Die Förderanträge für Wärmepumpen sind in den vergangenen Monaten stark eingebrochen und liegen aktuell ungefähr auf dem Niveau vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine. Wenn es mit dem, von der Bundesregierung ausgewiesenen Ziel von 500.000 Wärmepumpen pro Jahr klappen soll, dann muss sich etwas ändern. Das Beratungsunternehmen PwC hat hierzu im Auftrag des Bundesverbandes Wärmepumpe entsprechende Empfehlungen für die Politik erarbeitet.
Konkret identifiziert die Studie „Der Wärmepumpenhochlauf nach der Heizungsdebatte“ zwei große Handlungsfelder: die Steigerung der Wärmepumpen-Nachfrage und die Rahmenbedingungen für die Produktion.
Mehrwertsteuer auf Wärmepumpen-Strom senken
Wie auch viele andere Branchenverter:innen identifiziert PwC den hohen Strompreis als Hemmnis für den deutschen Wärmepumpen-Hochlauf. So sollte das Verhältnis der Strom- und Gaspreise dem internationalen Durchschnitt angepasst werden. In vorbildhaften europäischen Ländern liege der Strompreis stehts unterhalb des 2,5-fachen von Erdgas, heißt es in der Studie. Senken ließe sich der Strompreis über eine Reduzierung der Stromsteuer auf das europäische Minimum von 0,1 Cent pro kWh für Privatverbraucher:innen.
Darüber hinaus sollte die Mehrwertsteuer auf Wärmepumpen-Strom von derzeit 19 Prozent vorübergehend auf sieben Prozent reduziert werden. Neben den Entlastungen beim Strompreis sieht PwC auch Verbesserungsbedarf bei der Förderkulisse. Diese müsse einfacher gestaltet und klar kommuniziert werden. Außerdem sollte die Reduzierung der förderfähigen Investitionskosten von aktuell 60.000 auf 30.000 Euro überdacht werden.
Level-Playing-Field schützen
Neben der Nachfrage müsse auch die heimische Produktion von Wärmepumpen stärker angekurbelt werden, meint das Beratungshaus. Hierfür sollten Genehmigungsverfahren vereinfacht und beschleunigt werden. Die Errichtung und Ausweitung von Produktionskapazitäten sei aktuell mit komplexen Genehmigungen wie dem EU Environmental Impact Assessment verbunden. Teilweise würden einzelne Verfahren auch voneinander abhängen und von umfangreichen Dokumentationspflichten und Einspruchsmöglichkeiten Dritter begleitet. Das führt zu weniger Planbarkeit für Investor:innen und erschwert den Kapazitätsaufbau.
Hinzu kommt, dass das Level-Playing-Field im globalen Heizungsmarkt durch die Einführung verschiedener Förderprogramme zur Ansiedlung von Clean-Tech-Unternehmen, wie es sie u.a. in den USA gibt, zumindest gefährdet ist. Von der EU initiierte Maßnahmenpakete wie z.B. RepowerEU oder Clean Tech Europe Initiative sollten laut Studienautoren auf nationaler Ebene schnellstmöglich mit konkreten Fördermaßnahmen umgesetzt werden. Möglich wären beispielsweise vergünstigte Kredite oder beschleunigte Abschreibungen, um zusätzliche Investitionen zu ermöglichen und die Liquidität im Markt zu sichern.
Fackräfteoffensive endlich starten
Und nicht zuletzt wird ähnlich wie in andere Branchen der Fachkräftemangel der Flaschenhals der Wärmewende sein. Viele Hersteller haben bereits Schulungsprogramme initiiert, nun geht es darum, dass auch die Fachkräfteoffensive, die von politischer Seite angekündigt wurde, zeitnah umgesetzt wird. Dabei sollte der Quereinstieg aus anderen Berufsgruppen erleichtert werden und auch die Ausbildungsvorgaben müssten strukturiert werden. (lm)
