Entstanden ist das MVV-Projekt mit dem Markennamen „CLIMAP“ im Rahmen eines internen Innovationsprozesses, teilte der Versorger aus Mannheim mit. Climap generiert aus den erfassten Wärmebildern sowie aus weiteren gebäudespezifischen Informationen – etwa dem Baualter – eine Wärme(-verlust)landkarte.
Diese gibt Auskunft über den energetischen Zustand der Gebäude einer Kommune und deren Energieeinsparpotenziale. Die Wärmelandkarte und die damit verbundenen Dienstleistungen, wie zum Beispiel Energieberichte für Gebäudeeigentümer, werden über ein Dienstleistungsportal zur Verfügung gestellt.
Klimaschutzgesetz verpflichtet zu kommunaler Wärmeplanung
Kommunen können so ihre Quartierssanierungen planen und Fördergelder für Gebäudesanierungen zielgerichtet einsetzen. Zudem bietet sich mit einer Neuerfassung nach einem definierten Umsetzungszeitraum die Option, zu überprüfen, welchen Erfolg die gewählten Maßnahmen hatten.
Die Novelle des Klimaschutzgesetzes verpflichtet Kommunen zu einer Wärmeplanung. „Climap schafft die Datengrundlage für die Bestandsanalyse und Entwicklung der kommunalen Wärmewendestrategie“, betont Clemens Peters vom MVV-Team Climap. Ergänzt werde Climap von dem MVV-Tochterunternehmen MVV Regioplan, das sich auf nachhaltige Stadtplanung und -entwicklung spezialisiert hat und Kommunen bei ihrer Wärmeplanung umfassend unterstütze.
Kombi von Luftschiff, Spezialflugzeug und Kraftfahrzeug
Im Rahmen der Erfassung der Wärmebilder werden verschiedene Ansätze verfolgt: So wurde in der letzten Heizperiode die großflächige thermografische Erfassung per Kraftfahrzeug und unbemanntem Luftschiff erprobt.
Während die Thermografie per Spezialflugzeug ein etabliertes Mittel zur Lokalisierung etwa von Wärmeverlusten in Wärmenetzen darstellt, ist die thermografische Erfassung von Gebäuden per Kraftfahrzeug und Luftschiff gänzlich neu. „In Kombination erlauben diese Erfassungsvarianten eine weitestgehend umfängliche Einschätzung der Gebäudehüllen, so Marcel Koch vom MVV-Team Climap.
Vorteile Kraftfahrzeug in Kombination mit Spezialflugzeug
Bei gemäßigter Fahrgeschwindigkeit des Autos könne man Bilddaten mit hoher Qualität und Standortgenauigkeit erfassen, das Flugzeug liefere die ergänzenden Dachaufnahmen. Bei der Erfassung mit dem unbemannten Luftschiff arbeitet MVV mit seinen Partnern Airbus Defence and Space sowie vaireco GmbH zusammen.
Vorteile Luftschiff
Hauptvorteil der Luftschiff-Variante sei die geringe Flughöhe von 150 Metern, die neben der Erfassung von Wärmebildern auch hochauflösende Digitalbilder ermöglicht. Diese wiederum lassen sich für den Aufbau georeferenzierter 3D-Stadtmodelle nutzen, auf deren Basis anschließend auch die Wärmebilder dreidimensional dargestellt werden können.
Eine solche 3D-Ansicht ermöglicht eine Vielzahl von Anwendungen: Beispielsweise Vermessungen von Grundstücksgrenzen auf Verkehrswegen – auch im Hinblick auf autonomes Fahren – hochgenaue Datengrundlagen für die Auslegung von PV-Dachanlagen, Hochwassersimulationen oder Einsatzplanungen für Polizei-Großeinsätze.
Künstliche Intelligenz hilft bei Big Data
Die Herausforderung sei unter anderem die Auswertung des umfangreichen Bildmaterials. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) sollen die Wärmebilder automatisiert ausgewertet werden. Dabei wird die KI so trainiert, dass sie Gebäudeteile wie etwa Fenster oder Gebäudesockel auf den Wärmebildern erkennt und deren energetischen Zustand über die jeweilige Oberflächentemperatur bestimmt. „In Kombination mit den weiteren Informationen im Wärmebild und den Gebäudedaten lassen sich Gebäudeschwachstellen hoch automatisiert erkennen“, sagt Clemens Peters.
Gebäudeenergiebericht
Für private, gewerbliche und kommunale Gebäudeeigentümer werden die Daten so aufbereitet, dass sie auch mit geringen Vorkenntnissen gut verständlich seien, heißt es weiter. Dazu werden etwa die detektierten Schwachstellen mit einer Ampellogik kategorisiert und konkrete Maßnahmen für mehr Gebäudeenergieeffizienz vorgeschlagen sowie Hinweise zu Fördermöglichkeiten gegeben. Dieser Gebäudeenergiebericht könne kostengünstig – zu einem mittleren zweistelligen Betrag – erworben werden.
Weitere Extras geplant
Für die Zukunft arbeite man an weiteren Ergänzungen. Denkbar sei etwa auch die Vermittlung von BAFA-gelisteten Energieberatern, die den jeweiligen Gebäudeeigentümer durch den Sanierungsprozess begleiten können. Dies sei Voraussetzung für die Fördermittel zur energetischen Gebäudesanierung.
„Grundsätzlich haben wir uns zum Ziel gesetzt, mit unserer Plattform die lokale Wertschöpfung zu steigern und daher gezielt lokale Dienstleister und Handwerksunternehmen in den Sanierungsprozess einzubinden“, erläutert Marcel Koch. (sg)
Auch für kommunale Energieversorgungsunternehmen interessant
Das zugehörige Portal wird noch im Laufe des Dezembers live geschaltet. Die Gebäude-energieberichte seien jedoch zunächst nur in den zuvor bereits erfassten Regionen verfügbar. Dazu gehört der Mannheimer Stadtteil Gartenstadt. Im kommenden Jahr soll das Angebot auch für ganz Mannheim sowie für eine mittelgroße Kommune an der badischen Bergstraße ausgeweitet werden.
Derzeit befinde man sich noch in der Produktentwicklung für kommunale Energieversorger. Zielsetzung sei, dass man hier mit interessierten kommunalen Energieversorgern eine für beide Seiten „attraktive Lösung“ finde, so Clemens Peters. (sg)


