Frank Zeeb ist seit 28 Jahren in der deutschen Energiewirtschaft tätig und war für alle Wertschöpfungsstufen der Branche zuständig.

Frank Zeeb ist seit 28 Jahren in der deutschen Energiewirtschaft tätig und war für alle Wertschöpfungsstufen der Branche zuständig.

Bild: © Alliander AG

Der Präsident der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) Andreas Gegenfurter behauptete unlängst in einem Interview, dass ein 450-MHz-Funknetz, das an die Energiewirtschaft gehe, nicht wirtschaftlich sei?
Frank Zeeb, CEO Alliander AG: Diese Aussage ist sachlich nicht korrekt. Für den geplanten Aufbau eines nationalen LTE450MHz-Funknetzes mit 1600 Standorten durch unsere Tochterfirma 450connect in Partnerschaft mit deutschen Energieversorgern sind Investitionen von insgesamt bis zu 300 Millionen erforderlich. Die Versorger-Allianz 450 rechnet mit Investitionen in ähnlicher Höhe. Angesichts der Millionen von benötigen Funkanschlüsse für die Umsetzung von Energiewende und Digitalisierung der kritischen Infrastrukturen in Deutschland gilt dies als eine besonders günstige Lösung. 

Bereits das BDBOS TETRA Funknetz hat laut Medienberichten bis zu zehn Milliarden Euro gekostet. Die Energiewirtschaft hat spezifische Anforderungen die technisch, zeitlich und wirtschaftlich nur mit einem 450MHz Funknetz adressiert werden können. Die Energiewirtschaft ist außerdem privatwirtschaftlich organisiert und kann daher sicherstellen, dass Aufbau und Betrieb des 450MHz Funknetzes innerhalb des vorgesehenen Zeit- und Kostenrahmens erfolgt. Alliander hat dieses bei dem Aufbau und Betrieb des 450MHz-Funknetzes in den Niederlanden bereits erfolgreich demonstriert.

Es heißt allerdings, die Energiewirtschaft sei sich nicht einig bei der Bewerbung um den besagten Funkfrequenzbereich…

Auch diese Aussage ist nicht korrekt. Die Energiewirtschaft ist sich absolut einig in Bedarf und Anforderungen.  Das beweisen alle Stellungnahmen der Energiewirtschaft, die gemeinsam von den Verbänden und unter Mitarbeit der Versorger-Allianz 450, 450connect sowie seinen Partnern und Kunden erstellt worden sind. Als langjähriges Mitglied im BDEW und VKU stehen wir im ständigen Austausch mit anderen Unternehmen der deutschen Energiewirtschaft und können bestätigen, dass Einigkeit über die zukünftige Nutzung der 450MHz Frequenzen herrscht. Alle respektieren den von der BNetzA vorgesehenen Prozess der Auswahl des Betreibers des nationalen 450MHz Funknetzes für Anwendungen der Energiewirtschaft und anderer kritischer Infrastrukturen in einem transparenten und diskriminierungsfreien Vergabeverfahren.

Allerdings haben Sie mit der Versorger Allianz 450 einen Konkurrenten als Mitbieter für die Frequenzen. Wer macht hier das Rennen?
Zum jetzigen Zeitpunkt geht es nicht um den Betreiber. Wesentlich für die Energiewirtschaft ist jetzt, dass die Politik eine Entscheidung trifft, damit die BNetzA endlich mit dem seit Jahren aufgehaltenen Vergabeverfahren beginnen kann. Die Betreiberauswahl erfolgt im Verfahren der BNetzA aufgrund sachlicher Kriterien und die Energiewirtschaft sieht einen möglichen Wettbewerb um das beste Betreibermodell positiv.
 

