Alexander Haßdenteufel ist Geschäftsführer der                         Thüga Smartservice (TSG).

Alexander Haßdenteufel ist Geschäftsführer der Thüga Smartservice (TSG).

Bild: © Thüga Smartservice

Thüga Smartservice (TSG) hat nach eigenen Angaben den Großteil ihrer Smart-Metering-Kunden auf die neue Systemlandschaft von Robotron migriert. Im Interview spricht Geschäftsführer Alexander Haßdenteufel über den Abschluss des Großprojekts, die größten Herausforderungen während der Migration, erste zurückgewonnene Kunden sowie die nächsten Schritte beim CLS-Management und Smart-Meter-Rollout.

Herr Haßdenteufel, Sie haben Anfang 2025 die Technologieplattform für Ihre Gateway-Administrations(GWA)-Lösung von einer Eigenentwicklung hin zu Robotron gewechselt. Wo stehen Sie aktuell?

Wir können stolz Vollzug melden. Wir haben 85 von 87 unserer GWA-Kunden auf unsere neue Plattform gehoben. Bei den zwei ausstehenden Fällen müssen auf Kundenseite noch Variablen geklärt werden, bis es bald auch hier so weit ist. Aktuell stehen wir damit bei acht angebundenen Verbrauchsabrechnungen, 54.599 produktiven Smart Meter Gateways, 68.135 produktiven Zählern, 162.335 produktiven Tarifanwendungsfällen (TAF) und rund acht Millionen Messwerten pro Tag. Zahlen, die sich im Markt durchaus sehen lassen können.

Eine Migration in dieser Größenordnung ist immer ein schwieriges Unterfangen. Was bewerten Sie als Erfolgsfaktoren für eine gelungene Migration?

In der Nachbetrachtung sehen wir drei wesentliche Säulen für dieses erfolgreiche Projekt. Über allem steht die akribische Planung durch unser erfahrenes Team im Vorfeld als Schnittstelle zwischen Kunden, Robotron und externen Partnern. Enorm wichtig war auch die kontinuierliche und flexibel an Situationen angepasste Kundenkommunikation. Diese ist besonders dann unerlässlich, wenn einmal etwas nicht so klappt, wie geplant, was bei einem Projekt wie diesem durchaus normal ist.

Hier gab es neben der individuellen Kommunikation mit unseren Kunden monatlich sogenannte "Werkstatttermine", in denen neben dem aktuellen Projektstatus auch gemeinsam offene Fragen geklärt wurden. Aber am wichtigsten ist der dritte Faktor: das gegenseitige Vertrauen zwischen uns und unseren Kunden auf Basis von zum Teil langjährigen Partnerschaften und vielfach der gemeinsamen Verbundenheit innerhalb der Thüga-Gruppe.

Wichtig war uns immer, dass nach der Migration unsere Pflicht nicht endet. Die historisch gewachsenen Strukturen in den Altsystemen werden im Rahmen einer intensiven Hypercare-Phase sukzessive bereinigt. Damit sind unsere Kunden fit für die Zukunft, zum Beispiel perspektivisch eine Einführung der Thüga-Abrechnungsplattform (TAP).

Und wo hat es bei Ihnen am meisten gehakt?

Die größte Herausforderung lag zweifellos in der hohen Komplexität und der Zusammenarbeit unterschiedlichster Marktteilnehmer. Das waren neben unseren Kundinnen und Kunden mit ihren IT-Dienstleistern vor allem Gateway-Hersteller sowie diverse Verbrauchsabrechnungssysteme mit teilweise individuellen Schnittstellen. Bei insgesamt fast 90 Migrationsprojekten gab es naturgemäß individuelle Sonderfälle und projektspezifische Besonderheiten, die zu berücksichtigen waren. Dadurch entstand ein sehr hoher Abstimmungsbedarf in unterschiedlichen Konstellationen, der nicht automatisiert abgedeckt werden konnte.

In diesem Fall mussten wir gegensteuern. Wir haben die beteiligten Projektpartner zunehmend enger in die Projekte eingebunden, projektübergreifende Abstimmungen vorangetrieben und mit einem standardisierten Vorgehensmodell für Transparenz, Struktur und Verlässlichkeit gesorgt. Dadurch konnten Prozesse Schritt für Schritt vereinheitlicht und stabilisiert werden. Dieser Reifeprozess hat zwar mehr Zeit und Kapazitäten als gedacht in Anspruch genommen, letztlich aber die Grundlage dafür geschaffen, die hohe Anzahl an Migrationen effizient und erfolgreich umzusetzen.

