Ende 2020 werden die Frequenzzuteilungen für die 450-MHz-Frequenzen auslaufen, eine Neuzuteilung ist daher nötig. Bekanntermaßen haben sowohl die Energie- und Wirtschaftsunternehmen als auch die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) und die Bundeswehr Bedarfe angemeldet.
"Die Vergabe der 450-MHz-Frequenzen bleibt ein Trauerspiel. Noch immer kann die Bundesregierung die Kosten einer Nichtzuteilung sowohl an die Energiewirtschaft als auch an die Sicherheitsbehörden nicht abschätzen", kommentierte Ingrid Nestle, energiewirtschaftliche Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen die Antwort der Bundesregierung zu einer kleinen Anfrage zu dem Thema. Dabei wäre eine eine sehr zeitnahe Entscheidung mehr als geboten, so Nestle weiter. Schon seit 2013 wisse die Bundesregierung von den verschiedenen Interessen für die Frequenzen und seit 2017 von den Konflikten.
Nestle plädiert für eine Zuteilung an die Energie- und Wasserwirtschaft mit der Möglichkeit, dass auf regionaler und lokaler Ebene Frequenzen vom BDBOS verwendet werden können. Eine umgekehrte Verteilung würde voraussichtlich eine Neuzertifizierung der Smart-Meter-Gateways nötig machen und somit die Digitalisierung der Energiewende gefährden, was auch das Bundeswirtschaftsministerium bestätigt habe. Zugleich bestätigte die Bundesregierung in ihrer Antwort, dass die dem BDBOS bereits zugeteilten Frequenzbänder heute noch nicht voll genutzt würden.
Smart-Meter-Gateways das Zünglein an der Waage?
Man prüfe zudem Alternativen, sowohl für die BDBOS als auch für die Energie- und Wasserwirtschaft, so die Bundesregierung. In der Antwort stellt das Verkehrsministerium fest, dass die Kosten für alternative Techniken bei Nichtzuteilung für beide Seiten noch nicht bekannt und abschätzbar seien. Und ebenso, dass bei einer Zuteilung an die BDBOS die Datenübertragung in für "Kritis" und für "unkritische Anwendungen" in zwei WAN-Zugänge aufgeteilt werden müsste. Die dadurch verurasachten Verzögerungen für die Digitalisierung der Energiewende seien wichtige Aspekte, die die Bundesregierung in ihrer Entscheidung bei der Frequenzvergabe mit einbeziehen werde, heißt es in dem Schreiben. Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender PPC, äußerte sich hierzu auf ZfK-Nachfrage folgendermaßen: "Bei einer Vergabe der 450-MHz-Frequenzen an die BDBOS macht nach meiner Ansicht eine Nutzung dieser Frequenz für das Smart-Meter-Gateway aufgrund der genannten Aufteilung in kritische/unkritische Teile technisch-ökonomisch keinen Sinn mehr."
Gateway-Hersteller PPC liefert nach eigenen Angaben seit Mai 2019 zertifizierte CDMA450-Gateways an seine Kunden aus. Viele sind davon auch schon im Einsatz. Allein die TEAG/TMZ habe über 2000 Stück bestellt, die auch schon geliefert wurden. Zudem unterstütze man alle relevanten Kommunikationstechnologien und könne bei Bedarf Neue schnell implementieren, heißt es bei PPC.
Keine Bedenken gegen lokale und regionale Nutzung
Insgesamt haben sich aus der Energie- und Wasserwirtschaft 28 Unternehmen um die Frequenzen beworben, wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht. 25 davon sind Energienetzbetreiber, daneben hätte es Interessensbekundungen aus der Energie- und Wasserwirtschaft gegeben. Besonders hervor hob das Verkehrsministerium die Versorger-Allianz, die von 120 Unternehmen unterstützt wird.
Einer bundesweiten Frequenzzuteilung einer lokalen und regionalen Nutzung steht aus Sicht der Bundesregierung bei entsprechender Koordinierung nichts entgegen, heißt es weiter. So müsse der Zuteilungsinhaber auf Nachfrage von Betreibern kritischer Infrastrukturen eine entsprechende Versorgung bereitstellen oder diesen Frequenzen überlassen.
In Europa 450 MHz überwiegend von Energiewirtschaft genutzt
Sollte die BDBOS die Frequenzen erhalten, sollen darüber Basis-Dienste wie Messenger-Dienste in Text und Bild, ein E-Mail-Dienst, Melderegister- und Kfz-Halterabfragen sowie der Versand von Lage-, Einsatz- und Fahndungsinformationen realisiert werden. Für Übertragungen mit höheren Datenraten soll ein Hybridmodell mit Nutzung des öffentlichen Mobilfunks untersucht werden.
In Europa würde die 450-MHz_Technologie überwiegend von der Energiewirtschaft genutzt, teilweise jedoch auch für Anwendungen der BDBOS. (sg)
