Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Streikverschärfung in Australien und die verlängerten Wartungsarbeiten in Norwegen sorgen in dieser Woche für wieder steigende Gaspreise. Am deutschen THE stieg der Day-Ahead auf zeitweise über 38 Euro pro MWh. Das waren rund 7 Euro pro MWh mehr als in der Vorwoche.

Am Terminmarkt verteuerte sich das Lieferband für das Kalenderjahr 2024, kurz Cal-24, zeitweise auf bis zu 54 Euro pro MWh. Damit war der Kontrakt bis zu 4 Euro pro MWh teurer als in der Vorwoche.

Streiks in Australien

Die Streiks in Australien begannen am 8. September und sollen nun zwischen dem 14. September bis 29. September auf schrittweise ganztägige Arbeitsniederlegungen ausgeweitet werden. Dies betrifft alle drei Anlagen des Energiekonzerns Chevron mit einer Gesamtkapazität von insgesamt 24,5 Millionen Tonnen Flüssigerdgas, kurz LNG. Das entspricht etwa fünf bis sieben Prozent des weltweiten LNG-Angebots.

Zwar haben sich die Streiks bisher nicht auf die Exporte ausgewirkt. Jedoch sorgen sich die europäischen Händler, dass japanische und chinesische Konkurrenten verstärkt Spotladungen kaufen könnten und damit dem europäischen Gasmarkt wichtige Spotlieferungen entziehen.

Niedrige Gasflüsse aus Norwegen

Die norwegischen Gaslieferungen liegen auch in dieser Woche auf historisch niedrigem Niveau. Die Nominierungen des Betreibers Gassco lagen am Donnerstag bei 144 Millionen Kubikmeter.

Gründe sind einerseits ungeplante Wartungsarbeiten in den Gasfeldern Dvalin und Aasta Hansteen und andererseits mehrmalige Verlängerungen der Wartungsarbeiten im Trollfeld. Die wartungsbedingten Ausfälle lagen zeitweise bei mehr als 200 Millionen Kubikmeter.

Rückläufige Einspeicherungen

Die Gasspeicher in Deutschland und in der EU sind zu etwa 94 Prozent gefüllt. Damit hat sich insbesondere der Speicherstand in Deutschland seit Beginn des Monats nur um 0,3 Prozentpunkte verbessert.

In Deutschland wurden im laufenden Monat insgesamt lediglich 1300 GWh eingespeichert. Die tägliche maximale Einspeicherungskapazität in Deutschland liegt hingegen bei 4265 GWh. Damit wurden im laufenden Monat bisher 78 Prozent weniger einspeichert als im Fünfjahresmittel.

Gestiegene LNG Frachtraten

Gründe für die niedrigen Einlagerungen sind einerseits die gefallenen Gasimporte aus Norwegen und die auslaufende Gasproduktion in Groningen. Andererseits sinkt mit den höheren Füllständen der Gasspeicher die maximal mögliche Einspeicherungskapazität unter die technischen Maximalwerte – in einigen Speichern sogar auf bis zu 30 Prozent.

Als Reaktion auf die geringere europäische Speicherflexibilität haben sich in diesem Jahr bereits früher die Frachtraten für LNG-Lieferungen verteuert. Frachtraten folgen in der Regel einem saisonalen Muster und erreichen ihren Höhenpunkt in den Wintermonaten.

Alternative Speicheroptionen rentabel

In den Monaten April bis August des laufenden Jahres lagen die Raten bei rund 50.000 US-Dollar pro Tag. Zum Vergleich: Im vergangenen Winter stiegen die Raten auf Allzeithochs bei über 450.000 US-Dollar pro Tag. Zuletzt startete die Rallye ungewöhnlich früh für den Monat September mit Raten von bis zu 150.000 US-Dollar täglich.

Die rekordhohen Speicherstände haben damit alternative und teurere Speicheroptionen rentabel gemacht. Eine dieser Alternativen ist das Floating von LNG-Lieferungen auf später datierte Winterverträge. Die schwache Nachfrage im September und Oktober könnte im November wieder zu deutlich höheren LNG-Importen in Europa führen.

Sicherheitsnetz und Preistreiber

Dies ist einerseits ein Sicherheitsnetz für die europäische Gasversorgung im Falle eines frühen Kälteeinbruchs und andererseits ein Preistreiber. Die LNG-Schiffe werden erst dann die europäischen Häfen anlaufen, wenn die Preise am Terminal die hohen Frachtraten ausreichend kompensieren.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des jüngsten Artikels: "August-Bilanz: Pipelineexporte aus Russland auf Jahreshoch"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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