Timo Sämann, Profisprecher, Sprechtrainer und Keynote Speaker, war am 22. September 2026 beim ZFK-Frauennetzwerk zu Gast. Moderiert wurde das Event von Laura Partikel, Managerin des ZFK-Frauennetzwerks.

Timo Sämann, Profisprecher, Sprechtrainer und Keynote Speaker, war am 22. September 2026 beim ZFK-Frauennetzwerk zu Gast. Moderiert wurde das Event von Laura Partikel, Managerin des ZFK-Frauennetzwerks.

Bild: © Screenshot/ZFK

"Wie du klingst, so fühlt sich dein Gegenüber." Diesen Satz nannte Profisprecher und Sprechtrainer Timo Sämann seinen goldenen Leitsatz – und er war der rote Faden seines Vortrags im Rahmen eines Online-Events des ZFK-Frauennetzwerks.

Die Stimme transportiere Gefühle und Emotionen; passe der Klang zum Inhalt, entstehe Sicherheit und Vertrauen, passe er nicht, entstünden Unsicherheit und Zweifel. Wie weit die Spanne reicht, führte Sämann an dem Satz "Das schaffen wir" vor: Ruhig und mit fallendem Satzende gesprochen wirkt er vertrauensvoll, mit steigender Endung unsicher, mit mehr Energie mitreißend.

Warum der Klang schwerer wiegt als der Inhalt

Sämann, der BWL studierte, sechs Jahre als Radiomoderator arbeitete und dann noch eine Sprecherausbildung absolvierte, verwies auf die Evolution: Zuerst spielte nur die Mimik eine Rolle, dann dann kamen Hände und Körpersprache dazu und erst vor rund drei Millionen Jahren gewann die Stimme an Bedeutung – die eigentliche Sprache entstand erst vor 50.000 bis 100.000 Jahren.

Entsprechend prüfe das Gehirn unbewusst zuerst Körpersprache und Klang. Eine Analyse des US-Unternehmens Quantified Communications, die 120 Reden von Führungskräften auswertete, kam zu dem Ergebnis, dass die Stimme doppelt so stark wirkt wie der Inhalt. Rund 0,4 Sekunden dauere es, bis die Zuhörenden unbewusst anhand des bloßen Klangs erste Einschätzungen vornehmen – lange bevor ein Wort verstanden wird.

Online verschärfe sich das noch: Die zwischenmenschlichen Signale sind schwächer, sichtbar ist meist nur die "Kachel" mit Kopf und Schultern. Sämanns Rat: den Bildausschnitt vergrößern, Oberkörper und Hände zeigen. Ein zu nahes Bild verletze die Intimzone; bei einem Treffen in Präsenz würde man auch mindestens einen halben Meter Abstand zu einem Gesprächspartner halten.

Vorbereitung wie vor einem Wettkampf

Das eigene rhetorische Können kann man mit Sämanns Konzept trainieren, das als Zehn-Stufen-Modell angelegt ist. Die ersten vier Stufen – Körperenergie, Atmung, Stimmvolumen und Artikulation – bilden das Fundament und stehen für Sicherheit. Darüber folgen die Elemente der Klarheit, also Pausensetzung, Sprachstil und Sinnschritte. Dann folgen die Elemente der Aufmerksamkeit wie Betonung, Sprechmelodie und Sprechtempo.

Wer bei der obersten Stufe ansetzt, ohne das Fundament gelegt zu haben, komme nicht weit. Vor einem Meeting empfiehlt Sämann daher eine Routine in vier Schritten, die er mit dem Publikum live durchging: den Körper abklopfen, von den Armen über Brustbein, Bauch und Beine bis zu Nacken und locker hängendem Kiefer, um die Blutzirkulation zu aktivieren.

Unsere Stimme ist nichts weiter als ein Set an Gewohnheiten.

Dann die 4-6-8-Atmung – vier Sekunden durch die Nase einatmen, sechs Sekunden die Luft anhalten, mindestens acht Sekunden ausatmen. Das Ausatmen sei die wichtigste Phase, weil der Körper sich unter Stress viel Luft zuführt.

Es folgten eine Stimmübung mit Gleittönen von tiefen Tönen über die Mitte nach oben und zurück, um die Resonanzen zu spüren, und eine Artikulationsübung mit Konsonanten und Vokalen als Training für Zunge, Lippen und Kiefer.

Drei Energizer

Für ein gelungenes Online-Meeting empfahl Sämann, auf folgende Punkte zu achten:

  • Körper: "Online ist deine Stimme der akustische Teil deiner Körpersprache." Konkret heißt das: aktiver Sitz im vorderen Drittel des Stuhls, beide Füße im 90-Grad-Winkel auf dem Boden, aufgerichtete Linie von den Schultern zum Becken – nicht angelehnt, nicht vorgebeugt.
    Dazu Bewegungen nutzen. Die Geste geht dem Wort um wenige Millisekunden voraus und folgt einer Emotion: "Wenn du nichts fühlst, während du sprichst, hast du ein kleines Problem." Stehen bringt noch mehr Energie, aber das sollte jeder nach eigenem Wunsch handhaben.
  • Dialog: Auch wenn die Teilnehmer:innen ihre Kameras während einer Rede ausmachen, sollte der Klang durch die Kamera zu einer imaginären Person gesendet werden. Wichtig: Lautstärke entsteht nicht durch höhere Töne, sondern durch Volumen in der Indifferenzlage, dem unteren Drittel des Stimmumfangs – dort klingt die Stimme entspannt. Um den Kontakt zu den Zuhörer:innen zu intensivieren, sollte man Fragen stellen – online häufiger als in Präsenz.
  • Dynamik: Kein Satz sollte klingen wie der vorhergehende. Über die Melodie lässt sich steuern, was ankommt: Nach unten geführte Sätze signalisieren Kompetenz, Sicherheit und Kernbotschaft, nach oben geführte aktivieren und fordern zur Reaktion auf.
    Sämann empfahl, die ganze Bandbreite der Stimme zu nutzen. Sein Bild dafür: Ein Klavier hat 88 Tasten – wer nur 15 oder 20 bedient, verschenkt die Möglichkeiten des Instruments. Auch das Tempo darf variieren, und zwar innerhalb eines Satzes: Kernbotschaften langsam, Nebensächliches schneller.

Die eigenen Stellschrauben kennen

Auf die Frage, was er fachlich starken Frauen rät, die sich rhetorisch schwerer tun, stellte Sämann zwei Punkte heraus. Erstens: Der Klang der Stimme lässt sich bewusst steuern. Ab etwa dem dritten Lebensjahr entwickle sich die Stimme durch Imitation weiter und gehe in Muster über – "unsere Stimme ist nichts weiter als ein Set an Gewohnheiten".

Zweitens: Wer eine andere Person kopiert, verliert die eigene Persönlichkeit; Sämann hat das als junger Radiomoderator selbst erlebt. Entscheidend sei, die individuellen Stellschrauben zu kennen. Seine Beobachtung: "Häufig ist es bei Frauen so, dass sie sich stimmlich und akustisch kleiner machen, als sie eigentlich fachlich sind."

Sämann hatte noch einen weiteren Umsetzungstipp: sich selbst regelmäßig aufnehmen, die Aufnahme erst am Folgetag anhören – und sich pro Situation nur einen einzigen Punkt vornehmen, an dem man arbeiten will.

Mehr Informationen zum ZFK-Frauennetzwerk und zu den nächsten Online-Events finden Sie hier. Sie können gerne unserer ZFK-Frauennetzwerk-Gruppe auf Linkedin beitreten (hier klicken).

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