Überall in Deutschland arbeiten Versorger am Ausbau und der Integration der Erneuerbaren. Dass dafür ein hoher Grad an Vernetzung einzelner Erzeuger und Verbraucher aus verschiedenen Sektoren nötig ist, wird einmal mehr auf dem Handelsblatt Energiegipfel in Berlin klar. Damit die so dringend benötigte Flexibilität im Energiesystem auch tatsächlich ankommt, braucht es nun klare politische Weichenstellungen.
„Es kann nicht sein, dass wir heute eine Anreizregulierung haben, wo wir Milliarden Euro in den Ausbau der Kupferplatte investieren und dabei das Thema Digitalisierung völlig außen vor gelassen wird“, moniert Michael Lucke, Geschäftsführer der Allgäuer Überlandwerk GmbH, die mit dem Forschungsprojekt „Pebbles“ den Einsatz von Blockchain für neue Geschäftsmodelle testet und an der Etablierung regionaler Strommärkte arbeitet.
Deutlich mehr Tempo
Es könnten locker zehn bis 15 Prozent an Netzausbau eingespart werden, wenn eine konsequente Digitalisierung auf Verteilnetzebene stattfindet, so Lucke weiter. Nur allein über den Netzausbau werde sich die Integration der Erneuerbaren nicht stemmen lassen, ergänzt Ulf Brommelmeier, Gesamtprojektleiter der Sinteg-Modellregion Enera.
Auf politischer Ebene müsse nun Tempo gemacht werden. „Wir sind unheimlich langsam in Debatten und haben enorme Angst vor Daten“, so Brommelmeier und betont: „Wir müssen ein bisschen unsere German Angst loslassen und Technik- und Ingenieurswesen, was wir in Deutschland gut können, mit Weitblick und mit dem was die Menschen bewegt, kombinieren.“
Zugang zu "Redispatch-Markt"
Damit die Flexibilitäten und technischen Innovationen physikalisch im Netz ankommen, brauchen sie allerdings auch einen besseren Marktzugang. „Derzeit werden dezentrale Anlagen nicht in Redispatchmaßnahmen einbezogen“, so Next Kraftwerke-Chef Jochen Schwill. „Es muss jedoch gelingen eine Teilnahmemöglichkeit für dezentrale Anlagen und Innovationen zu schaffen. Dann wird es auch möglich Flexibilitäten von einem Markt in den anderen zu transferieren. (ls)