Was spricht aus Ihrer Sicht für eine Vergabe an die Energiewirtschaft?
Die eindeutige Faktenlage: Die Energiewirtschaft hat einen dringenden Bedarf zur erfolgreichen Umsetzung der Energiewende, insbesondere im ländlichen Raum und zur Erfüllung des gesetzlichen Smart Meter Gateway Rollouts. Nur ein 450MHz Funknetz stellt hohe Leistungsfähigkeit, zügige Realisierung und wirtschaftliche vertretbare Kosten sicher. Unternehmen und Verbände der Energiewirtschaft sowie Experten sprechen sich seit Jahren für diese Nutzung aus.
Wir als Alliander haben nicht nur Erfahrung im erfolgreichen Aufbau von 450MHz-Funknetzen in den Niederlanden, sondern haben das Netz auch mit deutschen Energieversorgern in den letzten Jahren umfassend getestet. Der regionale Ausbau von deutschen 450MHz-Funknetzen befindet sich mittlerweile im Aufbau, erste Netze sind erfolgreich im Wirkbetrieb.
In der öffentlichen Diskussion um 450MHz wird leider oftmals nicht berücksichtigt, dass die BDBOS bereits über zwei Lösungen verfügt. Einerseits das mit Milliardenaufwand realisierte flächendeckende und hochverfügbare TETRA Funknetz und andererseits die Ende 2017 zusätzlich bereitgestellten 2x8MHz im für die von BOS benötigten Breitbandanwendungen technisch und wirtschaftlich viel besser geeigneten 700MHz Frequenzband. Für die Energiewirtschaft als ebenfalls für die Sicherheit der deutschen Bevölkerung ganz wesentlicher Infrastruktur gibt es hingegen keine Lösung. Daher ist für die BNetzA und andere Experten angesichts ein zusätzlicher Bedarf der BDBOS an den 450MHz Frequenzen nicht nachvollziehbar. 
 
Welche Erfahrungen hat 450connect bisher beim Aufbau eines 450 MHz-Netzes? Welche Versorger sind hier beteiligt?
Als international agierendes Unternehmen betreibt Alliander seit mehreren Jahren erfolgreich ein 450MHz-Funknetz, etwa in den Niederlanden mit inzwischen über zwei Millionen angeschlossenen Endgeräten. In Deutschland verfügen wir mit 450connect über umfangreiche Erfahrungen in der Planung, im Aufbau und im Betrieb von regionalen 450MHz-Funknetzen, die nachweisen, dass die Anforderungen der Energiewirtschaft erfüllt werden und dass die Planungsannahmen zutreffen. Das Team von 450connect hat ferner erfolgreich die 450MHz-Funknetze der Energie AG Oberösterreich und der Energie Steiermark AG mit zusammen fast 100 Standorten und mehreren Tausend angebundenen Trafostationen aufgebaut und in Betrieb genommen.
 
450connect realisiert mit der diskriminierungsfrei zugänglichen „450MHz-Funknetzplattform“ die Lösung für die Branche, und zwar in enger Kooperation mit der Branche. Trotz der bestehenden Unsicherheit hinsichtlich der Frequenznutzung nach 2020 sind bereits 20 Prozent der Fläche von Deutschland mit regionalen Energieversorgern als Partnern im Ausbau. Hierzu zählen bis dato. die EWE Netz, Westfalen Weser Netz, Thüringer Energienetze, Entega, Regionetz, Netzgesellschaft Düsseldorf, Wemag, Harz Energie Netzgesellschaft und EnergieNetz Mitte.







Rechnen Sie damit, dass die Energiewirtschaft die Frequenz zugesprochen bekommt? Und wenn nicht, was hätte das für Auswirkungen für die Branche?
Bei Betrachtung der Fakten sprechen alle sachlichen Argumente für die seitens der unabhängigen Fachbehörde BNetzA vorgesehene Nutzung für Anwendungen der Energiewirtschaft und weiterer kritischer Infrastrukturen.  Insofern rechnen die Energiewirtschaft und alle Experten fest mit der sachlich einzig begründbaren Entscheidung, der BNetzA den Start des vorgesehenen Vergabeverfahrens kurzfristig zu ermöglichen und mit dieser Entscheidung die in Bezug auf die 450MHz Frequenzen sachlich nicht nachvollziehbaren Ansprüche von BDBOS zurückzuweisen.
Sollte das Verfahren nicht zügig vorangetrieben werden, wird dieses infolge fehlender verfügbarer und sicherer Kommunikation in der Fläche ganz erhebliche negative Auswirkungen auf die Energiewende, die Erreichung nationaler Klimaziele und die Digitalisierung der kritischen Infrastrukturen in Deutschland haben:  Ein Flickenteppich an technisch wenig geeigneten Lösungen, zu massiv höheren Kosten und ein weiterer erheblicher Zeitverzug in der Umsetzung – dieses kann sich Deutschland als Vorreiter der Energiewende und von Innovationen abhängiger Industriestandort nicht leisten.

Die Fragen stellte Stephanie Gust

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