2.836 Gemeinden hatten zum 30. Juni 2026 ihre Wärmeplanung abgeschlossen. Das sind doppelt so viele wie noch Ende 2025, wie aus der aktuellen Halbjahresauswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hervorgeht. Weitere 4.419 Kommunen arbeiten derzeit an einem Wärmeplan.
Damit haben rund zwei Drittel der Gemeinden den Prozess bereits abgeschlossen oder begonnen. 56 Prozent der Bevölkerung leben inzwischen in einer Kommune mit fertigem Wärmeplan.
Wärmenetze und Wärmepumpe decken vier Fünftel des Bedarfs
Doch die neue Dynamik ist kein Beweis dafür, dass die Wärmewende gelingt. Denn zur selben Zeit liegen zwei weitere Auswertungen vor, die den Inhalt der Pläne unter die Lupe nehmen. Und die dabei an mehreren Stellen Lücken finden, die Stadtwerke, Kommunen und Investoren in den nächsten Jahren schließen müssen.
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (Fraunhofer ISE) und das Öko-Institut haben rund 380 kommunale Wärmepläne ausgewertet, die zusammen etwa 940 Kommunen umfassen. Der Befund: Wärmepumpen und Wärmenetze bilden das gemeinsame Rückgrat der kommunalen Wärmewende.
Bis 2045 sollen laut den Kommunen Wärmepumpen rund 42 Prozent der Wärmeversorgung abdecken, die leitungsgebundene Wärmeversorgung rund 37 Prozent. Zusammen werden beide Technologien damit fast vier Fünftel des geplanten Wärmebedarfs abdecken.
"Damit haben die Kommunen eine gute Grundlage für ihre Infrastrukturplanung – vom Ausbau der Strom- und Wärmenetze bis zum künftigen Umgang mit den Gasverteilnetzen", sagt Marc Stobbe, Energieexperte am Öko-Institut. Die Richtung sei damit weitgehend gesetzt. Was noch fehle, sei die Absicherung der Annahmen, die hinter diesen Zahlen stehen.
Großstädte und kleine Kommunen unterscheiden sich stark
Dabei fällt zunächst auf, dass die Planungen je nach Kommunengröße deutlich unterschiedliche Wege gehen. Kleinere Kommunen setzen stärker auf dezentrale Wärmepumpen; größere und dichter bebaute Städte planen häufiger mit Wärmenetzen.
In Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern liegt der geplante Wärmenetzanteil für 2045 bei rund 43 Prozent. In Kommunen mit weniger als 10.000 Einwohnern kommen Wärmepumpen auf rund 46 Prozent, Wärmenetze dagegen nur auf 23 Prozent.
Vielen Wärmenetzen fehlt der Erzeugungsplan
Gerade beim Wärmenetzausbau zeigt sich allerdings ein Widerspruch: Bereits heute verfügen 71 Prozent der untersuchten Kommunen über mindestens ein Wärmenetz. Bis 2035 soll dieser Anteil auf 95 Prozent steigen. Gleichzeitig fehlen in mehr als der Hälfte der Wärmepläne konkrete Angaben dazu, wie die Wärmeerzeugung für die Netze zukünftig erfolgen soll.
"Immer mehr Kommunen setzen auf Wärmenetze, allerdings fehlen in mehr als der Hälfte der Wärmepläne Angaben dazu, wie die Wärmeerzeugung für die Wärmenetze zukünftig erfolgen soll", sagt Jessica Thomsen, Projektleiterin am Fraunhofer ISE.
Dort, wo Angaben vorliegen, ist die häufigste Kombination eine aus Wärmepumpen und biogenen Energieträgern. Ergänzt wird sie durch lokale Quellen wie industrielle Abwärme und Geothermie. Für Stadtwerke bedeutet das: Die Netzplanung schreitet voran, die Erzeugungsplanung hinkt hinterher.
Sanierungsrate: Annahme trifft auf Wirklichkeit
Eng damit verbunden ist die erste große Lücke vieler Wärmepläne: die Annahmen zur Gebäudesanierung. Über alle ausgewerteten Kommunen hinweg rechnen die Pläne mit einem Rückgang des Endenergiebedarfs für Wärme bis 2045 um rund 32 Prozent. Zwei Drittel der untersuchten Kommunen setzen dafür eine jährliche Sanierungsrate voraus, die über dem historischen Vergleichswert liegt.
