Die Diebe haben es auf die Stromkabel abgesehen, die im Inneren von Windkraftanlagen verlaufen.

Die Diebe haben es auf die Stromkabel abgesehen, die im Inneren von Windkraftanlagen verlaufen.

Von Elwine Happ-Frank

Anfang Dezember 2024 sah sich der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) Niedersachsen Bremen zu einer ungewöhnlichen Pressemitteilung veranlasst. Denn in der Grafschaft Bentheim im Emsland kam es seit dem Herbst vermehrt zu Diebstählen von Kupferkabeln aus Windenergieanlagen. Seither hat die Anzahl der Vorfälle weiter zugenommen. Betroffen ist jetzt die Mitte bis in den Nordwesten von Niedersachsen, wie es in einer dpa-Meldung heißt.

2023 lag die Zahl noch bei weniger als zehn Fällen. Nach vorläufigen, unvollständigen Daten gab es 2024 eine mittlere zweistellige Zahl solcher Ereignisse. Besonders auffällig sei der starke Anstieg im vierten Quartal vergangenen Jahres gewesen.

"Derzeit setzen sich die Taten in 2025 fort", teilte das Landeskrimininalamt Niedersachsen weiter mit. Erst vor wenigen Tagen meldete die Polizei im Landkreis Cloppenburg erneut einen Einbruchversuch in einer Windkraftanlage in Emstek. Der Versuch sei misslungen, habe aber einen Schaden von 2500 Euro verursacht, heißt es in dem Bericht der Polizeiinspektion.

Diese Summe ist im Vergleich zu den bis zu sechsstelligen Schäden noch vergleichsweise gering. Die Straftaten sind schwierig aufzudecken, das meist abgelegene Standorte betroffen sind. Abgesehen haben es die Diebe auf die Stromkabel, die im Inneren von Windkraftanlagen verlaufen. In den Türmen, die zwischen 60 und 150 Meter hoch sind, verbinden Starkstromkabel den Generator im Maschinenhaus ganz oben mit dem Netzanschluss im Sockel der Anlage.

Täter können sich Zeit lassen

Um möglichst viel Kabel zu erbeuten, müssten die Diebe deshalb weit nach oben in die Anlage klettern und die Kabel trennen, erklärt Horst Mangels. Der Windparkprojektierer, der auch Vorstandsmitglied im LEE ist, ist selbst Opfer von Kupferdieben geworden.

"Sie sind im Windpark in eine Anlage eingebrochen und haben die Kupferkabel aus dem Turm rausgeschnitten. Sie haben sich sogar noch die Zeit gelassen und die Kabelstücke in ein bis zwei Metern Länge abisoliert", berichtet Mangels. In einem anderen Fall hätten Diebe Kabeltrommeln von einer Windpark-Baustelle abtransportiert – mithilfe eines zuvor gestohlenen Lasters und eines Baufahrzeugs. "Das ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten."

Die Tätergruppen zeigten ein "hohes Maß an Professionalität und Organisation", teilt das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen mit. In Gruppen von bis zu acht Personen gingen die Diebe an den Tatorten arbeitsteilig vor. Da die Kupferkabel unter Hochspannung stünden, benötigten die Täter zudem spezielle technische Fähigkeiten. "Aufgrund dieser Umstände kommt es häufig auch nur zu Versuchstaten", hieß es vom LKA.

Hohe Folgekosten

Zwar sende eine Windkraftanlage eine Fehlermeldung aus, wenn diese vom Netz getrennt werde oder eine Störung auftrete – allerdings komme deshalb nicht schon nach wenigen Minuten ein Servicetechniker an die Anlage, sagt Mangels. Außerdem stünden Windkraftanlagen meist abseits, in eher unbewohnten Gebieten. Kupferdiebe könnten da leichter unentdeckt bleiben. "Die wissen genau, was sie tun", sagt Mangels.

Nach Angaben des LKA werden die meterlangen Kabelabschnitte von der Isolation getrennt oder im Ganzen an Schrotthändler verkauft oder zur Schrottverwertung ins Ausland gebracht und dort zu Geld gemacht. Um die tonnenschwere Beute abzutransportieren, nutzen die Täter meist kleine Transporter oder Pritschenwagen – manchmal sogar ganze Lkw.

Für die Täter scheine dies ein lukratives Geschäft zu sein, heißt es beim LEE. Der Verband weist auf den aktuellen Kupferpreis von rund 9800 Euro pro Tonne Kupfer hin.

Problematisch ist aus Sicht der Windparkbetreiber nicht nur der Kupferverlust, sondern mehr noch die Folgekosten, die durch die Diebstähle entstehen. "Die Schadenssumme liegt schnell bei 250.000 bis 300.000 Euro", teilt ein LEE-Verbandssprecher mit. Denn nach einem Kupferklau seien die Windkraftanlagen nicht mehr funktionstüchtig und müssten repariert werden.

Es dauere teils mehrere Monate, bis ein Windrad wieder in Betrieb gehen könne, sagt Projektierer Mangels. Servicetechniker müssten bestellt, Materialien beschafft und die Kabel schließlich ganz neu eingezogen werden. Dann muss die Anlage zunächst in einen Probebetrieb, um danach einen reibungslosen Dauerbetrieb sicherzustellen. Neben den Reparaturkosten kommt für die Betreiber auch noch ein Ertragsausfall hinzu.

Polizei rät zu mehr Schutz

Die Polizei in Meppen, zuständig für das Emsland, wo es zuletzt zu mehreren Diebstählen kam, rät Windparkbetreibern deshalb, mehr für den Schutz der Anlagen zu tun. "Wir empfehlen daher, verstärkte Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und insbesondere die Überwachung Ihrer Anlagen zu intensivieren", heißt es in einem Schreiben der Beamten. Dazu zählten etwa zusätzliche Kameras oder Bewegungsmelder, die Installation von Alarmanlagen und regelmäßige Kontrollen, um Schwachstellen zu entdecken.

Windparkbetreiber Mangels sagt, angesichts der vielen Einbrüche sicherten immer mehr Betreiber ihre Anlagen entsprechend stärker ab. Neben Kameraüberwachung und Alarmanlagen gehe es auch um Sicherheitspersonal, das bei Alarmmeldungen schnell vor Ort sei. "So versuchen wir uns, davor zu schützen", sagt Mangels. Auch Baustellen kämen längst nicht mehr ohne Wachschutz aus. (mit dpa)

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