Herr Heuell, wie erleichtert sind Sie, dass es mit der Zertifizierung nun geklappt hat?
Wir freuen uns natürlich, dass wir mit der Zertifizierung unseres Gateways CASA den Startschuss für den Smart Meter Rollout geben können. Die Anstrengungen der vergangenen Jahre haben sich gelohnt – wobei die Arbeit natürlich weiter geht. Wir möchten unsere Kunden jetzt dabei unterstützen, den Rollout des iMsys gesetzeskonform und effizient umzusetzen.
Was waren die größten Hindernisse, weshalb sich die Zertifizierung nun nochmals ein Stückchen nach hinten verschoben hat?
Der Zertifizierungsprozess ist insgesamt sehr aufwändig. Wir haben in dieser Zeit über 1.000 Seiten Dokumentation erstellt, haben Workshops durchgeführt und von TÜV IT, unserem Evaluator, eine zweistellige Anzahl an sogenannten Observation Reports erhalten. Der Evaluator ist ja auch derjenige, der das Gerät gegenüber dem BSI „verteidigt“. Wir tun das nicht selbst. Diese Schnittstelle zwischen Hersteller und BSI verursachte gewisse Verzögerungen. Und dann kamen ja noch die sehr detaillierten Anforderungen an eine sichere Lieferkette hinzu.
Was macht Ihr Gateway besonders?
Wir haben ein besonders leistungsstarkes Gateway entwickelt, mit einer hohen Verarbeitungsgeschwindigkeit. Unsere Kunden legen daher mit CASA heute eine starke Grundlage für verschiedenste zukünftige Anwendungen. Unser Mehrwert-Modulansatz des Gateways unterstützt diese Ausrichtung: Das Gerät lässt sich zukünftig für verschiedene Bedürfnisse des Marktes aufrüsten. Energieversoger können auf diese Weise neue Produkte entwickeln und entscheidende Wettbewerbsvorteile generieren.
Eine weitere Besonderheit: Wir haben unser Gateway im Kontext unseres gesamten Zählerportfolios entwickelt. Das bietet uns die Möglichkeit, heute intelligente Messsysteme sowohl für den Haushalt, für RLM-Kunden als auch für Arealnetzbetreiber anzubieten. Wir sind der einzige Hersteller, der ein solch breites Rollout-Portfolio hat. Des Weiteren haben wir auch eine Steuerbox in unser Portfolio aufgenommen, um für diese zukünftigen Anwendungsfälle gerüstet zu sein.
Entscheidend für den Rollout sind vor allem eine schnelle Produktion und Lieferung. Indem wir CASA vollständig an unserem Unternehmenssitz in Gallin herstellen sind wir mit der Auslieferung besonders schnell und flexibel.
Stichwort Sichere Lieferkette: Sie bieten ja hier einen Transport per Tüte. Wie kamen Sie auf diese Idee und was ist an dem Konzept besser als mit der Box?
Wir wollten unseren Kunden eine Lösung anbieten, die jedes einzelne Gateway schützt. Unsere Silke sollte durchgängig sein – von der Produktion bis zur Montage. Das ist nur mit einer Umverpackung der einzelnen Gateways möglich. Daher nutzen wir den Safebag. Wir setzen beim Safebag auf bewährte Standards, wie sie bei Geldtransportern zum Einsatz kommen. Wird der Safebag aufgerissen verändert sich das Muster am Verschluss. Jeder Safebag ist zudem mit einem CC-zertifizierten NFC-Chip versehen, über den Gateway und Bag eindeutig identifiziert werden. Durch diese eineindeutige Zuordnung von Gateway und Erstumverpackung ist der Schutz vor dem manipulativen Austausch von Gateway und Umverpackung gewährleistet.
Wann erhalten die ersten Kunden Ihre zertifizierten Gateways?
Sehr zeitnah. Mit der Zertifizierung stellen wir nun von der Test-PKI (Public Key Infrastructure) auf die Wirk-PKI mit der staatlichen Root (Wurzel) als Vertrauensanker um. Danach geht es los. Unsere Produktion steht für den Rollout bereit.
Vor dem Gateway ist nach dem Gateway. Das BSI hat nun ja explizit gesagt, eine Generation G2 wird es nicht geben, sondern »nur« Software-Updates. Wie kann man sich das vorstellen? Wie weit sind Sie als Hersteller?
Die Weiterentwicklung der Gateways mit Softwarupdates ist sinnvoll. Für viele Anwendungen braucht es ja kein neues Gerät. Beispielsweise TAF 10, also die Erfassung von Netzzustandsdaten, können wir über ein Softwareupdate aufspielen. Auch weitere Anwendungsfälle für das Smart-Home und Smart-Living lassen sich auf diese Weise abdecken und stehen dann dem Markt schneller zur Verfügung. Als ersten Schritt werden wir jetzt schnell die Tarifanwendungsfälle 9 („Abruf der Ist-Einspeisung einer Erzeugungsanlage“), 10 und 14 („hochfrequente Messwertbereitstellung für Mehrwertdienste”) im Gateway umsetzen, damit unsere Kunden bald von Mehrwerten im Rollout profitieren.
Die Fragen stellte Stephanie Gust



