Moderatorin Astrid Frohloff, Florian Feller, Kaus Müller (live zugeschaltet), Georg Friedrichs und Susanne Fabry (v.l.)

Moderatorin Astrid Frohloff, Florian Feller, Kaus Müller (live zugeschaltet), Georg Friedrichs und Susanne Fabry (v.l.)

Bild: © VKU/Bildschön/Trenkel

Wie geht es weiter mit den Strom- und Gasnetzen? Wie schaffen wir Versorgungssicherheit, ohne dabei das Ziel der Klimaneutralität aus dem Blick zu verlieren? Über diese und andere Fragen rund um die „Zukunft der Netze – auch in Krisenzeiten“ diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel auf der VKU-Verbandstagung in Berlin.

Susanne Fabry, Mitglied des Vorstandes der Rheinenergie, benannte gleich zu Beginn der Runde die zentralen Herausforderungen: Es brauche schnellere Genehmigungsverfahren und bessere Rahmenbedingungen, um im großen Stil in die Netze zu investieren. Die aktuelle Verzinsung sei viel zu niedrig, um einen dringend benötigten Ausbau der Netze zu ermöglichen. Nachvollziehbar sei das nicht. „Die Energiewende findet schließlich maßgeblich im Verteilnetz statt“, gab Fabry zu bedenken. Zu erheblichen Problemen führt laut der Vorständin auch der Fachkräftemangel. In einer Großstadt wie Köln gebe es zudem zu wenige geeignete Flächen.

Ist der Ausbau überhaupt machbar?

Florian Feller, Vorsitzender der Initiative H2vorOrt und Leiter Klimastrategie und Politische Arbeit bei Energie Schwaben, unterstrich die Bedeutung der Netze für die Energiewende und schränkte zugleich ein: „Wenn wir stark in die Verstromung gehen, brauchen wir eine Verdrei- bis Vervierfachung der Netzkapazitäten.“ Das sei nicht machbar. Zugleich habe man eine gut ausgebaute Gasinfrastruktur, die das Gesamtsystem entlasten könne. „Wir müssen die Last auf mehrere Schultern verteilen“, betonte er.

Feller plädierte für einen Bottom-up getriebenen, technologieoffenen Prozess. „Alles andere macht keinen Sinn. Dazu sind die Situationen und Herausforderungen vor Ort viel zu unterschiedlich.“

Gasnetze umbauen statt abwickeln

Auch Georg Friedrichs, Chef der Berliner Gasag, ist überzeugt, dass die Energiewende ohne Moleküle nebst der dazugehörigen Infrastruktur scheitern wird. „Unsere Aufgabe besteht nicht im Rückbau der Gasnetze, sondern in deren Umbau. Wir müssen sie so ertüchtigen, dass sie ihre Transportaufgabe und ihre Funktion als Speicher wahrnehmen können.“ Dazu brauche es allerdings einen klaren Auftrag und einen passenden Regulierungsrahmen. „Und den brauchen wir schnell.“

„Eine der zentralen Erkenntnisse aus der aktuellen Krise ist, dass wir unsere Energieinfrastruktur nie wieder so auf Kante nähen dürfen, wie in der Vergangenheit“, führte Klaus Müller, der Präsident der Bundesnetzagentur aus. Er und sein Haus seien „wild entschlossen“, alles für den Klimaschutz zu tun, dabei aber auch auf Resilienz zu achten. Die Reform des § 14a EnWG bezeichnete Müller als „Ermöglichungsfestlegung“, die zugleich betrachte, wie der Zustand der Netze sei.

Vertrauen statt Fixierung auf Ordnungsrecht

Wechselseitiges Vertrauen zwischen allen relevanten Akteuren mahnte Georg Friedrichs im weiteren Verlauf der Diskussion an. „Ordnungsrecht und Regulatorik alleine werden nicht reichen.“ Es sei klar, dass das Gasnetz transformiert werden müsse und in Zukunft anders aussehen werde als heute. „Was wir brauchen, ist ein Plan für die Transformation, ohne dass wir dabei pleite gehen“, so der Gasag-Chef.

Diese Forderung konnte auch Klaus Müller unterschreiben. Sein Haus dürfe aber nicht nur die legitimen Interessen der Netzbetreiber im Blick haben. Viele Menschen würden unter den hohen Energiepreisen leiden. Die Bundesnetzagentur agiere gewissermaßen auch als Anwältin derjenigen, die den Netzausbau bezahlen müssen. „Wir tarieren das aus: Es braucht einen investitionsfreundlichen Rahmen, der zugleich bezahlbar und effizient ist.“

Komplexität reduzieren

Es brauche insgesamt mehr Tempo in der Debatte, waren sich Feller, Friedrichs und Fabry einig. Die Rheinenergie-Vorständin sprach sich zudem für ein weniger komplexes System bei den Netzentgelten aus. Eine „Flatrate für die Netze“ könnte ein möglicher Ansatz sein.

Nach Überzeugung von Klaus Müller ist ein Teil der Komplexität des Gesamtsystems allerdings auch der Heterogenität der Landschaft“ geschuldet. Die Bundesnetzagentur teile allerdings den Ansatz, das System einfacher und transparenter zu gestalten. „Wir arbeiten daran und werden bald entsprechende Vorschläge machen.“ (amo)

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