Von Stephanie Gust
Die Metering Days haben gleich zu Beginn schon ihren ersten Rekord gebrochen und die Schallmauer von mehr als 1000 Besuchern durchbrochen. Auf die Teilnehmer warteten spannende Diskussionen rund um den Smart-Meter-Rollout aus Sicht des Veranstalters ZVEI, des Bundeswirtschaftsministeriums und der Bundesnetzagentur.
Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, gab das Motto, nämlich Effizienzwende, gleich als erstes vor. Es gehe um Bürokratieabbau und wie man die Gesetze, die die Branche braucht, möglichst effizient auf den Weg bringe.
Denn klar sei, das ganze Stromsystem verändere sich derzeit rasant. Und der Rollout intelligenter Messsysteme hinke bislang mit einer Quote von unter 10 Prozent hinterher.
Weber: Strompreise senken
Außerdem ein wichtiger Appell von Weber: Die Strompreise müssen sinken. Anders als bei andren Energieträgern wie Gas, trage der Strompreis die Kosten der Energiewende. "Wir haben den Strom systematisch mit Stromsteuer, EEG-Umlage verteuert, und damit ausgerechnet den Energieträger belastet, der die Energiewende stemmen soll", so Weber. Es gehe nun daran, den Rollout anzugehen: "Roll, baby, roll".
Auch Stefan Kapferer, CEO von 50 Hertz betonte, wie wichtig Effizienz sei, vor allem auf Seite der Kosten.
Kapferer: Notwendigkeit zum Steuern wächst
Die Zahl der Eingriffe ins System und die Notwendigkeit es zu steuern, sei gewaltig gewachsen. Der enorme Zubau von 14 GW an Photovoltaik aus dem vergangenen Jahr werde dieses Jahr wohl wieder erreicht.
"Gleichzeitig gibt es keinen Anstieg des Stromverbrauchs, es muss aber beides zusammengebracht werden", umfasst Kapferer das Dilemma. Der Zubau der Erneuerbaren sei wichtig, müsse aber in Einklang mit anderen Prozessen gebracht werden.
Als Netzbetreiber müsse man die Gleichzeitigkeit der Prozesse zusammenbringen. "Nur wenn es uns gelingt, das Flexibilitätspotenzial zu heben, werden wir das System dauerhaft stabil halten."
Es stimme übrigens nicht, dass Sonne und Wind keine Rechnung schicken, schließlich müssen sie auch ins System integriert werden. Die Netzentgelte seien davon noch der kleinere Teil, den größten würden die Redispatchkosten ausmachen.
"Wir müssen eine effiziente Steuerung des Netzes organisieren, aber auch wirtschaftlich und kosteneffizient, sonst verlieren wir die Unterstützung der Bevölkerung", so Kapferer.
Brodkorb: Digitalisierung muss mit Energiewende Schritt halten
Beatrix Brodkorb vom BMWK freute sich, dass sich seit ihrem letzten Besuch auf den Metering Days vor drei Jahren viel getan hat. Damals waren 50.000 intelligente Messsysteme installiert, inzwischen sind es 700.000.
Ihr Appell: "Die Digitalisierung muss mit der Energiewende Schritt halten, das ist nicht immer einfach." Bei den erneuerbaren Energien gebe es rasante Zubauzahlen, so dass ein anderes Tempo bei der Digitalisierung notwendig sei.
6000 statt 10.000 kWh von der Branche erwünscht
Sie lobte auch das Gesetz zum Neustart der Digitalsierung der Energiewende (GNDEW). Ein Jahr danach seien doppelt so viele intelligente Messsysteme ausgerollt worden, als in den sieben Jahren zuvor.
Gefreut habe sich das BMWK auch darüber, dass die Branche von sich aus gesagt habe, dass sie lieber die 6000 kWh-Grenze beibehalten wolle, als auf 10.000 kWh Jahresverbrauch für den Pflichtrollout zu erhöhen. "Das zeigt, dass sie sich mehr zutrauen."
