Im Oktober wurde noch eine einzige russische LNG-Ladung an einem europäischen Terminal gelöscht. Anfang 2025 waren es mehr als 20 Lieferungen pro Monat. Russland schickte damals 65 Prozent seiner gesamten LNG-Exporte nach Europa; zuletzt sank der Anteil auf weniger als 5 Prozent.
Bis Mai dieses Jahres kamen meist mehr als 20 Ladungen pro Monat aus Russland nach Europa. Ab Juli brachen die Mengen dann ein. Der Umschlag in EU-Häfen ist seit März 2025 verboten, neue Verträge sind seit März 2026 untersagt. Kurzfristige Vereinbarungen liefen Ende April aus.
Kommerziell entscheidend ist der 1. Januar 2027: Dann enden die Langfristverträge, und maritime Dienstleistungen für russisches LNG werden verboten. Europäische Werften stehen der eisgängigen Arc7-Tankerflotte, auf die Yamal angewiesen ist, dann nicht mehr zur Verfügung. Pipelinegas fließt anschließend nur noch über Turk-Stream – längstens bis zum 30. September 2027.
Yamal-LNG braucht neue Abnehmer
Für das östlichste LNG-Terminal Russlands auf Sachalin im Fernen Osten ändert sich durch das EU-Sanktionspaket nichts. Die Ladungen gehen zumeist auf direktem Weg nach Japan und China. Seit Beginn des Jahres 2025 waren es insgesamt rund 250 Ladungen.
Für das von den USA sanktionierte Terminal Arctic LNG 2 ändert sich ebenfalls wenig. Die Lieferungen konnten seit Beginn der Sanktionen ohnehin nur nach Asien, meist nach China, verschifft werden. Seit Beginn des Jahres 2025 waren es insgesamt weniger als 30 Ladungen.
Für das auf der Jamal-Halbinsel gelegene LNG-Terminal Sabetta ergibt sich eine grundlegend neue Ausgangssituation.
Für das auf der Jamal-Halbinsel gelegene LNG-Terminal Sabetta ergibt sich jedoch eine grundlegend neue Ausgangssituation. Im Jahr 2025 gingen 200 Ladungen von Sabetta nach Europa; im laufenden Jahr sind es bislang knapp 160. Für diese Exporte muss Russland nun neue Abnehmer und Transportwege finden.
Das größte Problem ist dabei der Transportweg: Über die Nordostpassage dauert die Lieferung von Sabetta nach Nordostasien rund 20 Tage. Wird die Ladung dagegen in Murmansk umgeladen und über den Suezkanal oder um das Kap der Guten Hoffnung transportiert, dauert die Fahrt bis zu rund 45 Tage. Zum Vergleich: Nach Rotterdam benötigte eine Ladung aus Sabetta nur zehn Tage.
Moskaus arktische Ambitionen
Die Ostroute über die Nordostpassage ist derzeit nur zwischen Juni und November eisfrei. Im Winter bleiben nur die Umladung in Murmansk und der Weitertransport über die Suezroute oder um Afrika. Hinzu kommt die geopolitische Lage: Die Angriffe der Huthi-Rebellen machten die Suezroute durch die Straße von Bab al-Mandab zuletzt nahezu unpassierbar.
Moskaus Arktispläne sind daher eher Strategie als Logistik. Rosatom sieht die Vorbereitungen für regelmäßige Wintertransporte nach Osten in der Schlussphase. Einer der größten russischen Verlader soll Anfang 2027 mit durchgehenden Fahrten nach Asien beginnen. Der Atomeisbrecher "Tschukotka" geht dann in Dienst und erweitert die Flotte auf neun Schiffe.
Einfach ist die Passage dennoch nicht. Die Eisverhältnisse schwanken, und geeignete Tonnage ist knapp. Ob das Ziel für 2027 erreicht wird, hängt weniger von den Eisbrechern ab als von den verfügbaren Ladungsmengen, verlässlichen Transitzeiten und den Frachtkosten. Sicher ist: Ab Januar 2027 verlieren rund 200 Ladungen pro Jahr ihren nächstgelegenen Absatzmarkt. Die einzige Route, die einen Ersatz wirtschaftlich ermöglicht, ist jedoch die Hälfte des Jahres zugefroren.