Schleupen-Chef Volker Kruschinski geht davon aus, dass in den nächsten drei bis sechs Wochen, wahrscheinlich zu den Metering Days in Fulda Anfang Oktober, ein weiteres Smart-Meter-Gateway zertifiziert sein wird. Das dritte nötige Gerät wird allerdings zusammen mit dem vierten wohl erst Anfang, Ende des vierten Quartals die Zertifizierung schaffen, wagt Kruschinski eine Prognose. Zum Start des offiziellen Rollouts ist er vorsichtig optimistisch: »Es könnte unter Umständen noch in diesem Jahr eine Markterklärung geben«.
Dies sagte der Schleupen-Chef auf der Anwendertagung in Hannover. Diese feierte ein Jubiläum: Seit 40 Jahren findet die Veranstaltung statt. Zugleich konnte sich das Unternehmen über regen Zuspruch erfreuen, die Zahl der Teilmnehmer stieg um 120 im Vergleich zum vergangenen Vergangenen. Zudem wartet 2020 ein weiterer runder Geburtstag: Dann nämlich wird die IT-Schmiede 50 Jahre alt. Inzwischen setzt jedes vierte Stadtwerke die Software des Unternehmens ein. Auf der Tagung war erstmals Roboter Pepper zu bestaunen, der auch auf der Bühne einen eigenen Auftritt hatte.
Vier Schleupen-Kunden setzen bereits zertifizierte Smart-Meter-Gateways ein
Smart-Metering war auch in Hannover eines der Kernthemen. Denn die Zeit läuft und bevor die Geräte überhaupt in den Wirkbetrieb gehen dürfen, müssen sie im Testbetrieb eingesetzt werden. Dazu ist zwingend die Anmeldung zur Smart-Metering-Public-Key-Infrastructure (PKI) erforderlich. Erst wenn diese gelungen ist, kann der Wirkbetrieb starten.
Bei Schleupen sind es inzwischen schon vier Unternehmen, die zertifizierte Smart-Meter-Gateways einsetzen. Vier sind gerade im Beschaffungsprozess der Geräte, drei befinden sich in der Zertifizierung zur PKI und sechs sammeln Projekterfahrung. 115 Unternehmen mit mehr als 2,6 Zählpunkten nutzen bereits die SMGWA-Plattform der Schleupen AG.
SiLKE: anspruchsvoll aber machbar
Das Thema Sichere Lieferkette (SiLKe) – also der Vorgang von der Auslieferung vom Hersteller bis zum Einbau der Geräte – sei durchaus anspruchsvoll, so ein Workshopleiter, aber die Resonanz bei Schulungen sei durchaus positiv. So würden viele Stadtwerke danach sagen, dass das Thema »nicht so schlimm wie erwartet« sei.
Was derzeit auch noch im Raum steht: Kommt es zu einer erlängerung der Einbaufristen der Gateways ? Sonst müssen die Messsysteme in fünf statt in acht Jahren eingebaut werden.
Erst mit Gatway-Generation-2 Zielmodell möglich
Was sicher ist, das Interimsmodell wird am 31. Dezember enden. Mit der MaKo2020 gilt es dann auch im ersten Schritt, dass der Messstellenbetreiber als Sternpunkt auftritt. Sprich er, bzw. seine Systeme, verteilen die erforderlichen Daten an alle Marktteilnehmer. Im zweiten Schritt soll diese Aufgabe dann das intelligente Messsystem übernehmen. Allerdings wird die Verteilung erst mit Generation 2 möglich. Wann hier die nötigen drei Geräte zertifiziert sind, lässt sich schwer voraussagen.
Unter den Messstellenbetreiber stehe der zweiten Schritt in der Kritik, da ihn viele als unnötig empfunden, ist zu hören. Schließlich hätten die Messstellenbetreiber dann schon die dazu erforderlichen Kompetenzen aufgebaut. Mit dem zweiten Schritt werden diese Aufwände wieder obsolet.
Technik erleben, statt erleiden
Einen Blick zurück warf Bernhard Mildebrath, Geschäftsfeldentwickler bei Schleupen. Schon vor zehn Jahren seien die Schlagzeilen in den Fachzeitschriften ähnlich gewesen. Da ging es um Smart Metering, Smart Grids und Energiedienstleistungen. Viel geändert habe sich seitdem wenig.
Vielfach seien die Schlagzeilen inzwischen jedoch – wie etwa »Smart Home kommt nicht an« – eher negativ angehaucht. Wichtig sei es aber, Technik zu erleben und nicht zu erleiden, so Mildebraths Appell. Aus der Vielzahl an Produkten und Dienstleistung, die es derzeit gebe, gelte es herauszufinden, welche später Geschäftsmodelle werden könnten. Erschwerend komme hinzu, dass die Erfahrungen aus der Vergangenheit bei dem aktuellen digitalen Umbruch nicht weiterhelfen.
IT-Sicherheit eminent wichtig
Einen Blick auf die Digitalisierung aus anderer Perspektive warf IT-Sicherheitsexperte Christian Schülke. Er verstehe, dass es schwer sei, bei so vielen Geschäftsmodellen und der Digitalisierung hier noch an IT-Sicherheit zu denken. Aber die Schäden, die hier entstehen können, gehen schnell in die Millionen.
So fiel zuletzt die Üstra über eine fungierte Geschäftsführer-E-Mail auf einen Trickbetrüger herein und überwies an diesen 70 000 Euro. Oliver Nawrocki von Schleupen erzählte von einem Fall, in dem ein Kundenbearbeiter eines Stadtwerks auf eine E-Mail eines vermeintlichen Kunden reagierte, der sich über einen Abrechnungsvorgang beschwert hatte. In dem gut getarnten Anhang befand sich ein Trojaner. Dann ist oft das ganze Unternehmensnetzwerk schnell lahmgelegt und funktionsunfähig.
Schwachstelle Mitarbeiter
Auch hardwaremäßig rüsten die Hacker auf. Handys können Hotelnummern von Chipkarten auslesen und mit ein paar Klicks sind diese auf eine eigene Karten erstellt, die Tür und Tor öffnen. Ein Computer ist dann schnell aus dem Hotelzimmer geklaut, oder er wurde einfach »nur« mit all seinen sensiblen Daten ausgelesen. Ladekabel-Attrappen lesen ebenso wichtige Daten aus und sind von den echten Kabeln nahezu nicht zu unterscheiden.
Vor allem Mitarbeiter sind oft das schwächste Glied. Ein Anruf zum Beispiel bei der Chefsekretärin in Abwesenheit des Chefs, dass es gerade ein schwerwiegendes IT-Problem gebe und ob sie kurz prüfen könne, ob bei ihr eine bestimmte URL zu einer präparierten Website funktioniere, macht es den Angreifern leicht, die Sekretärin zu überrumpeln. Wichtig seien daher Schulungen, die Mitarbeiter dafür sensibilisieren, wie Hacker vorgehen, schlägt Nawrocki vor. Bei Schleupen habe man hier selbst gute Erfahrungen gemacht. So sanken etwa die Klicks auf fremde Websiten nach Schulungen deutlich stärker ab. Wichtig sei aber auch, dass dies dies kontinuierlich geschehe und das Wissen immer wieder neu aufgefrischt werde. (sg)