Auch bei dem aktuellen Gesetz, das noch den Bundestag passieren muss, beruhigte Brodkorb, auch wenn nicht klar sei, wie es weitergeht: "Dieser Gesetzesentwurf beruht auf einen Bericht, den das GNDEW beauftragt hat, hierzu gab es zahlreiche Gespräche mit BET und EY sowie der Branche. Wir haben das besprochen, was der Rollout braucht und daraus unsere Schlüsse gezogen."
Auf dem Weg zum Steuerungsrollout
Klar sei, der Messrollout muss zu einem Steuerungsrollout weiterentwickelt werden. Damals war das Ziel Transparenz, um zu wissen, was im Netz los sei. Durch den Zuwachs der Erneuerbaren ist nun deutlich geworden, dass das reine Messen nicht ausreiche, sondern man auch steuern müsse.
Daher habe man auch alle Anlagen ab 2 kW in den Rollout einbezogen. Es gelte weiterhin: Für uns ist die entscheidende Größe die steuerbare Leistung für das Smart Grid.
BNetzA wünscht mehr Transparenz
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, kritisierte hingegen Trtansparenzmängel, weswegen seine Behörde nun in kürzeren Abstand abfrage. "Wenn Sie das als Druck verstehen – das war genau so gemeint. Wir wollen die Situation transparent machen."
Bis 2025 müssen mindestens 20 Prozent der Verbrauchstellen und steuerbare Verbrauchseinrichtungen mit intelligenten Messsystemen ausgestattet werden.
Aktuell liege der Stand bei 9,25 bundesweit. Dabei sei auffällig, dass große Messstellenbetreiber oftmals schon über 20 Prozent geschafft haben, während kleinere Messstellenbetreiber oftmals hinter diesem Ziel zurückbleiben.
Müller: Keine Kostenerhöhungen beim Rollout
"Das ist viel zu wenig, aber positiv möchte ich hervorheben, dass wir bei den modernen Messeinrichtungen bei 45 Prozent sind."
Den Forderungen nach einer höheren Preisobergrenze trat Müller entschieden entgegen: "Die Lösung kann nicht daraus bestehen, die Kosten des Rollouts erhöhen. Wir müssen die Kosten für Verbraucher vertretbar halten, das heißt, wir müssen Kosten senken."
Diskussion zwischen Kostendruck und Sicherheit
Bei technischen Fragen warb Müller für Pragmatismus, man könne auch mit der vorhandenen Technik für Sichtbarkeit und Steuerbarkeit sorgen. Zudem könnte man mit Updates die Geräte aufrüsten. "Wir sollten technischen Stress vermeiden."
Dem stimmte Stefan Kapferer in der anschließenden Diskussion zu und betonte, dass man zwar schneller werden müsse, aber zugleich Stress für die Systeme vermeiden müsse. "Wir können es an dieser Stelle nicht leisten, dass das internationale Ansehen Deutschlands leidet."
Und weiter: "Wir können zwar mit KI und Prognose-Tools vieles abschätzen, aber es hilft nichts, wenn wir daraus keine Konsequenzen ziehen."
Lorenz: Mehr Planungssicherheit
Claudia Lorenz, Senior Managerin Innovative Lösungen Energienetze beim ZVEI, erkärte, dass die Elektroindustrie auf den Rollout vorbereitet sei. Was man aber brauche, sei Planungssicherheit, dazu gehöre auch, die Arbeiten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik nicht wieder in Frage zu stellen.
Die Kostenfrage brach allerdings immer wieder auf: "Das jetzige System ist zu teuer, wenn wir so weitermachen wie jetzt. Aber zu sagen, wir ändern nichts, es läuft so weiter, das gehe nicht", betonte Müller. Er glaube auch nicht bei den aktuellen politischen Entwicklungen, dass sich dies anders entwickeln werde. Hier werde es zu der Frage kommen, wo und wie man Kosten senken könne, um die Energiewende bezahlbarer zu machen.
"Energiewende kostet einfach viel Geld, es war immer so, dass Anfangsinvestitionen teuer sind, das wissen wir von den Erneuerbaren", konterte Beatrix Bordkorb vom BMWK. Denn, ob ein günstiges System cybersicher sei, sei fraglich. Aber man müsse beim Stromnetz kritische Situationen managen können. "Es ist nachvollziehbar, dass die BNetzA Kosten einsparen will, aber Sicherheit geht vor."
