Repräsentanten von Energieversorgungs- und Beratungsunternehmen trafen sich im September in Frankfurt am Main bei PricewaterhouseCoopers; eingeladen hatte die Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft.

Repräsentanten von Energieversorgungs- und Beratungsunternehmen trafen sich im September in Frankfurt am Main bei PricewaterhouseCoopers; eingeladen hatte die Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft.

Bild: © Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft

Seit 2016  gibt es die Interessensgemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft. Sie hatte mit dem Anspruch begonnen, den neuen Software-Standard der "Business Objects for Energy", kurz BO4E, in den Energiemarkt einzuführen. Unter dem Standard BO4E sprechen Applikationen "auf Anhieb" eine einheitliche Sprache und können Daten reibungslos untereinander austauschen.

Die drei Jahre habe man für anspruchsvolle Definitionsarbeiten und umfangreiche Abstimmungen mit allen involvierten Softwareunternehmen genutzt, erläutert Schroer. Inzwischen habe man nicht nur ein solides Fundament in Form eines Open-Source-Standardwerks, sondern es gibt auch bereits 23 valide Anwendungen, die stetig weiter ausgebaut werden, freut er sich.

Erste LIve-Demos auf Roadshow

Vier der 23 Anwendungsfälle demonstrierte die Interessengemeinschaft "live" im Rahmen einer BO4E-Roadshow, die im September bei Gastgeber und Vereinsmitglied PricewaterhouseCoopers in Frankfurt am Main stattfand. Vattenfall, MVV Umwelt und Energie, die Stadtwerke Rüsselsheim sowie Hochfrequenz Unternehmensberatung brachten einige Fragen mit: "Wie können BO4E neue Impulse setzen?", "Welche Relevanz haben sie in Bezug auf die Marktkommunikation?", "Wie helfen Business Objects for Energy dabei, den Transformationsprozess in der Energiewirtschaft besser zu meistern?" und "Wie ist die Durchschlagskraft dieses neuen Softwarestandards? Sind die ersten Praxisanwendungen überzeugend?"

Schnellere, sichere und günstigere Datentransfers

Die Referenten Roland Hambach, Geschäftsführer des Vereinsmitglieds Ene’t und Andre Schönberger, Director bei PwC hoben den Wert von BO4E hevor: Die schnittstellenfreie Interaktion einer Vielfalt von Software-Applikationen können Datentransfers innerhalb eines EVU maßgeblich beschleunigen, sicherer und kostengünstiger gestalten. Indivuduelle Schnittstellen zwischen den Programmen würden somit überflüssig.

Bei BO4E handelt es sich um ein Open-Source-Angebot, bei dem alle Software-Applikationen nach einem festen Grundmuster entwickelt werden. Damit könne jeder Anwender Software-Produkte unterschiedlicher Hersteller einkaufen, miteinander kombinieren oder innerhalb kurzer Zeit wieder gegen andere Produkte austauschen. "Gute Voraussetzungen in einem schnelllebigen Energiemarkt, der in Zukunft mehr denn je von Flexibilität und Innovationskraft gekennzeichnet sein wird", waren sich die drei Fachleute einig.

EDIFACT-Konverter

Eine der in Frankfurt demonstrierten Live-Anwendungen war der "BO4E-EDIFACT-Konverter", ein Tool, das das Unternehmen Hochfrequenz nach dem neuen Standard entwickelt hat. Dieser ermöglicht den Austausch zwischen einer BO4E-Struktur eines EVU und dem externen EDIFACT-Format. "Die Business Objects for Energy stellen eine Ergänzung zu EDIFACT dar und sind kein Ersatz", bekräftigten die Protagonisten des Vereins. Schließlich sei BO4E ein Softwarestandard, der sich ausschließlich auf Kommunikationsprozesse innerhalb eines Energieversorgungsunternehmens konzentriere, während Edifact für die externe Kommunikation zwischen Marktakteuren dient.

Initialzündung liegt in Händen der EVU

Die Frage, wie die Umstellung der EVU-internen IT-Struktur auf den Standard am besten funktioniere, beantwortete die Interessensgemeinschaft mit: "Step by Step". Um die neuen Anwendungen zu testen, seien zum Beispiel "Nischen im Kundenservice oder in der Elektromobilität" geeignet. Eine Komplettumstellung sei zunächst gar nicht erforderlich. Vielmehr könne man im Kleinen schon viel bewirken.

Der Verein appellierte außerdem an die Versorger, die "Initialzündung" zur Verbreitung des neuen Standards im Markt selbst vorzunehmen: "Wenn ein EVU bereits in seinen Ausschreibungen die BO4E-Tauglichkeit seiner Applikationen fordert, wird sich die Branche allgemein bewegen."

Forderung nach Ausschreibung und Verbandskooperation

Wie eine solche Ausschreibung konkret aussehen kann? Mit dieser Frage gaben die Roadshow-Teilnehmer der Interessengemeinschaft die Aufgabe mit auf den Weg, entsprechende Textvorschläge zu entwickeln und den EVU zur Verfügung zu stellen. Auch gaben sie die Empfehlung, die Kooperation mit Verbänden im Energiemarkt zu suchen, um der BO4E-Idee noch mehr Öffentlichkeitswirkung, Unterstützung und damit Schlagkraft zu verleihen. (sg)

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