„Der Kunde soll möglichst vollautomatisch von der Direktvermarktung profitieren“, berichtet Produktmanager Nikolas Rommeiß.

„Der Kunde soll möglichst vollautomatisch von der Direktvermarktung profitieren“, berichtet Produktmanager Nikolas Rommeiß.

Bild: © Halfpoint/AdobeStock

Die Stadtwerke Konstanz wollen den Solarausbau weiter vorantreiben. Dazu hat das kommunale Unternehmen kürzlich eine Solar-Freiflächen-Potenzialanalyse vorgelegt, um schnell neue Anlagen errichten zu können.

"Solarenergie ist die wirtschaftlichste Technologie mit großem Potenzial zur regenerativen Stromerzeugung in Konstanz", sagt Gordon Appel, der den Bereich Energiedienstleistungen bei den Stadtwerken verantwortet.

Die gemeinsame "Solaroffensive" der Stadtwerke und der Stadt zeige dabei bereits Erfolge: Bis September 2023 seien insgesamt 2376 Anlagen in Betrieb genommen werden, wie der Versorger mitteilt. Demnach wurden 2023 bereits 553 Anlagen in Betrieb genommen. Im Jahr 2018 waren es noch 49 Anlagen gewesen.

Markt verändert

Die Leistung der 2376 Anlagen in Konstanz beträgt bislang rund 25 MWp (Megawattpeak). 2022 wurden rund 1,7 MWp in Betrieb genommen. Im laufenden Jahr waren es bis zum 20. September bereits 4,3 MWp, heißt es.

Der Aufschwung soll dabei auch an den veränderten Marktbedingungen liegen. "Der Krieg in der Ukraine hat die Solaroffensive fast zum Selbstläufer gemacht", sagt Appel. "Die Nachfrage nach alternativen Energien ist stark gestiegen."

Neues Beteiligungsportfolio

Die Stadtwerke wollen den Ausbau der PV dabei durch geeignete Instrumente fördern. So hat der kommunale Versorger bereits 2021 mit dem Beteiligungsportfolio "Sonnenkraft I" den Solarausbau forciert. Das Volumen von 520.000 Euro wurde für die Errichtung von 13 PV-Dachanlagen mit einer Leistung von rund 720 kWp (Kilowattpeak) verwendet, heißt es weiter.

Derzeit planen die Stadtwerke demnach ein weiteres Beteiligungsportfolio, das eine attraktive Verzinsung enthalten und bis Ende des Jahres platziert werden soll. Das Emissionsvolumen über rund eine Mio. Euro soll für die Installation von 15 PV-Dachanlagen mit einer Leistung von rund 1 MWp verwendet werden.

Agri-PV noch unwirtschaftlich

Die in Konstanz möglichen PV-Dachanlagen reichen jedoch bei weitem nicht aus, um die Klimaschutzziele der Stadt zu erfüllen. Die Stadtwerke möchten daher möglichst schnell vergleichsweise leichter realisierbare PV-Anlagen auf Freiflächen umsetzen. Aktuell seien PV-Anlagen über Parkplätzen, Straßen oder Agrarflächen (Agri-PV) noch unwirtschaftlich, so der Versorger.

Die bisher in der Öffentlichkeit diskutierten Anlagen seien fast alle Pilotprojekte. "Sie beschäftigen sich zum Beispiel mit Themen der Landwirtschaft, unter anderem welche Kulturen überhaupt unter Agri-PV-Anlagen wachsen. Diese Projekte sind noch weit weg von einer Standardisierung", erläutert Appel.

Das Thema Agri-PV nehme zwar langsam Fahrt auf, doch würden sich konkrete Projekte derzeit ohne hohe Förderungen meist noch nicht rechnen. Zudem sei eine intensive Zusammenarbeit zwischen Landwirt und dem Errichter der PV-Freiflächenanlage notwendig.

Rund zwei Jahre Verfahrensdauer

Generell ist es aus Sicht der Stadtwerke wichtig, mit möglichst vielen Flächen in das Verfahren zu starten, um den nötigen Solar-Ausbau in der dringend gebotenen Schnelligkeit zu schaffen. "Es macht keinen Sinn, Ackerflächen jetzt schon auszuschließen oder nachrangig zu betrachten", so Appel. "Mit der Potenzialanalyse haben wir jetzt einige Flächen, die zügig im Rahmen der Projektentwicklung bearbeitet werden können."

Die Stadtwerke rechnen dabei mit einem gesamten Verfahrenszeitraum von etwa zwei Jahren, von der Flächenakquise über die Baugenehmigung bis zum Bau selbst. Die Ausweisung von Flächen in Schutzgebieten dürften laut dem Unternehmen dagegen längere Verfahren mit sich bringen.

Fokus auf größere Anlagen

Geschwindigkeit beim Ausbau ist dabei geboten: Denn die Konstanzer Klimaschutzstrategie sieht einen PV-Zubau von 10 MWp pro Jahr vor. Stichtag ist hierbei der 20.09. Da die Stadtwerke im Jahr 2023 bereits Dachanlagen von rund 4,3 MWp errichtet haben, fehlen noch rund 5 MWp.

"Um diese Ziellücke zu schließen, sollten die vorhandenen, insbesondere personellen Ressourcen, dort eingesetzt werden, wo größere Freiflächenanlagen realisiert werden können", betont Appel. Die Stadtwerke wollen sich deshalb auf Freiflächenanlagen mit mindestens 2 Hektar Größe konzentrieren, was Anlagen mit einer Spitzenleistung von 2 MWp ermögliche.

Mindestgröße für Potenzialstudie

Demnach sollen die vorhandenen personellen Ressourcen dort eingesetzt werden, wo größere Anlagen realisiert werden können. Sowohl personelle Ressourcen als auch Netzanschluss- und Planungskosten seien bei kleineren Anlagen, beispielsweise 1 Hektar (etwa 1 MWp), fast identisch, heißt es.

Zudem müssten für Potenzialstudien zwingend Rahmenparameter festgelegt werden. Andere Studien verwendeten demnach 3 Hektar oder mehr. Mit 2 Hektar liege die verwendete Mindestgröße in der Potenzialstudie schon relativ niedrig, so Appel weiter.

Keine Floating-PV auf dem Bodensee

Auf PV-Anlagen auf Wasserflächen des Bodensees müssen die Stadtwerke Konstanz dabei aber wohl verzichten. Dem Unternehmen liegt aktuell eine Beurteilung durch das Landratsamt Konstanz vor. Sie kommt zum Ergebnis: "Der Errichtung von Floating-PV-Anlagen auf dem Bodensee kann nicht zugestimmt und die für derartige Anlagen zwingend erforderliche wasserrechtliche Erlaubnis nicht in Aussicht gestellt werden."

Entscheidend für den Ausbau von PV-Freiflächen seien zudem auch ausreichende Netzanschlüsse. "Daher ist es entscheidend, zunächst die Potenzialanalyse durchzuführen und entsprechende Beschlüsse zu fassen", resümiert Appel. "Erst dann können die Ergebnisse in die Zielnetzplanung Strom einfließen und die Netze gezielt verstärkt sowie Trafostationen errichtet werden." (jk)

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