Noch nie gab es laut den Evm ein größeres Interesse an ihrem Zukunftsforum: Mehr als 600 kommunale Vertreter aus dem Evm-Versorgungsgebiet zwischen Westerwald und Eifel haben an der Veranstaltung teilgenommen.
"Gehen Sie strategisch an das Thema heran", lautete am Ende die Empfehlung der Gründerin des Smart-City-Instituts Chirine Etezadzadeh. Die Professorin beschäftigt sich seit zehn Jahren damit, wie Städte und Gemeinden smart werden können. "Smart" – damit meint die Expertin eine nachhaltige Stadt, die ein gutes Zusammenleben ihrer Bewohner fördert und die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt, ohne sich dabei den Innovationen bestimmter Firmen auszuliefern. In vielen Fragen der Daseinsvorsorge können Smart-City-Lösungen einen echten Nutzen für die Allgemeinheit entfalten, wie die Institutsgründerin betonte. Als Beispiele nannte sie die Ver- und Entsorgung, ein effektives Transportsystem, Fragen der Sicherheit sowie die Schonung natürlicher Ressourcen.
Evm födert Kommunen bei Smart-City-Wettbewerb
Genau darum ging es auch dem Vorstandsvorsitzenden der Evm, Josef Rönz: "Gefragt sind sinnvolle Lösungen. Es gibt hierzu in der Region schon eine Vielzahl von Ideen." Als Beispiel nannte Rönz die geplante 24-Stunden-Servicestation, die die kleine Gemeinde Wassenach einführen möchte. Mit dieser Idee hatte sich der Ort beim Smart-City-Wettbewerb der Evm beworben, den ersten Preis gewonnen und sich damit 15.000 Euro Fördergeld gesichert.
Die neuen digitalen Möglichkeiten machen es der Evm-Gruppe nach Auskunft von Rönz auch leicht, die Energienetze intelligent zu steuern und die Netzstabilität zu gewährleisten. In Richtung der kommunalen Vertreter sagte Rönz: "Wir verstehen uns hier als Umsetzungspartner und entwickeln gerne mit Ihnen maßgeschneiderte Smart-City-Strategien." Ganz zu Beginn des Zukunftsforums hatten zudem drei erfolgreiche Teilnehmer des Wettbewerbs "Jugend forscht" ihre Arbeiten zu CO2-Messung, biologischem Porzellan und einem Sprachassistenten vorgestellt.
Der Koblenzer Oberbürgermeister David Langner möchte die Hilfe der Evm in Anspruch nehmen und erklärte in seinem Grußwort: "Smart City bietet uns riesige Möglichkeiten. In Koblenz wollen wir zum Beispiel das Thema Mobilität ganz anders angehen und den Verkehr besser steuern." Als Empfehlung gab Chirine Etezadzadeh allen Teilnehmern mit auf den Weg, sich genau zu überlegen, wie smart man als Kommune werden möchte: "Wir brauchen eine Vorstellung davon, wie wir in Zukunft leben wollen."
Energieversorger als zentraler Partner
Den Bürgermeistern und Kommunalverwaltungen kommt dabei eine bedeutende Rolle zu, wie die Wissenschaftlerin ausführte. Nach ihrer Überzeugung sind sie es, die die erforderliche Vernetzung der Akteure herstellen müssen. Ein zentraler Partner müssten dabei die Energieversorger sein: "Smart-City-Konzepte funktionieren nicht ohne Energieversorger." Ihre These: "Energieversorger und Stadtwerke realisieren die urbane Energiewende." Und Chirine Etezadzadeh ging sogar noch einen Schritt weiter: "Stadtwerke und Energieversorger fungieren als City-Manager und bilden das dezentrale Gegenmodell zur Versorgung durch transatlantische Technologiekonzerne."
Menschen begeistern für die Smart City
Nach dem Impulsvortrag war es an den Teilnehmern der Podiumsdiskussion, das Thema auf die örtliche Ebene herunterzubrechen. Moderator Christian Schröder konnte dazu unter anderem den Coburger Oberbürgermeister Norbert Tessmer begrüßen, der mit seiner Stadt bereits diverse Auszeichnungen erhalten hat und die als eine der vier digitalsten Städte Deutschlands gilt. "Wir müssen die Leute begeistern", sagte Tessmer und warb für Lösungen, die einen echten Nutzen für die Bürger darstellen – wie etwa schnellerer Bürgerservice oder eine digitale Wohnungsvergabe. Stefan Kapferer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), nannte als weiteres Beispiel die Lokalisierung von Betten in einem Krankenhaus mithilfe digitaler Möglichkeiten. Auch Kapferer sieht in den Energieversorgungsunternehmen ganz zentrale Gestalter von Smart-City-Konzepten. (sg)
