Rund um den Hotspot für Rechenzentren in Frankfurt am Main werden die Netzanschlüsse knapp. (Symbolbild)

Rund um den Hotspot für Rechenzentren in Frankfurt am Main werden die Netzanschlüsse knapp. (Symbolbild)

Bild: © Sebastian Gollnow/dpa

Vom Boom der künstlichen Intelligenz kann der Frankfurter Netzbetreiber Syna ein Lied singen: Die Nachfrage nach Netzkapazitäten für Rechenzentren im Rhein-Main-Gebiet lag im ersten Halbjahr bei etwa 800 Megawatt (MW) zusätzlich. Das entspricht etwa der Spitzenlast Frankfurts.

Damit übertrifft sie die derzeit kurzfristig verfügbaren Anschlusskapazitäten im Netzgebiet des Unternehmens deutlich. "Deshalb arbeiten wir auch gemeinsam mit den vorgelagerten Netzbetreibern intensiv daran, perspektivisch zusätzliche Kapazitäten für die Region zu schaffen", sagt der Technische Geschäftsführer Edwin Schick.

Dabei ist die Region Rhein-Main schon heute Hotspot der Branche. 25 Rechenzentren stehen allein bei der Netztochter der Süwag unter Vertrag. Ziehen alle volle Leistung, steigt die Spitzenlast in Summe um 1600 MW. Zum Vergleich: Die aktuelle Jahreshöchstlast liegt bei gut 1300 MW.

Wer jetzt neu anfragt, kann nach Schicks Worten deshalb kurzfristig nicht bedient werden und muss voraussichtlich bis Anfang oder Mitte der 2030er-Jahre planen. "Der genauere Zeitraum hängt vom Ausbau des vorgelagerten Übertragungsnetzes ab, der wiederum stark durch externe Faktoren beeinflusst wird."

Reservierungen nach dem Handtuch-Prinzip

Damit sich niemand Kapazität auf Vorrat sichert, setzt die Syna auf Stufen: Erreicht ein Kunde 75 Prozent seiner vereinbarten Leistung, prüft sie die nächste Erweiterung. So will das Unternehmen Reservierungen nach dem "Handtuch-Prinzip" vermeiden, bei dem Betreiber Kapazitäten sichern, die sie noch nicht brauchen. Im kommenden Jahr führt die Syna zudem ein Punkteverfahren ein, wie es andere Netzbetreiber im Eon-Konzern bereits erproben.

Kleingewerbe und Wärmepumpen sollen sich weiter anschließen dürfen. Ihre Zahl wächst: 2025 gingen rund 3000 Wärmepumpen neu ans Netz, etwa 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kamen 21.000 Anfragen für Photovoltaik-Anlagen (PV). Bei Ladeeinrichtungen für Elektroautos stieg die Zahl der Anschlüsse 2025 um etwa 24 Prozent auf 5100.

Die Syna unterscheidet sich von vielen Nachbarn im Norden. Mario Beck, Kaufmännischer Geschäftsführer, beschreibt ein Gebiet, in dem Verbraucher deutlich mehr Strom beziehen, als Anlagen einspeisen. Die Lastspitze erreichte 2025 und erneut in diesem Jahr rund 1000 MW. Die Syna ist damit ein Gegenpol zu norddeutschen Netzbetreibern, wo Wind- und Solarstrom überwiegt.

Hohe Investitionen in die IT

Der Ausbau erhöht aber auch den Kommunikationsaufwand. Beim standardisierten Austausch zwischen Netzbetreibern, Lieferanten und Messstellenbetreibern verschickt die Syna mehr als 160 Millionen Nachrichten im Jahr, fast zehnmal so viele wie 2020. Ein erheblicher Teil der Investitionen fließt deshalb in die Informationstechnik.

Beim Pflicht-Rollout intelligenter Messsysteme lag die Syna Ende 2025 bei 33 Prozent. Unter den Netzbetreibern in der Fläche steht sie damit vorn, insgesamt nur hinter dem Stromnetz Berlin, das als Stadtnetzbetreiber allerdings andere Voraussetzungen hat.

Fortschritte gibt es auch beim Einbau digitaler Ortsnetzstationen. "Jede Investition in digitale Ortsnetzstationen senkt die operativen Kosten für unsere Kunden", sagt Beck. So sei es kürzlich dank der Datenverfügbarkeit gelungen, eine defekte Station binnen 48 Stunden auszutauschen.

Streit um die Verzinsung

Damit steigen jedoch auch die Aufwendungen. Im vergangenen Jahr investierte die Syna insgesamt 311 Millionen Euro in ihre Netze, 2021 war es noch ein Drittel davon. Im Mittel sollen es weiter rund 300 Millionen Euro jährlich bleiben. Das funktioniere aber nur mit angemessenem Zins.

Die Bundesnetzagentur schlägt für Gasnetze einen Gesamtkapitalzinssatz (Weighted Average Cost of Capital, WACC) von 3,76 Prozent vor. Beck hält das für zu niedrig, weil der Satz unter dem Niveau langfristiger deutscher Bundesanleihen liege. Eine konkrete Summe ließ sich der kaufmännische Geschäftsführer allerdings nicht entlocken.

Der Branchenverband der Gasnetzbetreiber FNB Gas fordert 5,51 Prozent. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) halten vor allem den Eigenkapitalzins von 5,76 Prozent für zu niedrig. Die Syna-Geschäftsführer hoffen, dass der Gasnetzzins kein böses Omen für den kommenden Stromnetzzins ist.

Mehr dazu hier: Gasnetz-Zins: Wie weit Netzagentur und Branche noch auseinanderliegen

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