Künftig soll in wachsendem Maß Biogas dem Erdgas beigemischt werden. Doch die Preisrisiken sind hoch.

Künftig soll in wachsendem Maß Biogas dem Erdgas beigemischt werden. Doch die Preisrisiken sind hoch.

Bild: © Adobe Stock/David_Dietz

Wer heute eine neue Heizung kauft, trifft eine Entscheidung für die nächsten 20 Jahre. Und die Rahmenbedingungen ändern sich gerade: Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) erlaubt Gasheizungen dauerhaft – sofern deren Betreiber zunehmend Biomethan einsetzen. Eine neue Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) zeigt, dass diese Strategie erhebliche Risiken birgt.

Das GModG soll das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG) reformieren. Zentral ist dabei die Biotreppe. Sie verpflichtet Besitzer neu eingebauter Gasheizungen, schrittweise steigende Anteile an biogenem Gas nachzuweisen. Und was bisher als Übergangsregelung galt, wird im GModG zur Dauerlösung: Anders als im GEG gibt es kein Betriebsverbot für Gasheizungen ab 2045 mehr.

Nachfrage könnte auf 196 Terawattstunden steigen

Das EWI hat in seiner Analyse "Biomethan im deutschen Gebäudesektor" vier Szenarien berechnet, wie sich die Biomethan-Nachfrage bis 2045 entwickeln könnte. Im Extremfall – hohe Installationsraten neuer Gasheizungen, Bioquoten von 100 Prozent – könnte der Bedarf auf rund 196 Terawattstunden (TWh) pro Jahr steigen. Zum Vergleich: Der gesamte Biogas- und Biomethanverbrauch in Europa lag 2023 bei etwa 215 TWh.

Im günstigsten Szenario – starker Ausbau von Wärmepumpen, niedrige Bioquoten – bliebe die Nachfrage bei rund 37 TWh. Die Spannbreite zeigt: Wie viel Biomethan der Gebäudesektor braucht, hängt maßgeblich davon ab, welche Heizungstechnologie sich durchsetzt.

Auf der Angebotsseite ist das Potenzial begrenzt. Die Internationale Energieagentur (IEA) beziffert das heutige europäische Angebotspotenzial auf rund 510 TWh pro Jahr. In einem optimistischen Szenario könnte es bis 2050 um 40 Prozent auf etwa 714 TWh wachsen. Das Problem: Die europäische Nachfrage außerhalb des deutschen Gebäudesektors beläuft sich laut dem europäischen Netzentwicklungsplan bereits auf 576 TWh im Jahr 2045. Selbst ohne wachsenden deutschen Bedarf wäre das Potenzial damit ausgeschöpft.

Gaspreise könnten sich ab 2040 verzehnfachen

Bleibt das Angebotspotenzial konstant, dürfte sich der Preisdruck bei Biogas ab 2040 erheblich verschärfen. Die EWI-Analyse zeigt: In einem Knappheitsszenario könnten die Endverbraucherpreise für Gas von heute rund 13 Cent pro Kilowattstunde auf bis zu 112 Cent im Jahr 2040 steigen – eine Verzehnfachung.

Wer jetzt seine Heizung tauscht, sollte die Lebenszykluskosten im Blick haben. Das EWI hat dazu Beispielgebäude verglichen. In Mehrfamilienhäusern ist die Wärmepumpe über die gesamte Lebensdauer bereits heute die wirtschaftlichste Wahl – unabhängig vom Szenario. In Einfamilienhäusern kann eine neue Gasheizung mit Biotreppe kurzfristig günstiger erscheinen. Langfristig bleibt sie aber mit erheblichen Preisunsicherheiten belastet. Biomethan erweist sich nur dann als wirtschaftlich tragfähig, wenn das europäische Angebotspotenzial wächst.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper