Gaspreise auf 4-Monats-Hoch

Bereits Ende letzten Jahres war klar, dass ein kalter Januar die Füllstände der Gasspeicher deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt entleeren könnte. Damals kümmerte es den Handel wenig. Man vertraute auf gute LNG-Prognosen und die Gaspreise pendelten phasenweise deutlich unter der 30-Euro-Marke.

Im Januar wird der Markt nun von der Realität eingeholt und die zunehmende Sorge schiebt die Spotpreise an den Gasmärkten in dieser Woche auf den höchsten Stand seit vier Monaten.

Spotpreise 40 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat

Derzeit stufen die Händler dies eher als ein kurzfristiges Thema ein, die Terminkontrakte reagieren nur deutlich abgeschwächt auf die Ereignisse am Prompt. Die Preisdifferenz zwischen Spotpreis und Sommer-26-Kontrakt erhöht sich auf knapp 6 Euro je Megawattstunde.

Dennoch notiert der Gaspreis immer noch deutlich unter Vorjahresniveau. Im Januar 2025 pendelten die Spotpreise am THE zwischen 46 und 53 Euro je Megawattstunde und damit im Durchschnitt rund 40 Prozent höher als in der aktuellen Woche.

Füllstand in Deutschland auf Rekordtief

Im Fokus der Marktteilnehmer liegen die vor allem in Deutschland seit Beginn des Jahres spürbar entleerten Gasspeicher. Der aggregierte Füllstand dezimierte sich seitdem um rund 12 Prozentpunkte auf zuletzt 44 Prozent.

Dies ist der niedrigste Füllstand der deutschen Gasspeicher zu diesem Zeitpunkt im Jahr seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011 durch Gas Infrastructure Europe (GIE AGSI).

Nur im Krisenjahr 2022 lag der Füllstand mit 46 Prozent auf annähernd ähnlichem Niveau. Mitte Januar 2025 waren die Gasspeicher zu rund 70 Prozent gefüllt. In den Jahren 2024 und 2023 jeweils Mitte Januar lagen die Füllstände sogar bei 83 Prozent beziehungsweise 90 Prozent.

Gasverbrauch steigt um 11 Prozent

Gegenüber Januar 2025 steigt der Gasverbrauch in Europa im laufenden Monat um rund 11 Prozent. Die Temperaturen in Nordwesteuropa haben sich zuletzt erholt, in vielen Regionen Mittel- und Osteuropas ist es weiterhin sehr kalt. Gegen Ende des Monats sollen die Temperaturen erneut wieder deutlich fallen.

Bereits jetzt fehlt den europäischen Gasspeichern insgesamt ein Arbeitsgasvolumen von rund 120 Millionen Kubikmetern gegenüber Januar 2025. Tiefe Temperaturen in den nächsten Wochen könnten das Defizit vergrößern.

Füllstände könnten auf neue Rekordtiefs fallen

Würden sich die Ausspeicherungen in den verbleibenden Winterwochen analog dem letzten Winter fortsetzen, so würde der aggregierte Füllstand der deutschen Gasspeicher rein theoretisch bis zum 31. März auf 2 Prozent sinken.

In der Praxis wäre dies ein maximaler Stresstest für die Gasversorgung und bereits im Laufe des März wären viele einzelne Gasspeicher bereits vollständig entleert. Die Nachfrage müsste vielerorts gekürzt werden, um die Gasversorgung zu stabilisieren.

Der bisher tiefste aggregierte Speicherstand in Deutschland wurde Anfang April 2018 registriert, als der Füllstand auf 14 Prozent gefallen war.

LNG muss Speicherdefizit ausgleichen

Um eine Notlage im Falle weiterhin niedriger Temperaturen zu vermeiden, muss Europa weiterhin viel LNG importieren, um möglichst flexibel auf Nachfragespitzen reagieren zu können.

Die Gaspreise steigen also auch, weil der europäische Markt sich gegenüber dem Konkurrenzmarkt Asien einen Vorteil verschaffen muss, um möglichst wenig LNG-Spotlieferungen nach Asien zu verlieren.

Der jüngste Preissprung am TTF bringt US-amerikanischen LNG-Exporteuren inklusive aller kurzfristigen Kosten hier rund 4 Euro je Megawattstunde mehr ein als ein Transport und Verkauf in Asien (JKM). Die Märkte in Asien werden darauf sicherlich reagieren, was die Preisrallye in Europa weiter anheizen könnte.

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