Die Einspeicherungen in die europäischen Gasspeicher blieben im Mai deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Füllstände liegen daher nur knapp über den Tiefständen vom Mai 2021. Ein Überblick des Gasmarkts für den Monat Mai.
Rückgang um 14 Prozent gegenüber Vorjahresmonat
Im Mai wurden insgesamt netto nur 88 Terawattstunden (TWh) Erdgas in die Gasspeicher eingespeichert, 17 Prozent weniger als im Fünf-Jahres-Mittel und rund 14 Prozent weniger als noch im Mai 2025, als die Nettoeinspeicherung bei rund 102 TWh lag.
In Deutschland wurden nur rund 17 TWh eingespeichert (Mai 2025: 18,3 TWh), gegenüber dem Fünf-Jahres-Durchschnitt ein Minus von 14 Prozent.
Die Füllstände in Deutschland lagen zum Monatsende bei rund 32 Prozent und damit nur zwei Prozentpunkte über dem Allzeittief vom Mai 2021. Im Vorjahr zum 31. Mai 2025 waren die Gasspeicher in Deutschland bereits zu 40 Prozent gefüllt. In den Jahren 2023 und 2024 lagen die Füllstände Ende Mai sogar über 72 Prozent.
Ungünstige Saisonspreads verhindern Einspeicherung
Am deutschen THE lagen den Monat Mai hindurch die Preise für den Day-Ahead und Frontmonat bei rund 47 Euro je Megawattstunde (Euro/MWh) und damit an vielen Handelstagen circa 1 Euro/MWh über dem Preis für Winter-26.
Rechnet man mit Speicherumschlagskosten von rund 0,5 Euro/MWh würde ein Speicherbetreiber bei diesen Preisen einen Verlust von mindestens rund 1,5 Euro/MWh machen. Das Preisumfeld im Mai hat daher keine Anreize zur Einspeicherung gegeben.
Andererseits ist der Handel durch die Turbulenzen des Irankriegs zunehmend unberechenbarer für die Händler geworden. Vor allem der durch Algorithmen gesteuerte Handel, der zunehmend auch auf Nachrichtenüberschriften und Social-Media-Posts reagiert, hat seit Beginn des Irankriegs immer mal wieder künstliche Volatilitäten und Kettenreaktionen ausgelöst, die entgegen einer rationalen Einschätzung der Lage am Markt standen.
Gasangebot auf 8-Monats-Tief
Das europäische Gasangebot fiel im Mai auf 327 TWh (Mai-25: 340 TWh) und damit auf den tiefsten Stand seit letztem September. Ursächlich waren im Wesentlichen die rückläufigen LNG-Aussendungen, die mit insgesamt 132 TWh ebenfalls auf den tiefsten Stand seit letztem September fielen.
Gegenüber den Vormonaten brachen die europäischen LNG-Importe im Mai als Folge des Irankriegs und der Sperrung der Straße von Hormus deutlich ein. Insgesamt wurden nur 123 LNG-Lieferungen an den europäischen Terminals registriert, der niedrigste Wert seit letztem Dezember. Im Vormonat lag die Anzahl der Ladungen noch bei 140.
Algerien baut Lieferungen aus
Deutlich zugelegt haben die Exporte Algeriens per Pipelines und LNG. Der afrikanische Produzent lieferte insgesamt 15 LNG-Ladungen nach Europa, so viel wie seit Oktober 2024 nicht mehr. In den letzten Monaten und auch im Jahr 2025 lagen die monatlichen Lieferungen aus Algerien meist nur bei fünf bis zwölf LNG-Ladungen.
Per Pipeline lieferte Algerien im Mai insgesamt 32,3 TWh Erdgas nach Italien und Spanien. Dies waren rund 5 TWh mehr als im Vorjahresmonat und so viel wie seit April 2023 nicht mehr.
LNG aus Russland auf Rekordniveau
Ein gegenüber dem Vorjahr veränderter Wartungskalender in Norwegen sorgte im Mai für leicht rückläufige Gaslieferungen aus Norwegen. Die Lieferungen lagen insgesamt bei nur rund 97 TWh, circa 2 TWh weniger als im Mai 2025.
Vom LNG-Import-Verbot für vertraglich gebundene LNG-Lieferungen aus Russland ist bisher nichts zu spüren. Die LNG-Importe aus Russland liegen bisher im Jahr 2026 auf Allzeithoch bei durchschnittlich 20 LNG-Ladungen pro Monat (Mai-26: 19 Ladungen). Die meisten Lieferungen davon gingen nach Spanien (sieben), gefolgt von den Niederlanden (fünf), Belgien (vier) und Frankreich (drei).
Auch über die Turkstream-Pipeline lieferte Russland im Mai rund 15 TWh Erdgas und damit rund 2,5 TWh mehr als im Vormonat.
Aserbaidschan liefert täglich konstant rund 350 TWh, die monatlichen Lieferungen über die in Griechenland über Albanien nach Italien einspeisende TAP-Pipeline lagen auch im Mai bei rund 10 TWh Erdgas.
Gasverbrauch steigt um acht Prozent
Der europäische Gasverbrauch lag im Mai mit knapp 256 TWh rund acht Prozent über dem Wert vom Mai 2025. In Deutschland wurden knapp 51 TWh verbraucht, im Vorjahresmonat Mai 2025 waren es noch 49 TWh.
Grund waren die kühleren Temperaturen in Deutschland zur Monatsmitte mit Tagesdurchschnittstemperaturen von beispielsweise bis zu fünf Grad unter der saisonalen Norm. In diesem Zeitraum war auch die Gasnachfrage im Strombereich deutlich angestiegen, die Gaskraftwerke stellten an einigen Tagen bis zu 15 Prozent der Stromleistung in Deutschland.


