Einen Lieferantenwechsel einfach zu vollziehen und in eine Blockchain zu schreiben – das hat die Blockchain-Initiative Energie (BCI-E) am Mittwoch live demonstriert auf dem Messestand von Fraunhofer-Institut IOSB-AST und von Dicentral (früher Compello) während der Messe E-World. Auch auf den Ständen der Dienstleister BTC, Items, Kisters und Regiocom ist ein solcher Beispielprozess in der energiewirtschaftlichen Marktkommunikation zu sehen.
Die dahinterstehende Initiative der Forscher, Unternehmen und des Edna-Bundesverbandes nennt sich "Makochain", eine Zusammensetzung aus "Marktkommunikation" (Mako) und "Blockchain". Ein erster Prototyp ist fertigprogrammiert.
Kernprozess dauert keine Tage mehr
"Mithilfe der Blockchain-Technologie ist es möglich, den Kernprozess Lieferantenwechsel innerhalb von Sekunden statt Tagen zu vollziehen. Und dies verlässlich und sicher, bei deutlich reduzierten Kosten", fasste Oliver Warweg, Gruppenleiter Energiewirtschaft am Fraunhofer IOSB-AST, in Essen die Vorteile zusammen.
Die Makochain ist eine geschlossene Blockchain-Plattform, der perspektivisch Verteilnetzbetreiber (VNB) und Energielieferanten gegen Nutzungsbeitrag beitreten können, wurde erläutert. Sinnvoll sei diese wohl nur bundesweit, sagte Oliver Warweg, sonst müssten Lieferanten für jede Region neu ihre Daten eingeben.
Tschüss, Mako-Software, tschüss, IT-Projekt
Ein wesentlicher Vorteil für die Marktteilnehmer: Es müsse nicht jeder eine eigene Mako-IT einrichten und betreiben, sondern lediglich die Blockchain als geteilte Infrastruktur nutzen. Prozessänderungen gelten sofort für alle Teilnehmer und ziehen kein IT-Projekt mehr für die unterschiedlichen Mako-Lösungen nach sich. Der nächste Schritt sei nun ein Skalierungstest.
"Wir sehen die Makochain als einen Vorschlag an, wie die Marktprozesse in Zukunft einfacher und schneller gestaltet werden können", erläuterte Richard Plum, Produktmanager Consulting bei Procom und Präsident der BCI-E. Freilich gebe es noch regulatorischen Klärungsbedarf, er hält ihn aber für "grundsätzlich machbar".
Zentrale Instanz BNetzA?
Die Makochain wurde in der Blockchain-Spielart Ethereum programmiert und mit einem sogenannten Smart Contract umgesetzt. Dies ist ein virtueller Vertrag, der automatisch voreingestellte Wenn-Dann-Logiken ausführt. Ethereum ist eine gerade im Energieumfeld oft genutzte Entwicklungsumgebung. Wegen des Datenschutzes ist sie nur für Stromlieferanten und VNB direkt zugänglich.
Den Zugang regelt eine zentrale Instanz. Dies könnte beispielsweise die Bundesnetzagentur (BNetzA) sein. Da die Plattform geschlossen und die Teilnehmerzahl überschaubar ist, kann der Prozess auch energieeffizient abgewickelt werden – im Unterschied zu den so genannten Kryptowährungen.
Endkunden nur über Codes zuordenbar
Um die Speicherung personenbezogener Endkundendaten zu vermeiden, wird ein ID-Mapping eingesetzt. Damit lassen sich außerhalb der Plattform die vergebenen Zeichen-Codes aus der Blockchain den Anschlussnehmern zuordnen.
Der Prototyp bildet noch nicht ab:
- die Kommunikation mit dem Messstellenbetreiber (MSB) und die damit verbundenen Austauschprozesse der Zählerstände beziehungsweise Verbrauchswerte sowie
- Themen wie Vertragswiderruf, Sonderkündigung/Auszug oder geplanter Anbieterwechsel. (geo)



