"Im nächsten Schritt sollen Solarparks bis zu 25 Prozent unseres Gesamtportfolios ausmachen", sagt Thomas Walther, Geschäftsführer der Thüga Erneuerbare Energien (THEE).

"Im nächsten Schritt sollen Solarparks bis zu 25 Prozent unseres Gesamtportfolios ausmachen", sagt Thomas Walther, Geschäftsführer der Thüga Erneuerbare Energien (THEE).

Bild: © Thüga

Herr Walther, die Thüga Erneuerbare Energien (THEE) betreibt mittlerweile sechs Solarparks in Deutschland. Nach welchen Kriterien haben Sie das bisherige Solarportfolio zusammengestellt?
Thomas Walther: Letztendlich haben wir die Projekte erworben, bei denen die wirtschaftlichen Rahmenparameter für uns gepasst haben. Mit Parabel Solar haben wir uns auf grundsätzliche Eckdaten verständigt, die pragmatische Transaktionen im Bereich der 750 kWp-Projekte ermöglichen. Für fünf Projekte haben wir das bereits erfolgreich realisiert. Ein klarer Gewinn für beide Seiten.

Sie arbeiten an den nächsten Projekten. Wie groß ist die Pipeline an möglichen neu zu erwerbenden Objekten noch? Wird es in diesem Jahr noch weitere Zuwächse geben?
Die momentane Marktsituation macht einen geplanten Zukauf bzw. Ausbau einer Pipeline nicht gerade einfach. Wir sind weiterhin aktiv auf der Suche und guter Dinge, dass in diesem Jahr noch das ein oder andere Projekt dazu kommt. Letztendlich geht es aber immer darum, dass wir für unsere Gesellschafter eine gute, langfristig sichere Rendite erzielen wollen. Da tritt die Erfüllung von reinen MW-Zielen in den Hintergrund.

Wie sehr trägt der Erwerb der Solarparks bereits zur Diversifizierung des Erneuerbaren-Portfolios der Thüga bei?
Die installierte Solarleistung macht bei uns im Portfolio aktuell lediglich knapp vier Prozent aus. Von einer echten Diversifizierung sind wir da noch ein gutes Stück entfernt. Im nächsten Schritt sollen Solarparks bis zu 25 Prozent unseres Gesamtportfolios ausmachen. Spannend wird es dann, wenn wir in Großprojekte außerhalb des EEG gehen werden. In den kommenden zwei bis drei Jahren ist es durchaus realistisch, dass unser Portfolio zu mehr als 50 Prozent aus Solaranlagen bestehen wird.

Plant die THEE in absehbarer Zeit selber mit eigenen Solarprojekten an Ausschreibungen teilzunehmen?
Wir haben mit dem ein oder anderen Stadtwerk aus der Thüga-Gruppe Ansätze für Solarprojekte, die in den kommenden 12-18 Monaten in die Ausschreibung gehen können. Unser Hauptaugenmerk liegt allerdings aktuell auf Großprojekten außerhalb des EEG.

Wie gut sind aktuell die Möglichkeiten, bestehende Solarparks am Markt zu erwerben?
Mit wieder zunehmendem Druck auf die Auktionspreise werden sich unserer Einschätzung nach die Chancen auf den Erwerb schlüsselfertiger Solarprojekte verbessern, da der EEG-Tarif wahrscheinlich eher als Grundabsicherung bewertet wird. Wir als EE-Plattform der Thüga-Gruppe haben sicherlich interessante Möglichkeiten über PPAs Abnahmepreise oberhalb der EEG-Zuschläge zu bieten und so bei Projekten einen attraktiven Preis zu zahlen und gleichzeitig die Renditen für uns zu heben.

Wie bewerten Sie aktuell allgemein die Rahmenbedingungen und Perspektiven für einen weiteren Solarausbau in Deutschland?
Die spezifischen Gestehungskosten für Strom aus Solaranlagen sind inzwischen schon im Bereich der Netzparität angekommen. Das heißt, Solarstrom kostet die Verbraucher nicht mehr als konventionell erzeugter Strom. Der Ausbau von Solar hat zwar grundsätzlich einen höheren Flächenbedarf pro MW als Wind, hat dafür aber deutlich weniger Schwierigkeiten im Genehmigungsverfahren. Die Umweltthemen sind einfacher und die Akzeptanz in der Bevölkerung ist höher. Solarenergie ist als Ergänzung zum weiteren, dringend notwendigen Ausbau der Windenergie unverzichtbar, um die Klimaziele zu erreichen und den langfristigen Umbau auf 100 Prozent erneuerbare Energien voranzubringen. Wir werden beide Technologien weiterhin mit viel Engagement umsetzten.

Künftig soll neben dem Kauf schlüsselfertiger Anlagen auch die eigene Entwicklung großer Solarparks forciert werden. Was ist der Grund für diesen Strategiewechsel?
Für den Windenergiebereich entwickeln wir bereits seit einigen Jahren erfolgreich Projekte selber. Es ist daher weniger ein Strategiewechsel als vielmehr eine sinnvolle und logische Weiterentwicklung, dass wir dieses Know-how nun auch bei der Entwicklung großer Solarprojekte nutzen wollen. Unsere momentanen Projektansätze liegen von der Größenordnung zwischen fünf und 100 MW. Es geht also sowohl um Projekte für die Ausschreibungen, als auch um Projekte ohne EEG-Vergütung.

Sie betonen in der jüngsten Pressemitteilung die energiewirtschaftliche Kompetenz der Thüga-Familie im Solarbereich. Wie wollen Sie konkret davon profitieren und planen Sie konkrete PV-Freiflächenanlagen in Zusammenarbeit mit einzelnen oder mehreren Stadtwerken?
Grundsätzlich entwickeln wir Wind- und Solarprojekte nicht abhängig von einzelnen Stadtwerken, sondern dort, wo es ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist. Natürlich nehmen wir gerne die Unterstützung von Stadtwerken aus unserem Gesellschafterkreis oder aus der ganzen Thüga-Gruppe mit. Dabei geht es schon lange nicht mehr nur um eine gute Vernetzung und hohe Akzeptanz vor Ort. Es geht auch um glaubwürdige Bürgerbeteiligungsmodelle und echte regionale Grünstromtarife. Mehr Kompetenz als über 150 Jahre Thüga und rund 100 Stadtwerke kann ich mir kaum vorstellen. Zumal eine ganze Reihe dieser Stadtwerke schon seit vielen Jahren im Solarbereich aktiv ist. Das geht von Aufdachanlagen über Freiflächen-Solarprojekte bis hin zu Mieterstrom-Modellen.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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