Im Januar 2019 wurde das erste Barometer zur Digitalisierung der Energiewende für das Berichtsjahr 2018 veröffentlicht. Im nun vorliegenden zweiten Barometer werden die Fortschritte bei der Umsetzung des „Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende“ (GDEW) beschrieben. Erstmals wird damit auch ein Vergleich des Fortschritts möglich.
Die Gutachter attestieren Branche und Behörden erhebliche Anstrengungen und Fortschritte im vergangenen Jahr. So steht im Ergebnis ein Gesamt-Barometerwert von 36 von 100 Punkten und damit 14 Punkten mehr als im Vorjahr.
Was besser geworden ist:
Die Verbesserung geht maßgeblich auf die inzwischen erfolgten Gerätezertifizierungen und die Markterklärung zurück. Aber auch der reibungslose Rollout der modernen Messeinrichtungen, eine gesicherte Geräteversorgung und mehr Transparenz und Planungssicherheit beim regulatorischen Fahrplan tragen zu diesem Ergebnis bei.
Abstimmung der Akteure
Lobend erwähnt wurde auch der Standardisierungsprozess, der an Kontur gewinne. Hervorzuheben seien dabei vor allem die koordinierenden und steuernden Anstrengungen des Bundeswirtschaftsministeriums und die enge Abstimmung unter den unterschiedlichen Behörden wie Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Bundesnetzagentur (BNetzA), Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) und des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit.
Skepsis gegenüber der Zeitpläne
So gebe es für die fachliche Ausarbeitung der Roadmap klare Zeitvorgaben. Hinzu kommen die themenspezifischen BSI-Task-Forces, die das Know-how und die Erfahrung eines breiten Expertenkreises nutzen. Weiter heißt es, die Rückmeldungen der beteiligten Akteure seien überwiegend positiv, wenngleich Skepsis hinsichtlich der Zeitpläne bestehe.
Mako2020 umgesetzt
Die Branche habe die Festlegung der Bundesnetzagentur (BNetzA) zur „Marktkommunikation 2020“ umgesetzt. Hier bestehe nun mehr Planungssicherheit für die Unternehmen auf dem Weg zur vollständigen Umsetzung der sternförmigen Datenkommunikation.
Was noch nicht so gut läuft:
Kritisiert wird, dass das BSI zunächst EEG- und KWKG-Anlagen vom Pflichteinbau ausgeschlossen habe. Als wichtige Aufgabe für das laufende Jahr wird die Fortschreibung des Rechtsrahmens zur netzorientierten Steuerung flexibler Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG genannt.
450 MHz erfolgskritisch
Auch gilt die Entscheidung zur Nutzung der 450-MHz-Frequenzen für die Digitalisierung der Energiewirtschaft als kritischer Erfolgsfaktor. Schließlich müssten die Endkunden noch stärker informiert und eingebunden werden.
Als wichtigste künftige Herausforderung auf der Angebotsseite nennt der Bericht die absehbar auf Jahre noch geringen Mengengerüste im Rollout: Die fehlende Skalierung erschwere die Entwicklung profitabler Geschäftsmodelle.
Bündelangebote als profitables Geschäftsmodell
Dies gelte prinzipiell für alle Mehrwertdienste auf der Basis der SMGW-Plattform – mit einer Ausnahme: Bündelangebote für den Messstellenbetrieb für Liegenschaften im Falle der Mehrspartenmessung, die schon von 2021 an möglich sei. Hier könne man mit entsprechenden Angeboten und auch Wettbewerb um die Liegenschaftskunden und Wohnungsgesellschaften rechnen.
Die Einbindung der Letztverbraucher bleibe hier weiterhin eine Herausforderung: Vergleiche man die Ergebnisse der Befragung von Haushalten und Gewerbe im ersten Barometer mit der jetzt vorliegenden, so haben sich im Berichtsjahr die Indikatoren zu Bekanntheit und Akzeptanz in Bezug auf die Digitalisierung der Energiewende insgesamt nur marginal verändert, heißt es weiter.
Empfehlungen
Es wird empfohlen, auch unterhalb der Schwelle zu einer Gesetzesänderung zu prüfen, wie der Rollout durch die Messstellenbetreiber (MSB) beschleunigt werden könne. Grundsätzlich sei hier einerseits an zusätzliche Anreize für einen schnelleren Rollout durch die MSB und andererseits auch an Maßnahmen zur Förderung des Wettbewerbs unter ihnen zu denken.
Zudem rät das Barometer dazu, das jetzt entstandene Momentum zu nutzen: "Dieses muss im laufenden Jahr genutzt werden, um maßgebliche Fortschritte auf gesetzlicher und regulatorischer Ebene und bei der Umsetzung zu erzielen." Das komplette Barometer finden Sie hier (externer Link). (sg)
