Rund jedes zweite Unternehmen in Deutschland befindet sich im Blindflug, wenn es um die Erfolgsmessung der digitalen Transformation geht. 46 Prozent verzichten nach eigenen Angaben auf einen speziellen Kennzahlenkatalog, um Digitalisierungsfortschritte zu überprüfen. Einen kontinuierlichen Soll-Ist-Vergleich für das Top-Management stellt nur rund jedes dritte Unternehmen (37 Prozent) auf. Viele Unternehmen können damit nicht eindeutig feststellen, inwieweit Investitionen in die Digitalisierung und neue Arbeits- und Projektmanagementmethoden greifen. Das sind die Ergebnisse der Studie „Potenzialanalyse Operative Effizienz“ von Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut, die 323 Entscheider und Führungskräfte aus den Branchen Finanzdienstleistungen, verarbeitendes Gewerbe, öffentliche Verwaltung und Versorgung sowie Telekommunikation und Medien befragt haben. Der Anteil an der Energie- und Wasserwirtschaft beläuft sich in der Studie auf sieben Prozent
Oberstes Ziel: Mehr Effizienz
Verbesserung der Effizienz ist das erklärte Ziel der meisten Unternehmen mit ihren Digitalisierungsstrategien. Fast zwei von drei Unternehmen in Deutschland (62 Prozent) digitalisieren ihr Geschäft, um effizienter zu arbeiten. Sie setzen dabei besonders auf die Neugestaltung von Prozessen und Automatisierung. Die notwendigen Erfolgskontrollen fehlen allerdings oft. Die Folge: Ohne genaue Prüfkriterien und Instrumente wissen sie beispielsweise nicht, ob Maßnahmen zu Einsparungen, zufriedeneren Kunden oder schnelleren Abläufen führen.
Öffentliche Verwaltung und Energieversorger
Insbesondere in der öffentlichen Verwaltung und bei Energieversorgern ist exaktes Nachmessen mithilfe von speziellen Digitalisierungskennzahlen noch Neuland. 41 Prozent der Behörden und Versorgungsunternehmen setzen auf das Vereinbaren von Digitalisierungszielen mit ihren Teams. Nur jede vierte Behörde/jedes vierte Versorgungsunternehmen (26 Prozent) nutzt Prozesskennzahlen als Gradmesser, 19 Prozent führen einen kontinuierlichen Soll-Ist-Vergleich für das Management durch. Mehr als jeder vierte Entscheider (29 Prozent) gibt an, auf Prozesskennzahlen, Zielvereinbarungen und Transparenz schaffende Projektmanagementtools wie Kanban-Boards zu verzichten.
In der Industrie ist die Mess- und Kontrollbereitschaft dagegen deutlich stärker verbreitet: Drei von vier Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe messen den Fortschritt ihrer Digitalisierungsmaßnahmen mit speziellen Prozesskennzahlen. Sie vergleichen beispielsweise die Kosten für einen Produktionsablauf vor und nach der Digitalisierung, oder sie prüfen die Zeitersparnis und die Verbesserung der Servicequalität. In jedem zweiten Unternehmen (48 Prozent) erhält das Top-Management regelmäßig einen Soll-Ist-Vergleich, um Fortschritte und Erfolge zu bewerten.
Weitere Ergebnisse aus der Branche
So hat das Mitarbeiterwohl in der öffentlichen Verwaltung und bei Energieversorgern mit 65 Prozent den höchsten Stellenwert bei der Steigerung der der operativen Effizien gegenüber den anderen Bereichen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass mitarbeiterbezogene Maßnahmen dort im Mittelpunkt stehen. Als größte Herausforderung bezüglich der Effizienz sieht der Sektor den Fachkräftemangel mit 58 Prozent, dicht gefolgt von gesetzlichen Vorgaben mit 57 Prozent, an dritter Stelle stehen mit 51 Prozent fehlende digitale Fähigkeiten.
Was auch auffällt, Künstliche Intelligenz, Robotic-Process-Automation und Big Data spielen bei Energie- und Wasserversorgern und der öffentlichen Verwaltung im Gegensatz zu Finanzdienstleistern und dem verarbeitenden Gewerbe nur eine marginale Rolle. Dasselbe gilt für agiles Projektmanagement, Qualitätsmanagement und Geschäftsprozessmanagement.
Controlling mit zusätzlichen Kennzahlen wird wichtiger
„Digitalisierung muss sich an nackten Zahlen messen lassen. Mit Blick auf die aktuelle Lage und die kommenden Monate wird es noch wichtiger, dass Unternehmen und Behörden nicht an falscher Stelle investieren“, sagt Jens Rohde, Experte für digitales Prozessmanagement bei Sopra Steria Next.
Instrumente zur Steuerung von Digitalinvestitionen gebe es viele. Jedes vierte Unternehmen führt Sopra Steriy Next zufolge beispielsweise unterschiedliche Daten in speziellen Dashboards zusammen. Diese nutzen den Unternehmen allerdings nur dann, wenn sie ihre etablierten Kennzahlensysteme erweitern. Durchlaufzeiten, auf Echtdaten basierende Ursachenanalysen und erzielter Automatisierungsgrad machen den Nutzen neuer Technologien und den Erfolg der Digitalisierungsmaßnahmen auch im Kleinen transparent. Weitere wichtige Stellgrößen sind Personalkennzahlen, beispielsweise dazu, welche digitalen Kompetenzen in einzelnen Teams aufgebaut wurden. „Transparenz erhöht die Akzeptanz der Maßnahmen und erleichtert Verhandlungen um die Budgetfreigabe für neue digitale Vorhaben erheblich“, so Jens Rohde von Sopra Steria Next. Die Studie finden Sie hier (externer Link). (sg)
