Wie hoch wird der diesjährige LNG-Bedarf Chinas sein? Die Internationale Energie-Agentur hat nun eigene Szenarien vorgelegt.

Wie hoch wird der diesjährige LNG-Bedarf Chinas sein? Die Internationale Energie-Agentur hat nun eigene Szenarien vorgelegt.

Bild: © Christoph Soeder/dpa

Trotz neuer Kältewelle in Deutschland zeigten die Gaspreise zum Wochenauftakt weiterhin eher nach unten als nach oben. Am Dienstagnachmittag notierte der Frontmonat TTF bei 47 Euro pro MWh. Auch für den kommenden Winter war die Megawattstunde für deutlich unter 60 Euro zu haben.

Die Gaskrise ist für die Internationale Energie-Agentur der Entspannung damit allerdings nicht vorbei. Als "große Unbekannte" hat sie den diesjährigen LNG-Bedarf der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ausgemacht: China.

Ausnahmejahr 2022 – auch in China

"Wenn die weltweite LNG-Nachfrage wieder das Vorkrisenniveau erreicht, wird das den Wettbewerb auf den Weltmärkten nur verschärfen und die Preise unweigerlich wieder in die Höhe treiben", sagte Keisuke Sadamori, IEA-Direktor für Energiemärkte und -sicherheit bei der Vorstellung des jährlichen Gasmarktberichts.

Demnach sanken Flüssigerdgasimporte nach China im vergangenen Jahr infolge von hohen Spotpreisen, strengen Corona-Restriktionen und einer langsam wachsenderen Wirtschaft um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 86 Milliarden Kubikmeter. Dieser Rückgang habe eine entscheidende Rolle gespielt, dass Europa seine LNG-Importe um fast zwei Drittel erhöhen hätte können, um wegfallende russische Gasflüsse auszugleichen, heißt es in dem Bericht.

Risiko harter Wettbewerb

Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass sich dieses Szenario 2023 wiederholen werde. Stattdessen prognostiziert die IEA eine Steigerung des chinesischen LNG-Bedarfs von zehn Prozent oder acht Milliarden Kubikmeter gegenüber 2022. Bliebe es bei dieser Größenordnung, könnte die Volksrepublik wohl ihren Bedarf ausschließlich mit Festverträgen decken, die eine Gesamtliefermenge von insgesamt 110 Milliarden Kubikmeter umfassen.

Dies wäre nicht mehr der Fall, wenn China 35 Prozent mehr LNG benötigt als vergangenes Jahr – also insgesamt 115 Milliarden Kubikmeter. Dies würde einen harten Wettbewerb auf den internationalen Märkten auslösen und könnte dazu führen, dass die Gaspreise wieder das unhaltbare Niveau des letzten Sommers erreichten, was insbesondere für die europäischen Abnehmer ein Problem darstellt.

Russische Pipelinegaslieferungen im freien Fall

Im vergangenen Jahr waren die russischen Gaslieferungen über Pipelines nach Europa auf den niedrigsten Stand seit Mitte der 1980er-Jahre gefallen, schreibt die IEA in ihrem Report. Demnach importierte Europa auf diesen Wegen 78 Milliarden Kubikmeter weniger aus Russland als 2021. Demgegenüber erhöhten sich die Gaslieferungen aus Norwegen, Aserbaidschan und insbesondere über mehr importiertes Flüssigerdgas aus. (aba)

Den IEA-Gasmarktbericht im Original finden Sie hier. Und täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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