Von Midjana Mujkanovic
Für Stadtwerke in weniger urbanen Regionen ist die Suche nach qualifiziertem Personal mit besonderen Hürden verbunden – aber auch mit Potenzialen, die städtischen Wettbewerbern häufig fehlen.
"Die ländliche Lage bringt uns sowohl Chancen als auch große Herausforderungen", hebt Katharina Tille von den Stadtwerken Schwäbisch Hall hervor. "Wir profitieren von einem familiären Umfeld, hoher Lebensqualität und starker regionaler Verbundenheit. Aber der Pool der Bewerbenden ist begrenzt – das erhöht den Wettbewerb auch vor Ort enorm."
Ähnlich beschreibt es Timo Engelhardt, Marketing- und Presseverantwortlicher der Stadtwerke Forchheim: "Wir konkurrieren mit Großstädten wie Erlangen oder Nürnberg, die mit besserer Bezahlung und mehr Benefits auftrumpfen."
Hinzu kommen logistische Probleme. Viele junge Menschen in der Region verfügen noch nicht über einen Führerschein. Der öffentliche Nahverkehr deckt nicht alle Einsatzorte ab – ein ernstzunehmender Standortnachteil. Besonders in Bereichen mit Ruf- oder Bereitschaftsdiensten ist das relevant: Damit wird die Mobilitätsfrage schnell zum Ausschlusskriterium.
Erste Kontakte im Kindergarten
Beide Stadtwerke setzen auf einen Maßnahmenmix, der gezielt auf die Bedingungen des ländlichen Raums abgestimmt ist und digitale Ansätze mit lokaler Präsenz verbindet. Während in Forchheim etwa Gemeindeblätter nach wie vor relevant sind, wächst die Bedeutung digitaler Kanäle rasant. Offene Stellen werden online ausgeschrieben, begleitet von Social Media Kampagnen und mobilen Bewerbungsformularen.
"Ein Großteil unserer Einstellungen kommt heute über digitale Wege – unkompliziert, schnell und zielgruppengenau", so Engelhardt. Umso stärker verfolgen beide Unternehmen eine aktive, frühzeitige Ansprache – vor allem im Nachwuchsbereich.
In Schwäbisch Hall beginnt das schon im Kindergarten. Technik zum Anfassen, altersgerecht vermittelt, soll früh Interesse wecken. Die Stadtwerke Forchheim bauen auf starke Schulkooperationen und gemeinsame Ausbildungsprogramme mit Partnern aus der Region. Berufsinformationstage, Girls' Day oder Praktikumsangebote sind dabei Standard – genau wie Events, bei denen sich die Stadtwerke öffnen, etwa bei der "Nacht der Ausbildung", an denen die Stadtwerke Schwäbisch Hall in der Vergangenheit teilnahmen.
Weil bestimmte Berufsbilder nur selten ausgebildet werden, arbeiten Stadtwerke im Ausbildungsbereich überbetrieblich zusammen. So können selbst kleine Unternehmen ein breites Spektrum anbieten. In Forchheim etwa mit den Erlanger Stadtwerken.
Um digitale Möglichkeiten zu nutzen, kommen neben klassischen Jobportalen auch Social Ads auf Linkedin oder Instagram zum Einsatz. Eine mobil optimierte Karriereseite ist inzwischen selbstverständlich. "Viele Bewerbungen erreichen uns heute über das Smartphone", so Engelhardt.
Auch Katharina Tille betont: "Die Hürden müssen so niedrig wie möglich sein." One-Click-Bewerbungen oder schlanke Formulare machen langwierige Bewerbungsprozesse attraktiver. Dabei spielt Authentizität eine große Rolle.
Beide Unternehmen betreiben Employer Branding – mit klarem Profil, ehrlicher Tonalität und authentischen Einblicken in den Arbeitsalltag. Über soziale Medien gelingt Sichtbarkeit genau dort, wo sich die Zielgruppe ohnehin bewegt.
Menschliches Miteinander statt anonymer Konzern
Und wie begegnet man der Konkurrenz durch Konzerne und große Mittelständler? Mit den eigenen Stärken, behaupten beide. Arbeitsplatzsicherheit, Flexibilität, Teilzeitoptionen, familienfreundliche Kultur und ein menschliches Miteinander sind Aspekte, die in Gesprächen mit Bewerbenden immer wieder positiv auffallen.
Engelhardt betont: "Wir punkten mit Nähe, Verlässlichkeit und echter Verantwortung." Auch interne Entwicklung und Weiterbildung spielen eine zunehmende Rolle – vor allem dann, wenn externe Fachkräfte kaum verfügbar sind. Während früher das Bild vom öffentlichen Arbeitgeber im ländlichen Raum als solide, aber wenig dynamisch galt, muss das Unternehmen heute als gestaltende Kraft auftreten.
Für beide Stadtwerke ist klar: Personalgewinnung ist längst keine Nebenaufgabe mehr. "Recruiting ist Teil unserer strategischen Entwicklung", unterstreicht Tille. Denn wer auf dem Land Fachkräfte gewinnen will, muss sich bewegen – digital, kulturell und strukturell. Nähe wird erst dann zum Vorteil, wenn man sie konsequent nutzt.
Der Beitrag ist zuvor in der ZfK-Juli-Ausgabe erschienen. Zum Abo geht es hier.



