Noch gut acht Monate bleibt den fünf Schaufenstern für intelligente Energie noch, um ihre Projekte erfolgreich abzuschließen. Auf der E-World zeichnet sich bereits jetzt ab, dass aus vielen Forschungsansätzen, die die Integration der Erneuerbaren durch Digitalisierung und Flexibilisierung kosteneffizient möglich machen sollen, tragfähige Business-Cases werden könnten.
Ein Beispiels hierfür liefert Enera: Das niedersächsische Schaufenster hat sich unter anderem auf Software-as-a-Service-Lösungen spezialisiert, um teilweise aufwendige und vor allem kostenintensive Prozesse im Rahmen des Infrastrukturausbaus für die Energiewende aber auch für die digitale Transformation günstiger und einfacher zu machen. So bieten Unternehmen, wie Gridlux oder Geomate, Verfahren auf Basis von Künstlicher Intelligenz an, um mittels georeferenzierter Oberflächendaten die Grobplanung für Breitband- und Stromnetze kosteneffizent zu gestalten. Allein diese Dienstleistungen bzw. Datenprodukte sind bereits heute auf dem Markt.
Flexibilität in der Industrie
Noch nicht außerhalb von Enera eingesetzt, aber dafür praxiserprobt, ist auch das Peak-Shaving über selbstlernende Algorithmen für gleichzeitige Ladevorgänge, wie sie künftig in Wohnquartieren auftreten könnten. Aus Sicht von Ulf Brommelmeier sind all das intelligente Ansätze, die die volkswirtschaftlichen Kosten der Energiewende, wie z.B. den Netzausbau reduzieren können.
NEW 4.0 wiederum setzt verstärkt auf Lastflexibilsierung durch die Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen. So hat der Aluminiumhersteller Trimet beispielsweise ein Verfahren zur Flexibilisierung seiner Aluminiumelektrolyse entwickelt. Würde man diese Lösung deutschlandweit auf alle Trimet-Werke übertragen, ließen sich damit 600 MW Flexibilität generieren bzw. Energiemengen von rund 11 Gwh für bis zu 96 Stunden verschieben, so Werner Beba, Gesamtprojektleiter von NEW 4.0. Das derzeit größte deutsche Pumpspeicherkraftwerk in Thüringen kann im Vergleich dazu circa 8 Gwh für 8 Stunden verschieben.
Neue Speichermaterialien und genauere Prognosen
In Essen arbeitet das Team von Designetz wiederum daran das Systemcockpit weiter aufzubauen, um die Fahrpläne viele einzelnen Demonstratoren aufeinander abzustimmen und so mehr Flexibilitäten für das Netz bereit zu stellen – das alles unter den Bedingungen des Energiesystems der Zukunft.
Auch das nordostdeutsche Schaufenster Windnode hat bereits viele Lösungen in der Praxis erprobt. Erst vor wenigen Wochen wurde ein Teilprojekt aus dem Bereich Sektorenkopplung erfolgreich in Betrieb genommen – ein Stahlspeicher in einem Berliner Wohnquartier soll für Lastflexibilität im Verteilnetz sorgen und die Wärmeversorgung der Gebäude gewährleisten. Eine Lösung, die vor allem im Vergleich zu Batteriespeichern für deutliche Kostenvorteile sorgen kann, denn der Stahl bleibe über die Lebenszeit des Speichers hinaus erhalten, betont Cosima Osang, Pressesprecherin von Windnode und ergänzt: So seien 40 Prozent der anfänglichen Investitionskosten am Ende des Speicherlebens noch in Form des Materials vorhanden. Eine weitere Lösung, die Windnode entstammt, ist bereits erfolgreich in den Markt eingetreten. Das Start-up Solandeo bietet bereits erfolgreich ortsscharfe und minutengenaue Erzeugungsprognosen für Erneuerbaren-Anlagen an, was die Kosten für Ausgleichsenergie für Stromerzeuger bzw. -händler deutlich minimiert.
Es wird dennoch teuer
So sind sich die fünf Vertreter der Sinteg-Schaufenster einig: Die Energiewende gibt es nicht zum Null Tarif, aber sie kann durch intelligente Lösungen kosteneffizient gestaltet werden. Und hierfür sind die Modellregionen auf dem besten Weg. (ls)
