Sie sind kaum noch aus dem Alltag weg zu denken – egal ob Jung oder Alt, fast jeder nutzt das Smartphone mit seinen unzähligen Apps. Dabei geht es um Zeitvertreib, Kommunikation und den Überblick über die täglichen Routinen. Doch kaum einer will hinter die Kulissen einer längst etablierten Technologie blicken: Die IT- und Elektrotechnik-Branche hat mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. "Rund 20 000 bis 30 000 offene Stellen für Ingenieursberufe gibt es derzeit in Deutschland", schätzt Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie).
In Anbetracht von Smart Living-Technologien, die noch in den Kinderschuhen stecken, verschärft sich der Fachkräftemangel zusätzlich. Um dem entgegen zu wirken, bewerben die Fachverbände VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik), ZVEH (Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke) und ZVEI auf der IFA in Berlin die MINT-Berufe. Für Wolfgang Niedziella, Geschäftsführer des VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut fängt das Nachwuchsproblem bereits in der Schule an: Es müsse nicht nur Theorie vermittelt werden, sondern auch ein Bezug zur IT-Praxis hergestellt werden.
Weiterbildungen für die Belegschaft
Aber auch Arbeitgeber auf der Suche nach Digital Natives und Data-Analysts müssen sich verändern. Flexible Arbeitszeiten und neuste Arbeitsmittel könnten Anreize sein, so Niedziella weiter. Für seinen Kollegen Mittelbach geht es jedoch nicht nur darum, neue Kräfte anzuwerben, sondern die bestehende Belegschaft „fit für die Digitalisierung“ zu machen. Eine Möglichkeit hierfür sind Weiterbildungen über eine internetbasierte Lernplattform mit Informationen rund um Elektro- und Informationstechnologie. Dort werden Inhalte einfach und verständlich aufbereitet und Fragen rund um Bauteile, Energieflüsse –und Kreisläufe geklärt.
Die IFA bietet die Chance für alle Interessierten einen ersten Einblicke in den Arbeitsalltag von Elektrohandwerkern und Ingenieuren zu bekommen. Beim Löten des Berliner Funkturms kann man sein Fingerspitzengefühl und ein genaues Augenmaß unter Beweis stellen oder die Funktion von einem 3D-Drucker und einer vollautomatisierten Abfüllmaschine live erleben. So anschaulich die Verbände ihr Arbeitsfeld präsentieren, so undurchsichtig und komplex werden die Aufgaben der nächsten Jahre.
Systemoffenheit vs. Datenschutz
Es geht nicht mehr nur darum, Hardware mit Software auszustatten, sondern diverse Systeme über Herstellergrenzen hinweg zu vernetzen. Kunden würden für ihr Smart Home ein funktionierendes System und nicht mehrere Einzelelemente wollen, erklärt Wolfgang Niedziella. Diese Interoperabilität von Haushaltsgeräten oder energierelevanten Systemen erfordert einen einheitlichen Datenfluss bei gleichzeitiger Datensicherheit.
Auf diese Kombination aus Systemoffenheit und Datenschutz müssten sich auch Ausbildungsberufe einstellen, so die Verbände. Digitale Diagnose- und Visualisierungssysteme müssen fest in der Ausbildungsordnung verankert werden, denn hinter jeder technischen Innovation stünden gut ausgebildete Fachkräfte. (ls)
