IT-Dienstleister Aktif warnte zuletzt, dass unterschiedliche Prozesswelten in der elektronischen Marktkommunikation für Strom und Gas, Gefahren mit sich bringe (siehe "Marktkommunikation: Keine unterschiedlichen Prozesswelten für jede Sparte").
Auch der Bundesverband Edna Energiemarkt & Kommunikation warnt vor dem Auseinanderdriften der beiden Sparten. "In den letzten Jahren sind Strom und Gas bei den prozessualen Vorgaben erfreulicherweise zusammengewachsen. Jetzt kehrt sich das leider wieder um", konkretisiert Rüdiger Winkler, Geschäftsführer des Edna Bundesverbands. Die Folgen wären Fehlerquoten bei der Bearbeitung in den Unternehmen und ein steigender Aufwand für die Implementierung.
Hintergrund
Konkret liegt noch kein Beschluss vor. Bislang handelt es sich erst einmal nur um Konsultationsfassungen, erläutert Sebastian Weiße, Lösungsarchitekt bei SIV. Hintergrund ist, dass das Messstellenbetriebsgesetz derzeit nur für den Bereich Strom verpflichtend ist. Hierauf aufbauend ist bei der Bundesnetzagentur nur die für Strom zuständige Beschlusskammer 6 (BK6) in Aktion getreten und hat die nötigen – und manchmal auch nicht nötigen – Weiterentwicklungen in den Prozessen vorgenommen und diese als Konsultation veröffentlicht, erklärt Weiße.
Für den Bereich Gas habe es zwar Marktumfragen gegeben, diese seien jedoch in eine völlig andere Richtung gelaufen. "Das Ergebnis ist, dass die BK6-Erweiterungen nur für Strom gelten und diverse Prozesse jetzt in Strom und Gas voraussichtlich unterschiedlich laufen werden", so Weiße. Er nennt hier folgende Punkte:
- Zuordnungslisten, diese sollen bei Strom entfallen, im Gasbereich jedoch aufrecht erhalten werden
- Versand der Messwerte – im Strom übernimmt dies der Messstellenbetreiber, bei Gas der Netzbetreiber
- Bilanzierung – im Strom bilanziert der Übertragungsnetzbetreiber die intelligenten Messsysteme als Teilmenge aller Zähler inklusive des erhöhten Datenaustauschvolumens, im Gasbereich werden weiterhin alle Zähler durch den Netzbetreiber bilanziert
Hürden, die mit getrennter Marktkommunikation auftreten
Sollte diese Konsultationsfassung tatsächlich so eintreten, käme auf die Stadtwerke das Problem zu, dass die Kollegen im Tagesgeschäft, die mit genau diesen Prozessen befasst sind und wo eine organisatorische Trennung zwischen Strom und Gas nicht existiert, jedes Mal umdenken müssen, wenn sie diese Prozesse durchführen wollen.
"Dies erhöht die Fehleranfälligkeit der Prozesse. Insbesondere dürfte dies bei kleineren Werken auftreten, da hier schlicht beide Sparten durch identische Personen bearbeitet werden, mangels Personal", so Weiße. Für die IT-Dienstleister bedeutet es, dass sie ihre Implementierungen noch weiter automatisieren werden, um den Faktor Mensch aus der Gleichung möglichst rauszunehmen. Unterm Strich würden so vermehrt Fehler im Markt auftreten und die Akzeptanz des Messstellenbetriebsgesetzes werde weiter sinken, da es Prozesse nicht einfacher, sondern komplexer mache. (sg)



