Mitautoren dieses Beitrags sind Sebastian Krausen, Senior Sales Manager bei Fsas Technologies; Siegbert Priller, Kundenberatung bei der Prior1 GmbH

Was geschieht mit Strom, wenn Windkraft und Photovoltaik mehr Energie liefern, als gerade vor Ort benötigt wird? Die Bürger-Energie-Genossenschaft im Landkreis Pfaffenhofen antwortet darauf mit Rechenleistung: Zwischen einer Windenergieanlage und einer geplanten PV-Freifläche entsteht derzeit ein KI-Kraftwerk, ein dezentrales, modulares KI-Rechenzentrum.

Der Rechenzentrumsspezialist Prior1 fertigt dafür zwei gekoppelte Container: einen für die IT mit 80 Kilowatt geplanter Leistung und einen für die Rückkühlung. Batteriespeicher, Netzanschluss, USV und zwei Internetanbindungen sollen sicherstellen, dass das KI-Angebot auch verfügbar ist, wenn kein Überschussstrom anfällt. Die Inbetriebnahme ist für Spätherbst 2026 vorgesehen.

Mit einem Investitionsvolumen von mehr als fünf Millionen Euro setzt die Bürger-Energie-Genossenschaft Pfaffenhofen auf eine neue Form regionaler Wertschöpfung: Strom aus Wind und Solar soll künftig zu KI-Rechenleistung veredelt werden. Über die Plattform Regio AI richtet sich das Angebot an mittelständische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und perspektivisch an öffentliche Nutzer. Das Vorhaben wird ohne öffentliche Fördermittel umgesetzt.

Die Genossenschaft erweitert damit ihr bisheriges Modell aus Energieerzeugung und Stromvertrieb um ein digitales Geschäftsfeld. Dezentral und in Bürgerhand erzeugter Strom aus Wind und Solar wird zur Grundlage für bedarfsgerecht vermarktbare Rechenkapazität. Das ist besonders dann interessant, wenn der Strom bei Überkapazitäten andernfalls abgeregelt oder nur gering vergütet würde.

Zwei Container, eine Aufgabe

Die BEG hat sich für eine modulare und flexible Container-Lösung für ihr KI-Kraftwerk entschieden: Der IT-Container nimmt die KI-Server sowie die ergänzende Infrastruktur für virtuelle Server, Backups und die Steuerung auf. Der zweite, mit ihm gekoppelte Container, beherbergt die Kältetechnik mit der Rückkühlanlage. Die erste Ausbaustufe ist mit 80 Kilowatt IT-Leistung geplant. Vorgesehen sind fünf Supermicro-Server mit jeweils acht NVIDIA-HGX-B300-GPUs.

Die beiden Container bilden eine integrierte Rechenzentrumsinfrastruktur, in der IT, Energieversorgung und Kühlung aufeinander abgestimmt sind. Die erste Ausbaustufe arbeitet mit Luftkühlung. Flüssigkühlung war ursprünglich Teil der Planung, wurde für die aktuelle Größe jedoch aus Kosten- und Verfügbarkeitsgründen zurückgestellt. Für spätere, größere Ausbaustufen sind Wasser- oder Hybridkühlung sowie die Nutzung der entstehenden Abwärme vorgesehen.

Der Weg zur Containerlösung führte über eine andere Idee: Zunächst prüften die Partner, die IT direkt im Turm eines Bürgerwindrads unterzubringen. Die räumlichen Verhältnisse boten jedoch nicht genügend Platz für Racks, Kühlsysteme und die übrige Infrastruktur. Der eigenständige Container schafft nun den erforderlichen technischen Raum und bleibt zugleich modular erweiterbar.

Verfügbar bleiben, auch wenn kein Überschussstrom anfällt

Der Energiepfad folgt einer klaren Reihenfolge: Strom aus Windkraft und künftig aus der geplanten PV-Freifläche wird zunächst im Batteriespeicher gespeichert. Von dort aus wird der KI-Container versorgt. Nur, wenn die lokale Erzeugung und die gespeicherte Energie den Bedarf nicht decken, ergänzt der Netzanschluss die Versorgung. Der Speicher soll so ausgelegt sein, dass er den Container über einen Tag versorgen kann.

