Nicht nur zwischen Menschen ist sie zwingend notwendig für erfolgreiche Kommunikation: die gemeinsame Sprache. Gerade jetzt, da bei der Haustechnik die Digitalisierung einzieht und Begriffe wie Smart Home und Smart Building in aller Munde sind, braucht der Markt Standards. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Geräte nicht kompatibel sind. Die Interoperabilität kann so nicht erreicht werden, der Traum vom smarten Zuhause platzt jämmerlich.
Zertifizierungsvereine und Hersteller stehen also alle vor der gleichen Herausforderung, nämlich die Interoperabilität zu gewährleisten. Dafür präsentieren sie auf dem VDE Tec Summit in Berlin unterschiedliche Ansätze und Lösungen.
SPINE, die gemeinsame Sprache
Josef Baumeister, Geschäftsführer der EEBus-Initiative, will Haustechnik und Energiewirtschaft mit der richtigen Sprache zusammenbringen. Für die sogenannte "weiße Ware", also Haushaltsgeräte wie Kühlschränke und Co., hat EEBus mit den Herstellern Use-Cases identifiziert, die interoperabel werden sollen.
Diese werden durch eine gemeinsame Sprache, SPINE, beschrieben. SPINE steht für Smart Premises Interoperable Neutral-Message Exchange und soll in Form von Datensätzen Szenarien darstellen, die sich auf unterschiedlichsten technologischen Plattformen, Kommunikations- und Übertragungswegen austauschen lassen – von WLAN oder Thread bis zum KNX – einem Feldbus zur Gebäudeautomation. Das Smart Grid Architecture Model verdeutlicht, dass Smart Home ein Zusammenspiel aus verschiedenen übereinander liegenden Ebenen, "Layers", ist. SPINE befindet sich im "Informational layer" und kann hier den Austausch zwischen den Geräten herbeiführen.
Von der Sprache zum Universalwörterbuch
2016 wurde SPINE erstmals in Geräten implementiert, in diesem Jahr wurde ein Pilotprojekt mit 240 Häusern in Utrecht gestartet, welches EEBus gemeinsam mit dem Unternehmen Renovate umsetzte. Nun soll es jedoch einen Schritt weitergehen: Auch Geräte, die "unterschiedliche Sprachen" sprechen, sollen sich verständigen können: Mit Hilfe einer Ontologie, also eines Wörterbuches, soll eine Verständigung auch über mehrere Gerätesprachen hinweg möglich werden.
Dafür steht nun ein europaweites Pilotprojekt an: In sieben EU-Ländern sollen die Piloten in Mehrfamilienhäusern eingesetzt werden. Ein Partner sollen die Stadtwerke Norderstedt sein.
KNX muss aufholen
Markus Fromm-Wittenberg, Leiter strategische Allianzen vom Hersteller Gira Giersiepen, gesteht: "Wir als Gira haben das Thema ein paar Jahre vernachlässigt. Da ist man manchmal als Verein träge. Das müssen wir jetzt anpacken."
Anpacken will Gira vor allem den KNX-Standard, einen Feldbus zur Gebäudeautomation, den es seit 28 Jahren gibt und der internationale Bedeutung hat. Über 7000 KNX-zertifizierte Produkte gebe es weltweit. Um dem Endkunden die Inbetriebnahme und Projektierung von Geräten zu erleichtern, gibt es den sogenannten "easy mode", der das unkomplizierte Koppeln ermöglicht. In Zukunft sollen auch IP-Lösungen eine größere Rolle spielen. Was Fromm-Wittenberg mit Bauchschmerzen betrachtet, ist die Sicherheit bei solchen Lösungen: "Häufig bekommen wir den Vorwurf: Der KNX ist ja nicht sicher – Das war vor 28 Jahren aber auch noch kein Thema", versucht er sich mit einer Erklärung.
Sprachsteuerung als Sicherheitslücke?
Ist die Sprachsteuerung von intelligenter Haustechnik über Amazons "Alexa" oder Googles "Google Home" tatsächlich ohne gravierende Lecks in puncto Datenschutz möglich? Das Unternehmen Digital Strom, das die Verständigung und Verknüpfung mit Hilfe von intelligenten Lüsterklemmen gewährleisten will, vertraut darauf, dass "der Kunde das will", und stattet die Lüsterklemmen mit Chips aus, die nicht nur die bisher gängige Verbindung über Powerlink zur Verknüpfung von Geräten möglich machen, sondern zukünftig auch eine Kommunikation über Breitband oder Wireless-Verbindungen zulässt.
Bisher wird hier jedoch der große Sprung in Richtung Digitalisierung hinausgezögert: "Warum wir immer noch Powerlink benutzen? Es ist überall verfügbar, hat eine gute Ausfallquote, bietet eine günstige Infrastruktur und ist erweiterbar", erklärt Volker Deckers, CTO des Unternehmens.
Platz für Weiterentwicklungen
Doch man lässt im System Platz für Entwicklungen: "An einigen Stellen haben wir offene APIs" (Schnittstelle zur Anwendungsprogrammierung, Anm. d. Red.), erläutert Deckers. Zudem sei ein Server fester Bestandteil der Haustechnik. "Wenn der Kunde es will, kann er sein Haus in die Cloud erweitern und mit Alexa oder Google Home über Sprachsteuerung steuern. Für den Kunden soll es so einfach wie möglich sein, neue Geräte zu onboarden."
Eine Möglichkeit, die Sicherheitsproblematik zu umschiffen, hat das Unternehmen Power Plus Communications (PPC) gefunden. Kern des Angebotes ist ein Smart Meter Gateway (SMGW), nach Vorstand Eugen Meyer also eine "sichere, zentrale Kommunikationseinheit für ein intelligentes Gebäude". Das SMGW ist unten in einem Wohngebäude angebracht, an welchen alle Energiezähler angeschlossen werden und über den auch die Heizkostenabrechnung oder eine intelligente Steuerung der Rauchmelder erfolgen kann. Jeglicher Datenaustausch erfolgt über zwei TLS-Verbindungen. Insbesondere auf die Geräte im Gebäude oder in der Wohnung kann nur über diesen TLS-Proxy zugegriffen werden, was den Nutzern laut Anbieter maximale Sicherheit bietet. (hol)


