Thomas König lobte die jahrzehntelange enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Stadtwerken und Kommunen „auf Augenhöhe“. Nun gelte es diese noch weiter auszubauen und „gemeinsam zu wachsen“ und Zukunft zu gestalten. Um die Vielfalt der Zusammenarbeit mit Stadtwerken zu illustrieren verweis König auf etliche konkrete Beispiele.
So gibt es bei Avacon in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt eine Ausbildungskooperation. Das Eon-Tochterunternehmen bildet mehr als 150 Auszubildende für Stadtwerke und Industrieunternehmen aus. „Damit lassen wir andere von unserem Wissen partizipieren“, so König. So sei geplant das neue Smart-Grid-Ausbildungscenter von Edis in Brandenburg perspektivisch auch für Stadtwerke zu öffnen, wo sich Mitarbeiter an modernster Netztechnik üben könnten.
Gemeinsame Netzleitwarte, Einkaufskooperationen und Breitband-Geschäft
Im Saarland betreibt Eon bei der VSE eine gemeinsame Netzleitwarte und Einkaufskooperationen, um Einkaufsvorteile gemeinsam zu nutzen. Kooperationen gibt es auch bei schnellen Kommunikationsnetzen. So baut Edis in Brandenburg das Breitband aus und den Vertrieb der Produkte machen die Stadtwerke Schwedt.
„Da ergänzen sich unsere Stärken als Infrastrukturbetreiber mit der Kundennähe der Stadtwerke und das ist eine sehr fruchtbare Kooperation, die allen sehr viel Spaß macht“, sagte König.
Know-how teilen – auf Augenhöhe
Ist Eon eher ein Konkurrent oder Partner für die anstehenden Herausforderungen? „Im Netzgeschäft stehen wir nicht im Wettbewerb“, sagte Thomas Volk. Mit der Eon-Tochter Hansewerk gebe es eine sehr intensive Kooperation auf technischer Ebene, aber auch mit Stadtwerken. Weil jedoch die Anforderungen für an die Verteilnetze, nicht nur beim Strom, sondern auch beim Gas und Wärme, exponentiell stiegen, „müssen wir mehr Innovation leisten“, unterstrich Volk.
Dazu sei jedoch nicht jede alleine in der Lage, deshalb müsse das Know-how geteilt und verknüpft, sprich zusammengearbeitet werden. Voraussetzung sei jedoch, dass die Kooperation auf Augenhöhe stattfinde.
Musterbeispiel für notwendige Kooperation: Redispatch 2.0
Als „das beste Beispiel wo Kooperationen zwingend notwendig sind“, sieht Volk die Erfüllung der künftigen Anforderungen des Redispatch 2.0., beispielsweise bei der Führung der Bilanzkreise. Auch kleine Stadtwerke müssten sich damit beschäftigen, denn die neuen Regelungen des Redispatches griffen ja bis in die Niederspannung auf Hausanschluss- und Prosumerebene.
Es gelte bei den neuen Vorgaben des Redispatch 2.0 eine ganze Reihe von Fragen zu klären, wie Prognosemodelle für den Netzstand und Lasten, Datenformate oder Informationskaskaden, unterstrich König. Viele Themen würden schon in dem bundesweiten Projekt Connect+ unter Mitwirkung vieler Verteilnetzbetreiber behandelt. Nun biete Eon auch Webinare an, um mit anderen Netzbetreibern gemeinsame Antworten auf die neuen Anforderungen zu erarbeiten.
Investititionshürden bei der Anreizregulierung abbauen
Einig waren sich Volk und König darin, dass der regulatorische Rahmen für zukunftsfähige Verteilnetze noch nicht passt, sei es der EZ Zins, der X-Gen oder die einseitige Förderung von Capex. „Ich halte die jetzige Berechnungsmethode des EK Zinses nicht für investitionsförderlich“, hier bedürfe es dringend Anpassungen.
Auch der X-Gen sollte endlich wegfallen. Den Produktivitätsfortschritt habe die Branche ja bereits in den vergangenen drei Regulierungsperioden bereits erfolgreich abgearbeitet, nun gelte es nicht mehr „nur Kosten zu kloppen und Personal freizusetzen“, sondern „Personal einzustellen und Wachstum voranzutreiben“, so König.
Mehr Opex für intelligente Netze fördern
Schließlich gelte es Investoren, die in Netze investierten auch die Chance zu geben eine Verzinsung zu erhalten, ergänzte Volk. Gefragt sei auch mehr Fairness im europäischen Vergleich bei der Anreizregulierung, betonte König. Nötig sei ein europäischer Quervergleich der erlaubten Renditen, hierbei stehe Deutschland ziemlich weit hinten.
Es gelte auch endlich nicht nur Investitionen in Assets, sprich hauptsächlich Kabel und „Heavy Metall“ über die Anreizregulierung zu fördern, sondern auch den Aufwand für intelligentere Netze, außerhalb der Bilanz und der Vermögensgegenstände, forderten König und Volk. (hcn)