Die erste Ausbaustufe trifft auf erhebliche lokale Erzeugungskapazitäten: Am Windpark stehen drei Anlagen mit jeweils 4,2 Megawatt Leistung. Ergänzend plant die Genossenschaft eine PV-Freifläche mit vier Megawatt und einen Batteriespeicher. Für den Betrieb des KI-Containers soll im Jahresmittel vorrangig Strom aus den eigenen Wind- und künftig auch PV-Anlagen der Bürger-Energie-Genossenschaft genutzt werden; sein Anteil ist konservativ mit rund 70 Prozent kalkuliert. Den verbleibenden Bedarf deckt das Konzept bevorzugt mit Strom aus erneuerbaren Energien. Die tatsächlichen Werte werden nach der Inbetriebnahme erfasst.

Souveräne regionale Datenverarbeitung

Das Projekt verbindet die Nutzung regional erzeugter Energie mit einem zweiten Anspruch: Datensouveränität. Das Pfaffenhofener Unternehmen Regio AI übernimmt den Betrieb der Plattform und die Vermarktung der Rechenleistung. Das Angebot richtet sich an Unternehmen und Organisationen, die GPU-as-a-Service nutzen, große Sprachmodelle betreiben oder ihre eigenen Daten über Retrieval-Augmented Generation, kurz RAG, in KI-Anwendungen einbinden wollen.

Die Verarbeitung erfolgt in einer regionalen Infrastruktur statt in einer internationalen Public Cloud. Damit entsteht für mittelständische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentliche Akteure eine regionale Option für KI-Anwendungen, bei denen Transparenz über Datenhaltung, Zugriffe und Betrieb eine zentrale Rolle spielt.

Co-Creation als Grundlage des KI-Kraftwerks

Das KI-Kraftwerk in Pfaffenhofen ist nicht das Ergebnis eines klassischen Kunden-Lieferanten-Verhältnisses. Vielmehr entstand das Projekt in einem gemeinsamen Co-Creation-Ansatz zwischen der Bürger-Energie-Genossenschaft Pfaffenhofen und Fsas Technologies. Gemeinsam entwickelten die Partner die Idee, überschüssige erneuerbare Energie nicht nur einzuspeisen, sondern in eine digitale Wertschöpfung umzuwandeln.

Von der ersten Potenzialanalyse über die wirtschaftliche Bewertung bis hin zur technischen Architektur des Rechenzentrums wurde das Konzept gemeinsam ausgearbeitet. Dabei brachte die BEG ihre Expertise im Bereich erneuerbare Energien und regionale Energieversorgung ein, während Fsas Technologies die Kompetenzen in den Bereichen KI-Infrastruktur, Rechenzentrumsarchitektur, Plattformdesign und AI-Consulting beisteuerte. Das Ergebnis ist ein skalierbares Betriebsmodell, das Energieerzeugung, Datensouveränität und KI-Rechenleistung zu einem neuen Geschäftsmodell für Bürgerenergiegesellschaften verbindet.

Drei Partner, klare Rollen

Das Projekt verbindet regionale Energieerzeugung, KI-Hosting und KI-Betrieb. Die Bürger-Energie-Genossenschaft schafft mit Windkraft, geplanter PV-Freifläche, Batteriespeicher und Netzanschluss die energiewirtschaftliche Grundlage. Regio AI übernimmt den Plattformbetrieb und die Vermarktung der KI-Rechenleistung.