Sind Sie mit dem Migrationsprojekt in Gänze eigentlich im geplanten Zeitplan?

Tatsächlich weichen wir vom Zeitplan ab, wollten ursprünglich bereits Ende 2025 vollständig auf der neuen Robotron-Systemlandschaft sein. Die Gründe dafür liegen hauptsächlich in den besagten Interdependenzen zu Dritten. Hier mussten wir mehr Zeit für eine optimale Anbindung einzelner Geräte wie auch für manches Verbrauchsabrechnungssystem einplanen.

Entscheidend war, dass alles im Rahmen des Projekts zu jeder Zeit transparent kommuniziert und von den Kunden mitgetragen wurde. Am Ende hat sich der kooperative Einsatz gelohnt und gemeinsam blicken wir nun auf eine hochmoderne und skalierbare Systemlandschaft.

Zuletzt hieß es im Markt sie hätten Kunden an Mitbewerber verloren?

Ja, wir hatten leider Abgänge, jedoch nicht durch die Migration. Die Kundenabgänge waren vor allem dem Altsystem mit mangelnder Automatisierung und ungenügenden Skalierungsmöglichkeiten geschuldet. Genau deshalb haben wir das Thema bei uns komplett neu aufgestellt: Das beste System am Markt plus entsprechende Freiräume für individuelle Kundenbelange.

Die Erfolge sind bereits jetzt sichtbar. Unsere Systeme laufen nach der Migration uneingeschränkt stabil, unser GWA-Team kann seine Kernkompetenzen voll ausspielen und erste verlorene Kunden kommen bereits wieder zurück. Ganz konkret ist dies die Braunschweiger Netz GmbH (BSI Netz), die nach einem Ausflug zu einem Wettbewerber wieder bei uns zurück an Bord ist. Mit weiteren Kunden befinden wir uns derzeit in Gesprächen.

Wo stehen Sie aktuell in Sachen CLS-Management?

In den kommenden Wochen gehen wir in diesem Bereich mit fünf Pilotkunden produktiv. Seit den ersten Gesprächen im Herbst letzten Jahres konnten wir bereits knapp 40 Kunden für unsere Lösung gewinnen, die nun in der Pipeline für den Steuer-Rollout stehen. Parallel sehen wir aus vielen Gesprächen mit unseren GWA-Kunden ganz deutlich, dass unsere Argumentation "GWA und CLS-Management aus einer Hand" überzeugt.

Wir gehen daher davon aus, dass auch die noch zögerlichen GWA-Kunden zu unserer Lösung stoßen werden. Parallel treiben wir die Weiterentwicklung unseres Portfolios rund um §14a EnWG konsequent voran. So entwickeln wir ein ergänzendes Serviceangebot zur Bereitstellung von Netzzustandsdaten (TAF10) und arbeiten gemeinsam mit Thüganetze und der Thüga Aktiengesellschaft an einer Full-Service-Lösung für das Niederspannungsmanagement.

Wie stehen Sie zum Thema Smart Meter light?

Diese Diskussion kommt für uns zum völlig falschen Zeitpunkt. Wir haben in Deutschland bereits einen sehr langen Weg hinter uns, um eine SMGW-Infrastruktur nach höchstem Sicherheitsstandard zu entwickeln. Jetzt nimmt – auf dieser Basis – der Smart Meter-Rollout endlich Fahrt auf. Warum sollten wir genau jetzt etwas propagieren, was wir vor gut zehn Jahren schon hätten haben können? Zudem sehe ich nicht, welche Probleme ein Smart Meter light im Vergleich zur aktuellen Planung lösen sollte. Für alle Konsumenten gibt es einen klaren Rechtsanspruch auf den Einbau eines intelligenten Messsystems und wenn es um Lösungen für Mehrfamilienhäuser geht, dann ist 1:n das Mittel der Wahl, das forciert werden sollte.

Zum Schluss: Brauchen wir einen Vollrollout in Deutschland?

Ja, einen Vollrollout mit Sinn und Verstand in Bezug auf Smart Meter sowie hinsichtlich des CLS-Managements im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben. Erst wenn diese beiden Voraussetzungen gegeben sind, können wir beispielsweise wirklich über smarte Netze sprechen. Das Thema Smart Meter ist und bleibt der Schlüssel zur dezentralen Digitalisierung der Energiewirtschaft und der Energiewende. Hier propagieren wir seit Jahren einen notwendigen Wandel im Mindset vom "Müssen" hin zum "Wollen". Wir denken GWA und CLS-Management gemeinsam.

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