US-Finanzminister Bessent hatte am Dienstag, 4. August, eine mögliche Einigung mit dem Iran zur Öffnung der Straße von Hormus in Aussicht gestellt. Medienberichten vom Donnerstag zufolge stehen jedoch nun der Iran und Oman kurz vor einer Einigung auf eine neue Route durch die Straße von Hormus. Dies würde dem Iran deutlich mehr Kontrolle über den Transitweg geben.

Insiderberichten zufolge strebt der Iran eine Maut für die Schiffsdurchfahrt von fünf bis sieben Prozent des Frachtwerts durch die Meerenge an. Ein vollbeladener LNG-Tanker müsste damit für die Durchfahrt mindestens 2,5 Millionen US-Dollar an den Iran zahlen.

Die USA sollen jedoch entgegen deren voriger Kommunikation an dieser Einigung nicht beteiligt gewesen sein. Dazu kursieren Gerüchte über eine angebliche Munitionsknappheit der USA. Die Lage ist damit weiterhin äußerst intransparent und die erratische Kommunikation der US-Regierung sorgt für hohe Volatilität an den Energiemärkten.

Risiko der leeren Gasspeicher bisher unterbewertet

Die Tragik dieses Sommers bisher ist, dass sich der Fokus des Gasmarkts wochenlang auf die tägliche Nachrichtenlage im Nahost-Konflikt und den Ausfall katarischer LNG-Lieferungen richtet, während die Auswirkungen auf die Speicherziele für den Winter 2026 zeitweise aus dem Blick gerieten.

Seit Wochen nährt immer mal wieder die Hoffnung den Markt, die Situation könnte sich im August noch irgendwie entspannen und katarisches LNG spätestens im vierten Quartal 2026 zurückkehren.

Die Rufe nach staatlichem Eingreifen werden lauter.

Nur eine Handvoll europäischer Länder hat regulatorische Eingriffe zur Verbesserung der Gasspeicherfüllstände vorgenommen. Deutschland zählt nicht dazu, und die Lage stellt sich im August nun deutlich schlechter dar als zu Beginn des Konflikts.

Die Rufe nach staatlichem Eingreifen werden lauter – und je länger ein solcher Eingriff auf sich warten lässt, desto höher dürften am Ende die Kosten ausfallen.

Speicherfüllstands-Szenarien

Wir haben zwei getrennte Szenarien zur Prognose der Speicherfüllstände entwickelt; beide Ansätze stimmen darin überein, dass das EU-Speicherziel von 90 Prozent zum 1. November außerhalb der Möglichkeiten liegt.

Unser erstes Modell verfolgt einen empirischen Ansatz und extrapoliert vom aktuellen Füllstand ausgehend historische Maximal- und Minimalwerte, den langjährigen Durchschnitt sowie die Einspeicherungen des Vorjahres. Würde die Einspeicherung im Tempo des Vorjahres fortgesetzt, würde der EU-Speicherstand bis zum 1. November 73 Prozent erreichen. Unter dem langjährigen Minimum- bzw. Maximum-Szenario der Einspeicherung ergäben sich Füllstände von 69 beziehungsweise 84 Prozent.

Unser zweiter Ansatz kommt zu ähnlichen Schlussfolgerungen und basiert auf verschiedenen LNG-Importszenarien. Unser Basisszenario geht von durchschnittlich 115 LNG-Tankerlieferungen pro Monat an europäischen LNG-Terminals (EU+UK) zwischen August und Oktober aus – dem Volumen, das im selben Zeitraum des Vorjahres beobachtet wurde. In diesem Basisszenario könnte der EU-Speicherfüllstand 73 Prozent erreichen, was wir für eine plausible Schätzung halten.

80 Prozent zum 1. November sehr unwahrscheinlich

Unser pessimistisches Szenario unterstellt eine Fortsetzung der zuletzt beobachteten sehr niedrigen LNG-Importvolumina über August bis Oktober. In diesem Fall würde der Speicherstand bis zum 1. November lediglich 69 Prozent erreichen.

Ein optimistisches Szenario greift unser ursprüngliches LNG-Versorgungsziel vom April 2026 wieder auf: Mit 130 LNG-Tankeranläufen pro Monat zwischen August und Oktober könnte der Speicherfüllstand bis zum 1. November 77 Prozent erreichen. Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage erscheint ein solcher Anstieg der LNG-Importe jedoch unwahrscheinlich. Sollte er sich dennoch einstellen, ginge dies in jedem Fall mit Gaspreisen deutlich über 60 Euro je Megawattstunde einher – oder mit schnellen signifikanten Fortschritten bezüglich der Wiederöffnung der Straße von Hormus.

Um bis zum 1. November einen EU-Speicherfüllstand von 80 Prozent zu erreichen, wären mehr als 140 LNG-Tankerlieferungen pro Monat im August bis Oktober erforderlich. Mit Blick auf die aktuelle geopolitische Lage deutet jedoch wenig darauf hin, dass dies möglich sein könnte. Wir halten dieses Szenario daher vorerst für sehr unwahrscheinlich.

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