In Kooperation mit der Thüga SmartService GmbH (TSG) und EMH Metering haben die WVV ein Mieterstromprojekt im neuen Würzburger Stadtteil Hubland realisiert. Das Besondere: Es gilt nach Angaben der drei Unternehmen als das erste TSG-Mieterstrommodell bundesweit, bei dem ausschließlich moderne Messeinrichtungen in Kombination mit einem Smart Meter Gateway zum Einsatz kommen und die Abrechnung über ein SAP-System erfolgt.
Das Projekt
Das Mieterstromobjekt besteht aus zwei identischen Komplexen à 24 Wohneinheiten und einer gemeinsamen PV-Anlage mit einer Leistung von 60kWp. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die Stadtwerke Würzburg AG, eine Tochtergesellschaft der WVV.
Die für die PV-Anlage notwendigen Dachflächen wurden von der Würzburger Wohnungsgenossenschaft (WWG) verpachtet. Jeder der beiden Komplexe verfügt über eine PV-Erzeugungsmessung, eine Zweirichtungszählung für Netzbezug und Einspeisung sowie über eine Allgemeinstrommessung, allesamt aufgrund der hohen Energieflüsse als Wandlermessung ausgeführt und an ein Smart Meter Gateway angebunden.
Die komplette messtechnische Installation der einzelnen Komponenten erfolgte durch die Mainfrankennetze GmbH (MFN), ebenfalls ein Tochterunternehmen der WVV. Als Smart Meter Gateway Administrator fungiert die Thüga SmartService (TSG).
Zählertechnische Anbindung
Die eingebauten Smart Meter Gateways stammen aus dem Hause EMH Metering. Insgesamt wurden zudem 24 Zähler für die Wohnungen sowie ein Zähler für Allgemeinstrom, ein Übergabezähler (jeweils für Netzbezug und Einspeisung) und ein Zähler für Gesamterzeugung der PV-Anlage eingebaut. Für die Wohnungszähler wurden Steckzähler eingesetzt. Für Allgemeinstrom und Übergabezähler kamen Dreipunkt-Zweirichtungs-Messwandlerzähler zum Einsatz.
Pro Hauseinheit wurden insgesamt sieben Smart Meter Gateways installiert. Vier Wohnungszähler werden dabei über ein SMGW gesteuert. In Summe wurden also 48 Zähler an 14 Smart Meter Gateways angeschlossen. Allgemeinstrom und Übergabezähler sind zusammen mit einem Gateway verbunden. Um den Empfang im Hausanschlussraum zu verbessern, wurde jedes Smart Meter Gateway mit einem ca. 35 Meter langen Antennenkabel an eine Mehrbereichsantenne angeschlossen.
Realisiert wurde das Projekt im Zeitraum von April bis September 2020. Der Einbau der ersten Zähler erfolgte Ende August 2020.
Anspruchsvolle Umsetzung als große Herausforderung
„Es war viel technisches Know-how erforderlich und es konnten wertvolle Erkenntnisse im Umgang mit der neuen Hardware und der besonderen Handhabung, z.B. im Bereich der sicheren Lieferkette, gewonnen werden“, sagte Peter Saam, Geschäftsführer der Mainfrankennetze GmbH.
Peter Heuell, Geschäftsführer von EMH Metering verwies darauf, dass sich mit deren Smart-Meter-Gateway Mieterstrommodelle "ganz einfach abrechnen" lassen. „Die Energie- und Immobilienwirtschaft gewinnt dadurch ein effektives Geschäftsmodell für die Energiewende. Auslieferung und Inbetriebnahme unserer Gateways sind trotz erschwerter Bedingungen durch die Corona-Pandemie reibungslos verlaufen", so Heuell.
Herausforderungen
Die größte Herausforderung des Projektes lag nach Angaben der Partner in der besonders aufwändigen prozessualen Umsetzung durch die Integration von Zählern, SMGW-Administration und SAP-System, um die erfassten Verbrauchsdaten minutiös den einzelnen am Mieterstrommodell teilnehmenden Kunden zuordnen zu können.
Die durch die intelligenten Messsysteme zur Verfügung gestellten Zählerstandsgänge werden so im „Mieterstrom-Rechenkern“, der in das GWA/EMT-System der TSG integriert ist, rechnerisch und Mieterstromgesetz-konform je Wohneinheit in PV-Strom und Netzbezug aufgeteilt.
Auch die Berücksichtigung von Kunden, die nicht am Modell teilnehmen und die nicht von den Stadtwerken Würzburg ihre Energie vollständig aus dem MFN-Netz beziehen, hätten hierbei Berücksichtigung gefunden.
Anbindung an SAP-System
Neu und bisher einzigartig beim WVV-Mieterstrommodell sei Anbindung der TSG-Mieterstromberechnung an ein SAP-System. Die WVV fungierte hier als Pilotkunde. Die Erkenntnisse, die TSG aus dem Projekt gesammelt hat, werden auch für die Anbindung künftiger Mieterstromprojekte mit SAP-Systemen verwendet.
„Wir konnten mit unserer ganzheitlichen Lösung für das Mieterstrom-Projekt der Würzburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft ein umfassendes Rundum-Sorglos-Paket anbieten“, sagt Peter Hornfischer, Geschäftsführer der TSG. „Von der Unterstützung der EMH-eigenen sicheren Lieferkette, die wir in unser Workforce-Management-System integriert haben, über die SMGW-Administration bis hin zur Abrechnung im SAP IS-U. Das macht die Attraktivität dieser Lösung für Kunden aus.“
Innerhalb kürzester Zeit realisiert
Innerhalb der WVV wurde ein eigenständiges Mieterstrom-Projektteam zusammengestellt. Dieses bestand aus Mitarbeitern der Bereiche Messtechnik, Kundenmanagement und IT. „Obwohl uns die Komplexität des Projektes durchaus vor technische und logistische Herausforderungen stellte, haben wir innerhalb kurzer Zeit ein Modell auf die Beine gestellt, das Beachtung verdient", sagt Mathias Siebenlist, Projektleiter des Mieterstrommodells im Bereich Kundenmanagement der WVV.
Für die vielfältigen prozessualen Fragestellungen habe man pragmatische Lösungen entwickelt, so Siebenlist weiter. „Sowohl die WVV-interne Zusammenarbeit zwischen Netzgesellschaft, Kundenmanagement, IT und Vertrieb, wie auch die Kooperation mit unseren externen Partnern TSG und EMH waren geprägt von einem wechselseitigen Know-how-Austausch und der gemeinsamen lösungsorientierten und fokussierten Umsetzung des Projektes“, lobte er.
Langfristige Erfolgschancen beim Mieterstrom erwartet
Auch aus Vertriebssicht sieht die WVV im Mieterstrommodell langfristige Erfolgschancen. Gleichzeitig ist das Projekt für das Unternehmen aber auch ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Energiewende. „Wir sind sehr zufrieden, dass wir die Kundenanforderung gemeinsam mit unseren Partnern umsetzen konnten“, sagt Florian Doktorczyk, Abteilungsleiter Vertrieb der Stadtwerke Würzburg AG. „Die Realisierung eröffnet nun ein weiteres interessantes Kapitel der Energiewende für unsere Kunden. Insgesamt erwarten wir verstärktes Kundeninteresse an diesen Lösungen und planen daher auch weiterführende Vermarktung dieser Projekte.“ (sg)
