Ein drittes zertifiziertes Gateway gab es auf den Metering Days in Fulda zwar nicht zu vermelden, aber das BSI zeigte sich sehr zuversichtlich, bis zum Ende des Jahres eine Marktanalyse mit drei zertifizierten Geräten veröffentlichen zu können. Das heißt, der offizielle Rollout könnte noch vor 2020 starten, sagte Dennis Laupichler, BSI-Referatsleiter Cybersicherheit für die Digitalisierung der Energiewirtschaft. Vermutlich wird das im Dezember der Fall sein. Auch Wirtschafts-Staatssekretär Thomas Bareiß hatte in seinem Vortrag zuvor bekräftigt: "Ich bin überzeugt, dass wir den Rollout noch dieses Jahr starten können."
Alexander Kleemann, Referent beim Bundeswirtschaftsministerium, wollte zudem den schwarzen Peter für die Verzögerungen nicht allein beim BSI belassen. Auch die Hersteller gehören zur Zertifizierung dazu. "Wir sind jetzt in der entscheidenden Phase, die Bereitschaft loszulegen sei in der Energiewirtschaft groß", lotete Kleemann eine positive Grundstimmung in der Branche aus.
Acht-Jahres-Frist für Ausbringung der Geräte
Der BMWi-Referent gab auch Entwarnung bei der Installation der Geräte: Es würden die acht Jahre ab Markterklärung zählen, die die Branche Zeit habe, 100 Prozent der Geräte ins Feld zu bringen. Befürchtet worden war, dass das 2017 auf 2025 festgelegte Jahr, auch trotz der Verzögerungen bestehen bleibe. Die drei Jahre für die zehn Prozent an intelligenten Messsystemen bleiben weiter gültig.
Bouke Stoffelsma, Vorstand der Hausheld AG, erklärte, Ziel sei 100 Prozent der Zähler mit intelligenten Messsystemen umzurüsten. "Dann bin ich als Stadtwerk der Messtellenbetreiber für meinen Kunden. Ich kann neue Geschäftsmodelle entwickeln." Die Branche haben jetzt alles was sie brauche. "Wir digitalisieren Deutschland." Kunden könnten ohne gläsern zu werden, alle miteinander vernetzt werden.
Mehrere Zähler an einem Gateway möglich
Für die Stadtwerke Saarlouis hat der Dienstleister inzwischen 5000 Zähler umgerüstet. "Digitalisierung macht Sinn, denn Sie brauchen sie ohnehin", so Stoffelsma.
Alexander Kleeman hingegen verwies darauf, dass auch mehrere moderne Messeinrichtungen mit intelligenten Messsystemen ausgetattet werden können. Es gehe beim Vorantreiben der Energiewende durch Smart Metering auch darum, E-Mobilität und Sektorkopplung miteinzubeziehen.
Eon-Metering mit eigenem Zähler
Ein Geschäftsmodell das sich mit der neuen Zählerwelt erschließen lässt, schilderte Vincent-Paul Abs, Geschäftsführer von Eon Metering: Der Metering-Dienstleister hat einen eigenen Zähler entwickelt: Kunden können dadurch verschiedene Geräte unterscheiden und als Energiefresser identifzieren. Der Zähler eigne sich nicht nur für Privathaushalte, sondern auch vor allem für Gewerbekunden.
Stoffelsma von Hausheld rät erst einmal den offensichtlichsten Use Case zu verwenden: nämlich für das Metering. Für die darüber hinausgehenden Funktionen gebe es dann millionenfache Use Cases, "die sind da!"
Spartenübergreifend denken
Laupichler vom BSI gab Einblicke, dass sich die Branche eine breitere Aufstellung des Gatway wünsche, etwa durch andere Sparten: Gas, Was, Wasser. Mit dem BMWi zusammen sei man gerade dabei sich zu dem Thema abzustimmen.
Statt G2 Gateway-Plattform
Zu den Fragen der Geräte-Generation, nämlich wann G2 komme, erklärte Dennis Laupichler, dass man in der Behörde den Begriff nicht mehr verwende, sondern stattdessen von Gateway-Plattform spreche. Diese sei einem stetigen Verbesserungsprozess unterzogen. "Die nächsten Features werden dort einfach nachgezogen. Das wird gar kein Thema mehr sein, ob man G2 oder G1 hat", so der BSI-Mann.
Mehr Dialog nötig
Kritik gab es zudem von Alexander Kleemann zum Dialogverhalten der unterschiedlichen Akteure: "Erst haben wir viele Gespräche mit den Herstellern, zwei Stunden später dann mit den Kunden und deren Wünschen." Wichtig sei bei dem Ganzen, sich an Standards und an den Bedürfnissen der Kunden auszurichten. Allerdings: "Oft waren die Bedürfnisse nicht immer so ganz klar". Gehe es nach den Kunden, müssten die Geräte alles können, "da gibt es durchaus noch Präzisierungsmöglichkeiten", witzelte Kleemann. ,
Auch werde das BMWi mit möglichen Anwendungsfällen der Zukunft überschüttet. Diese müssten jetzt aber erst einmal im Dialog bei den Herstellern ankommen. "Wir versuchen unser Mögliches, den Dialog noch zu verstärken." Bei allem dürfe zudem der Endkunde nicht vergessen werden. "Es geht nicht darum, nur das Nötigste zu machen, es geht darum, den Kunden zu überzeugen", so Kleemanns Appell.
Sichere Lieferkette
Unterschiedlicher Meinung war man beim Thema Sichere Lieferkette: SiLKE soll laut Kleemann möglichst vereinfacht und standardisiert werden, damit die Preisobergrenze (POG) eingehalten werden könne. Zudem sei bei dem kompletten Metering-Prozess insgesamt einiges teurer und dafür anderes günstiger geworden, weshalb das BMWi hier keine Probleme bei den zusätzlichen Kosten durch SiLKE sehe.
Paul-Vinent Abs von Eon Metering hingegen spricht von einer exorbitanten Kostensteigerung durch SiLKE. "Wir sind froh, dass wir diesen Prozess haben, das soll auch so bleiben, aber das treibt die Kosten nach oben", bekräftigt er.
Keine neue POG
Eine neue POG wird es allerdings nicht kommen. Diese stehen fest, so will es auch der Gesetzgeber, sagt Kleeman. Allerdings, so der BMWi-Referent, gebe es unterschiedlichen Rolloutstrategien. So sei es auch möglich, den Vorgaben des Gesetzes ausreichend Rechnung zu tragen. "Smart Metering ist nicht nur strombezogen." Auch Wärme, Gas und Wasser gehören dazu – und damit erhöhen sich die Möglichkeiten unter der POG zu bleien. (sg)



