Designnetz-Projektleiter Lothar Ahle

Designnetz-Projektleiter Lothar Ahle

Bild: © Innogy

Von Nordrhein-Westfalen über Rheinland-Pfalz bis ins Saarland erstreckt sich Designetz, eines von fünf vom Bund geförderten Schaufensterprojekten für intelligente Energie (SINTEG). Hier wird sowohl in urbanen Verbrauchszentren mit extremen Lastspitzen als auch ländlichen Gebieten mit hoher Einspeisung erprobt, wie sich unterschiedliche Teilprojekte zu einem Ganzen vereinen lassen.

Insgesamt gibt es 47 Partner unter der Leitung von Innogy. 30 Mio. Euro kommen vom Bundeswirtschaftsministerium, 36 Mio. Euro von privatwirtschaftlicher Seite. "Wir verknüpfen rund 30 Einzellösungen zu einem Gesamtsystem. Rund 20 dieser sogenannten Demonstrationsprojekte bauen wir neu auf. Die anderen zehn bestanden bereits vor Projektstart", erklärt Projektleiter Lothar Ahle.

Hierarchische Steuerung

Aus der Sicht von Designetz lässt sich das Energiesystem der Zukunft nur hierarchisch steuern: Einerseits in einer Informationsübermittlung von unten nach oben und andererseits mit einer Steuerungskaskade von oben nach unten. Herzstück ist das Energy-Gateway: die IT-Architektur, die alle Projekte miteinander verbindet.

Dort wird die Designetz-Story konsequent umgesetzt. "Wir realisieren zentrale, regionale und lokale Datenknoten", sagt Ahle. In diese fließen die bereitgestellten Daten aus allen Teilprojekten ein. Anschließend werden sie von Ebene zu Ebene weitergegeben. Das Energy Gateway soll Flexibilitäten adressieren und aggregieren.

Einzelprojekte im Detail

"Alle unsere rund 30 Einzelprojekte sind für uns gleichermaßen wichtig – denn jedes einzelne trägt dazu bei, dass am Ende die Blaupause für das Energiesystem für morgen entsteht", verdeutlicht Ahle.

Im Teilprojekt Smart Station in Nordrhein-Westfalen entwickelt Designetz konventionelle Umspannanlagen weiter. Es soll gezeigt werden, wie Leistungsflüsse im Nieder- und Mittelspannungsnetz sowie im überlagerten 110-kV-Netz so gesteuert werden können, dass die witterungsbedingte Stromeinspeisung durch die maximale Nutzung von zeitlich flexiblen Lasten in der Region verbraucht wird. Die überlagerte Spannungsebene wird damit entlastet und es werden so perspektivisch freie Kapazitäten geschaffen.

Optimierte Energieversorgung im Neubaugebiet sowie Smart Grids mit intelligenten Messsystemen

Bei Energiestudio Rheinhessen in Rheinland-Pfalz geht es um innovative Lösungen mit Erneuerbaren-Anlagen, Speichern und E-Mobilität, die zur optimierten Energieversorgung innerhalb eines Neubaugebiets führen sollen. Dazu gehört auch eine Power-to-Heat-Anlage in der Nahwärmeversorgung. Hinzu kommen Smart-Home-Techniken für energieeffiziente Lösungen. Alle Erzeugungs- und Speicheranlagen werden zudem in ein virtuelles Kraftwerk oder einen virtuellen Speicher eingebunden.

Im Saarland zeigt EMIL – Energienetze mit innovativen Lösungen –, wie sich eine intelligente Infrastruktur aus intelligenter Netzplanung und intelligentem Netzbetrieb eignet, um die Erneuerbaren in die Nieder- und Mittelspannungsebene zu integrieren. Intelligente Messsysteme sollen dabei netzdienlich eingesetzt werden. Daraus sollen sich allgemeingültige Erkenntnisse zum fernauslesbaren Netz- und Messstellenbetrieb sowie einer künftigen Netzsteuerung ableiten lassen.

Zwischenfazit zum Projekt

"Langweilig wird es nie", bilanziert Ahle zu den bisherigen Fortschritten. Vieles könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht absehen. Das mache aber auch den Reiz des Forschungsprojekts aus. "Man kann nie so ganz vorhersagen was passiert und ob sich unsere Version Eins zu Eins umsetzen lässt. Wir wissen nicht, ob wir bereits alle Puzzleteile für das Energiesystem der Zukunft beisammen haben", erläutert Ahle. Viel wichtiger sei aber, dass man mit Designetz erforschen könne, wie diese Puzzleteile zusammengesetzt werden können.

Aktuell beschäftige man sich viel mit Problemfeldern und Herausforderungen. Das Spannungsfeld zwischen Dezentralität und Zentralität spiele hier eine wichtige Rolle. Auch frage man sich immer wieder: Wie lassen sich Flexibilitäten netzdienlich nutzen. "Und natürlich schauen wir uns an, wie die künftigen Innovationen und Investitionen realisiert werden können", fügt Ahle bei.

Regulatorische Rahmenbedingungen nicht mehr zeitgemäß

Was immer wieder klar werde: Die Energiewende ist nicht allein zu stemmen. Es sei enorm wichtig, die Politik von kommunaler bis Bundesebene, die Wirtschaft, aber natürlich auch die breite Öffentlichkeit einzubeziehen. "Hier wünsche ich mir, dass wir noch mehr Gehör finden, damit sich an den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen endlich etwas ändert", äußert sich der Projektleiter.

Konkret geht es darum, dass die Regulierung es Netzbetreibern möglich machen müsse, in intelligente Technologien zu investieren. Derzeit werden die Netzbetreiber lediglich bei Investitionen in den Netzausbau gefördert, nicht beim Aufbau eines intelligenten Netzes, das den Ausbau jedoch deutlich reduzieren könne. Im Januar habe man gemeinsam mit Vertretern aus der Politik ein Positionspapier verabschiedet, dass diese Hemmnisse thematisiert, verrät Ahle.

Harmonische Zusammenarbeit

Stolz ist Ahle zudem auf den großen Zusammenhalt im Designetz-Konsortium. Die 47 Partner würden ein sehr umfangreiches Know-how aus der Energiewirtschaft und Industrie, Stadtwerken und Wissenschaft mitbringen. Er sei jedes Mal überrascht, wie harmonisch die Zusammenarbeit verlaufe und wie gut man sich gegenseitig ergänze, wovon letztlich alle profitieren. (sg)



































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