemeinsam mit unseren Kunden, über die Business Communities und unser Anforderungsmanagement, auf die Dinge, die möglichst viele nutzen können.

Wo liegen die größten Hemmnisse bei der Umsetzung?

Eine Bremse entsteht, wenn man aus der Hektik heraus eine Insellösung schafft und das Problem nicht prozessual von Anfang bis Ende durchdenkt. Dann blockieren diese Insellösungen einen irgendwann. Das Zweite ist der Fachkräftemangel. Die Zahl der Menschen, die ausreichend Erfahrung und Wissen mitbringen, nimmt nicht zu, sondern ab.

Auch die Regulierung behindert die Digitalisierung. Einige Vorschriften und Vorgaben sind aus meiner Sicht nicht zielführend. Der 24-Stunden-Lieferantenwechsel hat uns und unsere Kunden beispielsweise über ein halbes Jahr hinweg einen siebenstelligen Betrag gekostet. Die Umsetzung band so viele Ressourcen, dass wir bereits angestoßene Digitalisierungsprojekte nicht im vorgesehenen Zeit- und Budgetrahmen durchführen konnten.

Warum ist der Smart-Meter-Roll-out schwierig?

Wir müssen gemeinsam mit den Werken die Schnittstellen zwischen den verschiedenen technischen Systemen schaffen. Im Meter-to-Cash-Prozess gibt es mehrere Schnittstellen. Bei jeder neuen Vorgabe muss man prüfen, was sie für den Prozess bedeutet. Danach müssen wir Software und Schnittstellen anpassen, Tests anbieten, Daten migrieren, Schulungen durchführen und das System produktiv setzen. Anschließend beginnt der laufende Betrieb – und schon kommt die nächste Änderung.

Da sind wir wieder beim Ressourcenmangel und bei zu vielen Aufgaben. Deshalb ist es wichtig, eine Community zu schaffen und eine Lösung zu finden, die für alle passt.

Einige regulatorische Vorschriften und Vorgaben sind aus meiner Sicht nicht zielführend.

Wann bringt der Roll-out einen größeren Nutzen?

Das wird noch ein paar Jahre dauern. Wir sind in Nordrhein-Westfalen gestartet. Das Bundesland ist an dieser Stelle ein großer Feldversuch, weil wir hier so viele Voraussetzungen mitbringen. Ich sehe den Nutzen in ein paar Jahren, wenn wir das Netz entsprechend gerüstet, die Software standardisiert und einzelne Projekte in die Fläche gebracht haben. Dann können wir anfangen, das Netz großflächig zu steuern.

Ein konkreter Schritt ist zum Beispiel der digitale Zwilling, den wir gemeinsam mit den Stadtwerken Herne und einer Hochschule entwickeln. Entscheidend ist die Datenbasis. Das beste System nützt nichts, wenn am Ende keine verlässlichen Aussagen herauskommen. Künstliche Intelligenz kann immer nur so gut sein wie der Datenbestand, mit dem sie arbeitet.

Wie gut sind die Stadtwerke auf die wachsenden Anforderungen an die Cybersicherheit vorbereitet?

Die Anforderungen an die IT-Sicherheit sind sehr herausfordernd. Wir haben den Aufwand dafür in den vergangenen fünf Jahren vervielfacht. Dahinter steht ein ganzes Team. Außerdem gibt es Systeme und abgestimmte Prozesse mit unseren Kunden. Es reicht nicht, wenn wir und der Kunde jeweils eine Lösung haben, die Systeme aber nicht zusammenspielen. Auch mittlere und große Werke müssen teilweise Spezialisten von außen hinzuziehen. Für kleinere Werke gibt es spezialisierte Dienstleister, die solche Leistungen anbieten.

Wo liegt die größte Schwachstelle – beim einzelnen Stadtwerk oder im Zusammenspiel vieler Beteiligter?

Zu den Details möchte ich verständlicherweise nicht viel sagen. Klar ist: Wir müssen für das Gesamtsystem eine hohe Resilienz schaffen. Alle Beteiligten sind gefordert: die Werke, die Dienstleister und gegebenenfalls weitere Partner. Es nützt einem Stadtwerk nichts, wenn es eine hervorragende IT-Sicherheit hat, aber einer seiner Dienstleister nicht ausreichend geschützt ist. Dann greift das Prinzip vom schwächsten Glied der Kette.

Wir müssen eng zusammenarbeiten, eine gemeinsame Sicherheitsstrategie haben und die Maßnahmen permanent überprüfen. Es kann nicht den einen geben, der sagt: "Ich bin der Beste." Wir müssen das insgesamt hinbekommen. Das ist eine Branchenaufgabe, die nicht zu unterschätzen ist.

Das Interview mit Dirk Stieler ist in dem "NRW Spezial" der aktuellen Printausgabe der ZFK erschienen. Hier geht es zum E-Paper.

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