Fsas Technologies, ein Fujitsu-Unternehmen, bringt nicht nur Server- und Plattformkompetenz ein, sondern war maßgeblich an der Entwicklung des Gesamtmodells beteiligt. Als Hersteller Plus begleitet Fsas Technologies Unternehmen von der Strategie über die Architektur bis zum Betrieb moderner KI-Infrastrukturen. Gemeinsam mit der Bürger-Energie-Genossenschaft Pfaffenhofen wurde das Konzept des KI-Kraftwerks entwickelt, das erneuerbare Energie, souveräne Datenhaltung und regionale KI-Rechenleistung zu einer neuen Form digitaler Wertschöpfung verbindet. Dabei positioniert sich Fsas Technologies als technologische "Schweiz der IT": technologieoffen, herstellerübergreifend und mit einem klaren Fokus auf digitale Souveränität.

Prior1 fertigt die Container-Infrastruktur. Die Module werden im Werk vorinstalliert und anschlussfertig geliefert. Die erste Ausbaustufe wird in klassischen Metallcontainern umgesetzt. Diese Entscheidung folgt der Standortlogik: Auch die Batteriespeicher sind in Containerbauweise untergebracht, sodass sich IT-, Kälte- und Energiespeicherinfrastruktur zu einer einheitlichen Anlage zusammenfügen. Für künftige Ausbaustufen sind Container in Holzbauweise vorgesehen. Der Container wird gemäß DIN EN 50600 in der Verfügbarkeitsklasse VK2 ausgelegt.

Damit richtet sich die Infrastruktur an Unternehmen und Kommunen, die ihre Daten und Anwendungen in einer professionell geplanten Rechenzentrumsumgebung betreiben wollen, ohne selbst in Infrastruktur zu investieren. Energieversorgung, Kühlung, Brandschutz, physische Sicherheit und Monitoring werden dabei als abgestimmtes Rechenzentrumssystem integriert. Die modulare Bauweise schafft zugleich die Voraussetzung, die Infrastruktur bei einem weiteren Ausbau um zusätzliche Rechenkapazität zu erweitern.

Zur Absicherung des Betriebs sind eine USV, eine automatische Gaslöschanlage, Videoüberwachung, Blitzschutz und ein gesicherter Außenbereich vorgesehen. Für die Kältetechnik kommt das natürliche Kältemittel Propan, R290, zum Einsatz. Damit setzt Prior1 auf ein Kältemittel mit sehr niedrigem Treibhauspotenzial. Seine Verwendung erfordert zugleich eine entsprechend sicherheitsgerechte Auslegung der Anlage.

Über das Prior1 360 Monitoring wird Prior1 Energieversorgung, Kältetechnik und sicherheitsrelevante Systeme kontinuierlich überwachen. Betriebsdaten werden in Echtzeit ausgewertet; Auffälligkeiten gehen automatisiert an den 24/7-Servicedesk. Das Monitoring schafft damit die Grundlage für einen kontinuierlich überwachten Betrieb und die spätere Auswertung zentraler Leistungsdaten.

Betriebsdaten als Grundlage für die Skalierung

Mit der für Spätherbst 2026 vorgesehenen Inbetriebnahme beginnt die nächste Phase des Projekts. Über das Monitoring sollen Daten aus Energieversorgung, Kältetechnik und IT-Betrieb erfasst werden. Sie zeigen, wie viel Überschussstrom tatsächlich für die KI-Rechenleistung genutzt wird, wann der Netzanschluss die Versorgung ergänzt und wie sich Auslastung, Kühlung und Verfügbarkeit im laufenden Betrieb entwickeln.

Diese Daten fließen in die Planung der nächsten Ausbaustufen ein. Weitere Containerklassen mit rund 250 und 500 Kilowatt sind bereits vorgesehen. Welche Größe zum Einsatz kommt, richtet sich nach der verfügbaren Stromkapazität am jeweiligen Energieerzeugungsstandort. Zudem befinden sich vier weitere Standorte in der Genehmigungsphase.

Das Pilotprojekt in Pfaffenhofen verbindet damit nicht nur ein Rechenzentrum mit einem Windpark. Das KI-Kraftwerk macht aus lokaler Stromerzeugung eine zweite, digitale Wertschöpfungsstufe und schafft eine konkrete Vorlage für Energiegenossenschaften und Regionen, die erneuerbare Energie mit regionaler KI-Rechenleistung verknüpfen wollen.

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