Gewässer wie hier der Rhein zwischen Mannheim und Ludwigshafen eignen sich als Energiequelle für Flusswärmepumpen.

Gewässer wie hier der Rhein zwischen Mannheim und Ludwigshafen eignen sich als Energiequelle für Flusswärmepumpen.

Bild: © Eyetronic/Adobe Stock

Flüsse und Seen könnten deutlich mehr zur Wärmeversorgung beitragen als bisher. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg. Die Studie sieht in der Aquathermie eine bislang unterschätzte Säule für klimaneutrale Wärmenetze.

Bei der Aquathermie entzieht ein Wärmetauscher dem Wasser Wärme. Über Großwärmepumpen wird daraus Wasser auf ein für Gebäude und Wärmenetze nutzbares Temperaturniveau gehoben. Als Wärmequellen kommen unter anderem Flüsse, Seen und Kanäle infrage.

Potenzial in der Praxis geringer

Das Potenzial in Baden-Württemberg ist laut Gutachten groß. Allein die Abkühlung von Rhein, Donau und Main um jeweils ein Grad während der Heizperiode könne theoretisch 25 bis 50 Terawattstunden Wärme pro Jahr liefern. Das entspräche mehr als dem Doppelten der heutigen Wärmebereitstellung über Wärmenetze im Land. Auch der Bodensee verfügt über ein erhebliches thermisches Potenzial.

In der Praxis fällt das nutzbare Potenzial allerdings geringer aus. Ökologische Vorgaben begrenzen die Entnahme und die Abkühlung der Gewässer. Zudem müssen Mindesttemperaturen und ausreichende Wasserstände gewährleistet sein. Für den wirtschaftlichen Betrieb braucht es zudem eine ausreichend hohe Wärmenachfrage in der Nähe. Aquathermie eignet sich daher vor allem für dicht besiedelte Räume, Quartiere und bestehende Wärmenetze.

Die kommunalen Wärmepläne sehen teilweise sogar eine Verdreifachung der netzgebundenen Wärmeversorgung bis 2040 vor. Dafür benötigen die Versorger zusätzliche erneuerbare und leistungsfähige Wärmequellen. Bislang spielt Aquathermie in den Planungen jedoch eine begrenzte Rolle. Je nach Auswertung rechnen die kommunalen Wärmepläne für 2030 mit einem Beitrag von 2,2 bis 2,5 Terawattstunden. Für 2040 sind rund 3,4 Terawattstunden vorgesehen.

Stabile Verfügbarkeit

Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg hält dagegen höhere Beiträge für möglich. Im Vergleich zu Wasserstoff und Biomasse sei die Verfügbarkeit von Gewässerwärme stabiler. Zudem gebe es bei diesen Energieträgern Nutzungskonkurrenzen mit anderen Sektoren.

In Betrieb oder im Bau sind im Land bislang Anlagen mit einer Leistung von knapp 24 Megawatt thermisch. Dazu zählen die 19-Megawatt-Flusswärmepumpe der MVV in Mannheim sowie kleinere Anlagen in Malsch und Esslingen. Am Bodensee entsteht in Dingelsdorf und Wallhausen eine Seewärmepumpe mit vier Megawatt. Mindestens elf weitere Projekte mit zusammen rund 524 Megawatt befinden sich in der Planung.

Die größten Hindernisse liegen nach Einschätzung der befragten Energieversorger nicht bei der Technik. Problematisch seien vor allem Genehmigungsverfahren, fehlende Erfahrungen in Behörden und hohe Investitionskosten. "Ohne Förderung geht es nicht", heißt es in der Umfrage. Auch die Leitungsanbindung an bestehende Wärmenetze kann Projekte verteuern.

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