Tatsächlich lag die Sanierungsquote für Wohngebäude 2025 nach BBSR-Angaben bei weniger als einem Prozent. Viele Großstädte kalkulieren dagegen mit zwei Prozent pro Jahr. "Viele Wärmepläne setzen Sanierungsraten voraus, die deutlich über dem heutigen Niveau liegen", sagt Andrea Arnold-Drmic vom BBSR. Ob diese Annahmen erreicht werden könnten, hänge wesentlich von Investitionen, den verfügbaren Fachkräften und den Kapazitäten im Baugewerbe ab.
Die Forschenden von Fraunhofer ISE und Ökoinstitut empfehlen deshalb, bei der Infrastrukturplanung auch weniger ambitionierte Sanierungsverläufe zu berücksichtigen. Denn wer Netze und Erzeugungsanlagen allein auf der Grundlage hoher Einsparziele dimensioniert, riskiert eine Fehlplanung.
Biomasse: Wo das lokale Potenzial nicht reicht
Auch der geplante Einsatz biogener Energieträger gibt Anlass zur Vorsicht. In 63 Prozent der untersuchten Kommunen übersteigt der für 2045 geplante Verbrauch biogener Energieträger das jeweils lokal ausgewiesene Potenzial. Aufsummiert über alle ausgewerteten Pläne liegt der geplante Verbrauch fast 40 Prozent über den ausgewiesenen Potenzialen.
Die Kommunen setzen dabei teilweise darauf, Biomasse aus anderen Regionen oder dem Ausland beziehen zu können. Was im Einzelplan noch plausibel erscheint, kann in der Summe nicht aufgehen: Wenn viele Kommunen gleichzeitig auf externe Biomassezufuhr setzen, entstehen Nutzungskonkurrenzen.
Hinzu kommt, dass die Wärmepläne unterschiedliche Begriffe und Abgrenzungen für Biomassepotenziale verwenden. Nicht immer ist nachvollziehbar, welche Reststoffe und Holzsortimente einbezogen werden.
Prozesswärme bleibt ein blinder Fleck
Die dritte Lücke betrifft die industrielle Wärmeversorgung. Für rund zwei Drittel der untersuchten Kommunen enthalten die Wärmepläne zwar Angaben zum Wärmebedarf von Industrie sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen; in diesen Kommunen liegt dieser Anteil im Durchschnitt bei rund 27 Prozent. In stark industriell geprägten Kommunen kann er sogar die Hälfte des gesamten Wärmebedarfs übersteigen.
Dennoch unterscheiden die Pläne nur selten zwischen Raumwärme, Warmwasser und industrieller Prozesswärme. Das hat Folgen: Weder die erforderlichen Temperaturniveaus noch die zukünftige Deckung des Prozesswärmebedarfs lassen sich zuverlässig bestimmen.
Das ist insbesondere für die Abschätzung des künftigen Wasserstoffbedarfs relevant. Insgesamt spielt Wasserstoff in den kommunalen Zielbildern bislang nur eine ergänzende Rolle: Rund zwei Drittel der untersuchten Kommunen sehen für 2045 keinen Wasserstoffeinsatz vor.
Wann Netze und Anlagen folgen
Zwar hat die kommunale Wärmeplanung ihren ersten Auftrag erfüllt: Sie hat flächendeckend Orientierung geschaffen, welche Technologien künftig die Wärmeversorgung tragen sollen. Doch mit den Plänen beginnt die eigentliche Herausforderung erst.
Justus Thiele, Autor des BBSR-Berichts, sieht durchaus Grund zum Optimismus: "Die kommunale Wärmeplanung hat bundesweit deutlich an Dynamik gewonnen." Ob daraus rechtzeitig Netze, Anlagen und sanierte Gebäude entstehen, entscheidet sich jedoch nicht mehr im Plan, sondern in den nächsten Investitions- und Baujahren.