Die Stimmung auf dem Wasserstoffmarkt bleibt weiter gedämpft. Vor allem das Vertrauen in die Politik schwindet bei den Akteuren zunehmend. Das belegt der diesjährige "H2-Marktindex" von den Verbänden DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches), VCI (Verband der Chemischen Industrie), VIK (Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft) sowie der Stiftung "H2Global".
Demnach liegt zwar der Gesamtindex in diesem Jahr wie schon 2025 bei 41 Punkten. Damit bewegt sich der Wert seit der ersten Umfrage 2023 zwischen 41 und 44 Punkten. Die befragten Akteure bewertet den Hochlauf in Deutschland also als neutral. Dahinter verbergen sich jedoch deutliche Verschiebungen.
Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW, wolle aber nicht von Stillstand sprechen. Der Wasserstoffhochlauf komme voran, doch dürfe "man als Teilnehmer durchaus meckern", sagte Linke im Rahmen eines digitalen Pressegesprächs. Tatsächlich schneiden die insgesamt vier untersuchten Teilbereiche Politik, Markt, Innovation und Infrastruktur unterschiedlich ab.
Vertrauen in Politik schwindet
Am deutlichsten hat sich der politische Wille verschlechtert: von 51 Punkten im Jahr 2023 sank dieser Wert auf 34 Punkte im Jahr 2026. Als Grund nannte Matthias Belitz, Bereichsleiter Nachhaltigkeit, Energie und Klimaschutz beim VCI, insbesondere "Überregulierung".
Ein Beispiel seien etwa die Kriterien für "Erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs" ("Renewable Fuels of Non-Biological Origin"; RFNBO). Die RFNBO-Kriterien seien zu hart definiert. Zugleich würden Lücken zwischen den Vorgaben der Europäischen Union und den deutschen Vorgaben klaffen, so Belitz.
Als zweites Beispiel führte er die "sehr fragmentierte" Förderlandschaft an, die es der Industrie schwer mache, darin zu navigieren. Mehrere Programme würden außerdem 2026 oder 2027 auslaufen. Der Subindex für den politisch-regulatorischen Rahmen insgesamt liegt bei 36 Punkten.
Industrie pessimistisch
Der Subindex Marktentwicklung sank von 49 Punkten im Jahr 2023 auf 35 Punkte im Jahr 2026. Dabei bewerten die Fernleitungsnetzbetreiber die Entwicklung mit 51 Punkten am besten, die Industrie mit 29 bis 35 Punkten dagegen am schlechtesten. Zugleich gab Letztere an, dass Wasserstoff für rund die Hälfte der Unternehmen die primäre Option zur Dekarbonisierung sei.
Markus Exenberger, CEO der H2-Global-Stiftung, erwartet für 2027 gedämpfte Erwartungen. Den Hochlauf bremse dabei weniger die Technik als die Wirtschaftlichkeit. Grüner Wasserstoff ist weiter sehr viel kostspieliger als zum Beispiel grauer.
Exenberger bezweifelt, dass Deutschland sein Ziel bei der Elektrolyse für 2030 noch erreicht. Eigentlich will die Bundesregierung, dass bis dato Produktionskapazitäten im Umfang von mindestens zehn Gigawatt in Betrieb sind. Derzeit summieren sich die Kapazitäten auf ein Bruchteil davon.
Innovation und Infrastruktur stabil
Der Subindex Innovation liegt mit 55 Punkten unverändert auf Vorjahresniveau. VIK-Hauptgeschäftsführer Christian Seyfert verwies jedoch auf eine positive Tendenz: So stieg die Bewertung der Standardisierung auf dem Wasserstoffmarkt von 49 auf 60 Punkte. Inzwischen gebe es rund 670 Normen und Standards, betonte Seyfert.
Leicht zugelegt hat der Subindex Infrastruktur: auf 36 Punkte, nach 35 im Vorjahr. Der leichte Anstieg deutet laut H2-Marktindex jedoch nicht auf eine spürbar wahrgenommene Verbesserung hin. Angekündigte Speicherprojekte etwa blieben hinter den Bedarfen zurück.
Durchgeführt hat die Umfrage das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln. Dabei handelt es sich lediglich um eine nicht repräsentative Stichprobe. Auf die Onlineumfrage sind nach Institutsangaben 431 Rückmeldungen relevanter Akteure eingegangen. Schon im Vorjahr war die Stimmung eher getrübt. Der aktuelle H2-Marktindex ist online einsehbar.