"Frauen brauchen kein Empowerment" – der provokante Titel stand stellvertretend für das, was sich Ellen Koch zum Ziel gemacht hat. Als Senderchefin von Sixx, Pro Sieben Maxx, Sat 1 Gold und Kabel Eins Doku verantwortet sie "starke Zielgruppensender", wie sie es selbst beschrieb, versucht dabei aber von klischeehaften Phrasen wegzurücken und stattdessen Diversität insgesamt groß zu schreiben.
"Ich unterstütze Frauen, finde aber, dass ‘Female Empowerment’ wirklich zu einem Bingo-Wort gemacht worden ist. Dabei ist es der wichtigste Shift in unserer Gesellschaft, und ich versuche das über meine Funktion als Senderchefin in unserem Wirkungskreis auch wirklich zu leben", machte sie zu Beginn ihres Vortrags beim ZFK-Frauennetzwerk deutlich. Wie auch in vorherigen Veranstaltungen ging es dabei um die Sichtbarkeit von Frauen und gewährte den Kommunalwirtschaftlerinnen Einblicke darein, wie andere Branchen mit dem Thema umgehen.
Koch betonte: "Für eine Million Menschen dieses Programm zu machen, ist eine Verantwortung. Ich weiß nicht, ob wir sie perfekt wahrnehmen, aber wir geben uns die größte Mühe".
Weg von Stereotypen
Unter Verantwortung, so wurde deutlich, versteht sich dabei vor allem der Anspruch, von Klischees und leeren Worthülsen abzurücken, stattdessen Facettenreichtum und Diversität zu forcieren, wie sie sich auch im realen Leben darstellen. Bewusst betonte Koch in diesem Kontext, dass sich dies längst nicht nur auf klassische Geschlechtermodelle bezieht, sondern auch auf Themen wie Altersdiversität und die bunte Bandbreite an Rollen, die Frauen auf dem Bildschirm einnehmen.
Als Beispiel für "Anti-Stereotype on Screen" führte sie dabei die US-Serie "Grey's Anatomy" an, die bei Sixx ausgestrahlt wird. "In dieser Serie sind die Frauen nicht nur Krankenschwestern, sondern auch Oberärztinnen, die irgendwann das Krankenhaus leiten, während sie trotzdem sämtliche Facetten mit sich tragen: Sie sind die Oberperformer, stehen aber genauso mal heulend im Gemeinschaftsraum", erklärte sie. "Ich finde es ganz toll, dass hier so viele Facetten dargestellt sind und man sich sehr gut in sämtlichen Figuren wiederfinden kann".
Uplifting und Supporting ohne Perfektionismus
Die Serie repräsentiere gut die Vision des Senderprogramms, "dass man nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt, sondern empowert im Sinne von Uplifting und Supporting, ohne Perfektionismus".

Noch deutlicher wurde dieses Verständnis am zweiten Beispiel, das Koch anführte: Die Show "Miss Germany", die dieses Jahr erstmals auf Sixx gesendet wurde.
Bewusst distanzierte man sich dabei vom regulären Format des Schönheitswettbewerbs und legte das Augenmerk stattdessen auf "Frauen, die etwas leisten möchten". Aus über 2000 Bewerbungen wurden zuletzt 80 Kandidatinnen ausgewählt, die in einer Doku-Serie bis zum Finale begleitet wurden.
Leistung statt 90-60-90
"Wichtig war uns dabei allein der Prozess: Die Frauen haben sich über ein halbes Jahr immer mal wieder in Mentoring-Sessions getroffen und sind dabei wirklich über sich hinausgewachsen", fasste Koch zusammen. Diese Methode, "tolle Frauen sichtbar zu machen", habe viel verändert, das hätten zuletzt auch die Zahlen bewiesen.
Wir sind natürlich noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Aber wenn wir konstant weitermachen, kann auch ein Fernsehformat wirklich etwas bewirken.
"Das glaube ich nicht nur, sondern das wissen wir auch, denn wir haben das mit der Forschung begleitet", erklärte sie. "Und das kann ich auch nur empfehlen: Fakten zu schaffen, hilft wirklich, das weiter voranzutragen".
Nicht nur habe Miss Germany als Marke an Bekanntheit gewonnen, auch Assoziationen hätten sich verlagert.
"Früher waren es Körper, Krone und Bikini – heute ist es Persönlichkeit, Charakter und Female Empowerment", so Koch. "Wir sind natürlich noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Aber wenn wir konstant weitermachen, kann ein Fernsehformat wirklich etwas bewirken, weil es eben doch eine Million Menschen gesehen und wahrgenommen haben und dadurch getriggert werden".
Neuer Meilenstein Frauensport
Auch im Sport setzt der Sender neue Maßstäbe und sicherte sich die TV-Rechte für verschiedene Frauensport-Ereignisse, unter anderem die Rugby-Weltmeisterschaft. Das Unterfangen habe anfangs ein gewisses Risiko bedeutet, zuletzt hätten die Zahlen aber für sich selbst gesprochen, blickte Koch zurück. "Es ist hervorragender Sport, der sehr viel geguckt wurde, und zwar auch von Männern", betonte sie.
Insgesamt hielt sie fest, dass es wichtig ist, die Sichtbarkeit von Frauen auf dem Bildschirm bewusst anzustoßen, um somit auch gesellschaftlich etwas in Bewegung zu setzen.
"Wenn wir das wirklich konsequent machen, dann kann man diese Haltung auch nach draußen tragen. Ich bin wahnsinnig stolz darauf, dass wir diese drei Varianten haben, die Frauen sichtbar machen. In meiner Welt ist das Female Empowerment, so wie ich es unterstütze", sagte die Senderchefin.

"Mein Wunsch für die Zukunft ist auf jeden Fall, noch mehr und diversere Leading Female Characters zu haben. Da müssen wir als Medienbranche noch ein bisschen dran arbeiten. Es gilt immer noch der Grundsatz, was du siehst, kannst du werden und was du nicht siehst, musst du träumen. Deswegen ist mir diese Sichtbarkeit von Frauen on Screen sehr wichtig".




