Nachdem im April bisher nur moderat in die EU-Gasspeicher eingespeichert wurde, wird sich nun im Mai zeigen, wie sich eine Reihe von veränderten Rahmenbedingungen auf das europäische Gasangebot und damit auf die Einspeicherung respektive die Erfüllung der Speicherziele für den Winter 2026 auswirken werden.

Entwicklung in Nahost, Blockade der Straße von Hormus

Der Krieg im Nahen Osten stellt für Europa den größten Versorgungsschock seit der Energiekrise im Jahr 2022 dar. Die weltweite LNG-Produktion reduzierte sich im März um acht Prozent und die LNG-Lieferungen gehen im April gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich um mehr als zehn Prozent zurück.

Ende März war mit dem LNG-Tanker Al Kharsaah am britischen LNG-Terminal Milford Haven die vorerst letzte LNG-Lieferung aus Katar in Europa gekommen. Aufgrund der Transportzeiten werden wir nun im Mai die volle globale Auswirkung des Wegfalls der LNG-Lieferungen aus dem Golf zu spüren bekommen.

Wie viel LNG fehlt durch die Sperrung der Straße von Hormus?

Die katarische LNG-Produktion in der Anlage Ras Laffan bestand vor dem Krieg aus 14 Produktionszügen, die insgesamt eine Produktionskapazität von 10,27 Milliarden Kubikfuß (Bcf) beziehungsweise circa 362 Millionen Kubikmeter pro Tag haben. Nimmt man die bisher noch für den Weltmarkt unbedeutende Exportkapazität der Vereinigten Arabischen Emirate dazu, so errechnet sich ein Exportvolumen durch die Straße von Hormus in Höhe von rund elf Milliarden Kubikfuß (etwa 388 Millionen Kubikmeter) pro Tag.

Eine Schiffsladung entspricht laut Daumenregel rund 3,5 Bcf (120 Millionen Kubikmeter) regasifiziertem Erdgas, sodass dem Weltmarkt damit pro Tag drei bis vier LNG-Lieferungen wegfallen. Zum Vergleich: Die täglichen LNG-Exporte der USA liegen bei vier bis fünf Tanker-Lieferungen.

Derzeit gibt es wenige Anzeichen, die für eine baldige Wiederöffnung der Straße von Hormus sprechen. Im Iran haben mittlerweile die Hardliner der Revolutionsgarden das Sagen, die politische Führung ist weitgehend entmachtet. Die Revolutionsgarden kämpfen ums Überleben, warum sollten sie den Trumpf der Sperrung der Straße von Hormus hergeben?

Das Szenario, dass die Sperrung des Lieferwegs noch die nächsten zwei bis vier Monate anhalten könnte, ist nicht ganz unwahrscheinlich. Auch ein vollständiger Wegfall der LNG-Lieferungen aus der Golfregion bis zum Beginn des Winters ist denkbar.

ACER rechnet mit Speicher-Füllstand von 80 Prozent

Die Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER) veröffentlichte im April ihren Monitoringbericht, worin sie konstatiert, dass das Erreichen eines Füllstands von 80 Prozent bei aktuellem LNG-Importvolumen möglich sei.

Im Vorjahreszeitraum waren dies in den Sommermonaten rund 120 LNG-Ladungen pro Monat, diese könnten sich in diesem Sommer wie folgt zusammensetzen: 80 Lieferungen aus den USA, je zehn Lieferungen aus Russland, Algerien und Norwegen und zehn weitere Lieferungen aus Drittstaaten. Der Marktanteil der USA auf dem europäischen LNG-Markt würde dann auf 67 Prozent steigen.

Dies würde aus unserer Sicht jedoch nur einen Füllstand von 75 Prozent ermöglicht. Um die Speicher auf bis zu 80 Prozent zu füllen, müssten monatlich rund 130 LNG-Tanker, also 10 Ladungen zusätzlich pro Monat, ankommen. Würden die USA die Lücke füllen, würde deren Marktanteil auf knapp 70 Prozent ansteigen!

USA steigern LNG-Produktion seit Beginn des Krieges

Fraglich ist, ob die USA 90 Ladungen pro Monat nach Europa verschiffen können. Das bisherige Allzeithoch mit 87 Ladungen stammt aus dem Januar dieses Jahres, im ersten Quartal lag der Mittelwert bei 85 Ladungen pro Monat.

Seit Beginn des Krieges laufen die US-LNG-Exportterminals bei deutlich höherer Auslastungsrate als im Vorjahr, einige Anlagen laufen auf über 100 Prozent ihrer Auslastungslimits. Wir gehen daher davon aus, dass die derzeitige maximale LNG-Exportkapazität der USA bei rund 18 Bcf (635 Millionen Kubikmeter) pro Tag liegt, einer Steigerung um rund 3 Bcf (105 Millionen Kubikmeter) pro Tag gegenüber dem Vorjahr.

Daraus errechnet sich eine maximale Anzahl von US-LNG-Tankerexporten in Höhe von rund 170 LNG-Tankern pro Monat. Wir gehen davon aus, dass der nicht an langfristige Verträge gebundene Anteil bei maximal 50 Lieferungen pro Monat liegen könnte. Ob diese Lieferungen dann nach Europa oder Asien gehen, wird über den Preis ausgefochten werden.

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