Die gestiegenen Redispatch-Maßnahmen im Verteilnetz verdeutlichen erneut, dass der Netzausbau beschleunigt werden muss. (Symbolbild)

Die gestiegenen Redispatch-Maßnahmen im Verteilnetz verdeutlichen erneut, dass der Netzausbau beschleunigt werden muss. (Symbolbild)

Bild: © by-studio/Adobe Stock

Erstmals in einem Quartal verursacht das Verteilnetz den größeren Teil des Redispatchs aus erneuerbaren Energien. Das meldet die Bundesnetzagentur in ihrem Bericht zum Netzengpass-Management im zweiten Quartal 2026.

Demnach entfallen 52 Prozent der Redispatch-Menge auf Engpässe im Verteilnetz, 48 Prozent auf das Übertragungsnetz. Im vergangenen Jahr lag das Verteilnetz noch bei 49 und das Übertragungsnetz bei 51 Prozent – und im zweiten Quartal 2024 waren es nur 29 Prozent aus dem Verteilnetz. 

Mehr dazu lesen Sie hier: Solarstrom-Abregelung steigt um 97 Prozent – Redispatch-Zahlen 2025 veröffentlicht 

Der Trend zeichnet sich schon länger ab, das stellt auch die Bundesnetzagentur fest: Schon im gesamten Jahr 2025 stammte rund ein Drittel der Redispatch-Maßnahmen bei erneuerbaren Energien aus dem Verteilnetz, im Vorjahr etwa ein Viertel.  

PV-Abregelung wächst weiter 

Die Verschiebung hat laut Bundesnetzagentur eine klare Ursache: Die PV-Einspeisung verändert die Netzflüsse. Das Volumen der Redispatch-Maßnahmen mit PV-Anlagen liegt bei 1124 Gigawattstunden (GWh). Das sind vier Prozent weniger als im Vorjahresquartal, aber fast doppelt so viel wie im zweiten Quartal 2024 mit 607 GWh.  

Bei Windkraft sinkt das Volumen: Für Offshore-Anlagen liegt es bei auf 415 GWh, das sind 28 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Die Bundesnetzagentur führt das auf weniger Wind und auf Ost-West-Lastflüsse zurück, auf die Offshore-Windparks kaum Einfluss haben.  

Gesamtvolumen sinkt, Kosten steigen 

Das gesamte Maßnahmenvolumen im Netzengpassmanagement sinkt um rund zehn Prozent auf 5263 GWh. Die vorläufigen Kosten steigen dagegen leicht von 659 auf 673 Millionen Euro. Haupttreiber sind die höheren Vorhaltekosten der Reservekraftwerke, die um 17 Prozent zulegen. Die Kosten für Redispatch mit konventionellen Kraftwerken steigen um 11 Prozent auf 199 Millionen Euro, unter anderem wegen höherer Brennstoff- und Großhandelspreise.  

Der finanzielle Ausgleich für abgeregelte Ökostrom-Anlagen sinkt verglichen mit dem Vorjahresquartal um 21 Prozent auf 126 Millionen Euro. Der Grund dafür sind geringere Abregelungsvolumina und gestiegene Großhandelspreise. Sie lagen im zweiten Quartal 2026 36 Prozent über den Vorjahrespreisen: bei 95 statt 70 Euro je Megawattstunde. Höhere Marktpreise verringern die Marktprämie.  

Stadtwerke müssen Verteilnetze ausbauen 

Für die Verteilnetzbetreiber ist die Entwicklung auch deswegen problematisch, weil sie Reduzierungen nicht selbst ausgleichen können. Den bilanziellen Ausgleich übernehmen die Bilanzkreisverantwortlichen. Die Bundesnetzagentur hatte schon 2025 gewarnt, dass der Ausbau der Verteilnetze mit dem Zubau von Solarstrom nicht Schritt hält. 

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