Die baden-württembergische Gemeinde Schlier arbeitet zusammen mit der neugegründeten iQ-GmbH. Die Gesellschaft wurde recht frisch von der EnBW und den Technischen Werken Schussental (TWS) ins Leben gerufen. Die Bohrgeräte sind bereits im Einsatz und schaffen die Voraussetzung für die Kalte Nahwärmeversorgung Neubaugebiet "Am Bergle", wie die TWS mitteilt.
Bei der Kalten Nahwärme handelt es sich um ein Versorgungsnetz, das mit Vorlauftemperaturen zwischen sieben und 14 Grad arbeitet. Das sind rund 30 Grad weniger als in konventionellen Wärmenetzen. "Das funktioniert auch bei klirrender Kälte zuverlässig – das Haus und Duschwasser werden mollig warm", erläutert Wärmespezialist Thomas Booch. Er führt mit seinem Kollegen Achim Lotter die Geschäfte der iQ-GmbH.
Geothermische Bohrung in 150 Meter Tiefe
Gemeinsam mit der Gemeinde Schlier und der Kommunalverwaltung haben sie die Lösung entwickelt. Hauptenergiequelle ist eine geothermische Bohrung in 150 Meter Tiefe. Sie erwärmt sich dort, wird an die Oberfläche gefördert und nimmt auf dem Weg zu den Gebäuden zusätzlich Umgebungswärme aus dem Erdreich auf.
In den Gebäuden übernimmt dann eine Wärmepumpe die Energie und macht diese für Raumheizung und Warmwasserbereitung nutzbar. Die gesamte technische Ausstattung ist Teil der Leistung, die die Nutzer erhalten. Auch umgekehrt funktioniert das Prinzip: Künftige Bewohner des Quartiers haben die Möglichkeit, ihr Haus im Sommer zu kühlen.
Zusätzlicher Sonnenstrom vom eigenen Dach
Außerdem wird jedes Gebäude im Quartier mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet. Die Module sind so dimensioniert, dass die Haushalte und die angeschlossenen Wärmepumpen einen Großteil ihres Jahresstromverbrauchs hierüber decken können. Auch der Betrieb eines eigenen Stromladepunktes für E-Fahrzeuge ist so möglich.
Um Details kümmert sich die von der Kommune beauftragte iQ-GmbH. Dazu gehört auch die jährliche Verbrauchs- und Einspeiseabrechnung der Solaranlagen. Damit soll es für die Bewohner auch langfristig kostengünstig bleiben. Dazu trägt auch die Projektförderung des Bundes bei: Maximal 750.000 Euro gibt das Bundeswirtschaftsministerium dazu.
Workshop für Interessenten
"Das ist ein echter Meilenstein für unsere Gemeinde. Hier haben wir mit unseren Partnern etwas entwickelt, auf das andere Kommunen interessiert schauen", freut sich Schliers Bürgermeisterin Katja Liebmann. Sie organisierte in Corona-Zeiten kurzerhand ein Online-Seminar mit den Projektpartnern.
Rund 110 Interessenten nahmen daran teil und konnten wichtige Fragen klären. Die Aufzeichnung stellt die Gemeinde auf einer speziellen Website des Neubauquartiershttps://quartier-am-bergle-schlier.de zur Verfügung. (gun)
