Der Untergrundspeicher in Wolfersberg in der Nähe von München: Für diesen hat der Betreiber "bayernugs" die Stilllegung zum 1. April 2027 beantragt.

Der Untergrundspeicher in Wolfersberg in der Nähe von München: Für diesen hat der Betreiber "bayernugs" die Stilllegung zum 1. April 2027 beantragt.

Bild: © Bayerngas

Der Freistaat Bayern fordert den Erhalt aller bestehender Gasspeicher und die Einrichtung einer nationalen Gasreserve. "Eine Stilllegung von Gasspeicherstandorten lehnen wir strikt ab", sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) forderte die Bundesregierung zudem auf, eine nationale Gasreserve einzurichten.

Vorschlag: Gasreserve für drei Monate einlagern

Deutschland brauche eine Strategie für eine gesicherte Gasversorgung auch in den nächsten Jahren – für Industrie wie Verbraucher, betonte Aiwanger. Dazu brauche es eine nationale Gasreserve in Deutschland, genauso wie es sie in Österreich gebe. "Mein Vorschlag ist hier, für drei Monate einzulagern." Damit könne verhindert werden, dass es eine Gasmangellage gebe, wenn die Versorgung mit Flüssiggas über LNG-Terminals oder Pipelines nicht mehr wie geplant funktioniere.

Aiwanger forderte die Bundesregierung auf, ab sofort die Gasspeicher wieder aufzufüllen. Derzeit hätten die deutschen Gasspeicher noch eine Füllmenge von rund 20 Prozent. Die auf marktwirtschaftlichen Anreizmechanismen basierende Gasstrategie der Bundesregierung sorge zu oft für überhastete Einkäufe der Gasversorger, bei denen die Allgemeinheit die Mehrkosten zahle. "Auch das wollen wir nicht", sagte Aiwanger. Zwar brauche es marktwirtschaftliche Mechanismen, hier gebe es aber einen gewissen Zielkonflikt.

Trump-Aussagen zu baldigem Kriegsende im Iran lassen Energiepreise sinken

Energiemärkte

Durch den Iran-Krieg und die Sperrung der wichtigen Meerenge "Straße von Hormus", durch die rund 20 Prozent der weltweiten Flüssiggas- und Erdölmengen verschifft werden, sind die Öl- und Gaspreise seit über einer Woche stark gestiegen. Marktexperten gehen davon aus, dass die momentane Verknappung des LNG durch den Wegfall der Lieferung aus den Golfstaaten auch den üblichen Zeitablauf zur künftigen Befüllung der Speicher verzögern und verteuern könnte. Die Volatilität und die Verunsicherung an den Märkten ist hoch.

Analyst: "Den Märkten war der Mangel an Details egal"

US-Präsident Donald Trump versuchte am Montagabend zu beruhigen und stellte ein schnelles Ende des Krieges im Nahen Osten in Aussicht. Beim US-Sender CBS News wurde er mit den Worten zitiert: "Ich denke, der Krieg ist so gut wie beendet." Marktbeobachter sehen in den Trumps Äußerungen eine neue Bereitschaft des Weißen Hauses, öffentlich zu signalisieren, dass Schritte zur Beendigung des Kriegs möglich seien. Allerdings machte der Präsident keine konkreten Angaben. "Den Märkten war der Mangel an Details egal und sie setzten ihre Erholung fort", kommentierten Analysten der Dekabank. Der Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat sank daraufhin am Vormittag auf 48,45 Euro je Megawattstunde (MWh), am Nachmittag stieg er leicht auf über 49 Euro an. Das sind etwa 14 Prozent weniger als am Vortag. Auch der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent gab weiter nach und bewegte sich im Bereich von 93 US-Dollar je Barrel (am Vortag war der Preis zeitweilig auf fast 120 US-Dollar angestiegen).

Gasspeicher dürften nicht zerstört werden

Die Staatsregierung befürchtet nach eigenen Angaben auch langfristige Probleme durch die Stilllegung von Gasspeicherstandorten – etwa, weil sie dann auch nicht mehr für die zukünftige Nutzung als Wasserstoffspeicher zur Verfügung stünden. 

Einige Betreiber von Gasspeichern, darunter etwa das Unternehmen Uniper für den Standort Breitbrunn, haben bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) aus wirtschaftlichen Gründen Stilllegungen beantragt. Auch für die Gasspeicher Bierwang und Wolfersberg (aktueller Füllstand 3,6 Prozent) werde, so Aiwanger, darüber diskutiert, diese aus der Speicherplanung herauszunehmen. Aus Sicht Bayerns brauche es neue, wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle für Speicherbetreiber und marktliche Anreize zur Befüllung, um ausreichend für den erhöhten Bedarf im Winterhalbjahr vorzusorgen.

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